«Wie stärkt der Aargau seine Volksschule – so heisst die heutige Veranstaltung», sagt Grossrat Kurt Wyss (CVP) zur Begrüssung. «Wir haben bewusst kein Fragezeichen dahinter gesetzt; denn am Schluss werden Sie rausgehen und Bescheid wissen.» Am 11. März stimmt der Aargau über die Schulgesetzrevision ab (siehe Box). Unter anderem soll die Primarschule neu 6, die Oberstufe nur 3 Jahre dauern, so wie das – ausser im Aargau und im Tessin – schweizweit Usus ist. Die Änderungen werfen Fragen auf – entsprechend gross ist das Publikumsinteresse an der Diskussion in der Lengnauer Rietwiese.

Stärkung der Volksschule

Die Schulgesetzrevision ist unumgänglich, darin sind sich alle Podiumsteilnehmer einig. Deshalb übernimmt Podiumsleiter Philipp Mäder, stv. Chefredaktor der az Aargauer Zeitung, in der Diskussion kurzerhand die Rolle des Advocatus Diaboli: «Wir passen uns den anderen Kantonen an – ist es befriedigend, wenn man keine Wahl hat?» Das sei es durchaus, findet Grossrat Hans-Ruedi Hottiger (CVP) und erläutert das Ziel der geplanten Änderungen: «Wir wollen Lehrpersonen und Schüler gezielt unterstützen und so die Volksschule stärken.»

Hottiger steht hinter der Revision, auch wenn er «nicht wunschlos glücklich» ist: Der von der CVP angepeilte Niveau-Unterricht fand keinen Eingang in den Revisionskatalog. Hottiger betont aber: «Wir sind durchaus happy, wenn wir den Spatz in der Hand haben anstatt die Taube auf dem Dach.» Auch Nick Stöckli, Präsident des Aargauer Lehrerinnen und Lehrerverbands, ist überzeugt: «Die Revision ist nicht nur eine politische Notwendigkeit, sondern auch ein Fortschritt.»

Wichtig sei nun, den Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen und einen Teil der Oberstufenlehrer von einem Wechsel in die Primar zu überzeugen: «Das 6/3-Modell ist ein Verlust für die Oberstufenlehrer. Man verstümmelt ihren Lehrauftrag.» Auch Christian Aeberli, Leiter der Abteilung Volksschule beim kantonalen Bildungsdepartement, betont: «Es ist eine grosse Herausforderung, genug qualifizierte Lehrer im Aargau zu halten.» Ähnlich sieht es Beat Widmer, Leiter der Kreisschule Surbtal, der lange überlegt hat, ob er die Revision gutheissen soll. «Es ist wichtig, dass die Schulentwicklung danach nicht einfach still steht», sagt er.

Treibhäuser für die Entwicklung

Das neue Schulgesetz sieht mehr integrativen Unterricht vor – leistungsschwache Schüler sollen in Regelklassen unterrichtet werden. «Diese haben so viel bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz», erklärt Bildungsforscherin Silvia Grossenbacher. Zudem sei es wichtig, dass der Kindergarten obligatorisch werde. «Das rentiert sich vor allem für Kinder, die zu Hause wenig gefördert werden.» Und: «Schulen sind Treibhäuser für die Entwicklung unserer Kinder – und denen muss man Sorge tragen.»