Leibstadt

Nur ein Bruchteil der Dienstpflichtigen erschien zum Übungseinsatz

Mehr als doppelt so viele Frauen wie letztes Jahr waren am zweitägigen Einführungskurs für Angehörige der Feuerwehr – dafür gab es auch viele Drückeberger.

«Wasser marsch», heisst es auf dem Übungsplatz in Full, wo die Feuerwehr-Azubis jeweils mit voll ausgerüstetem Feuerwehrfahrzeug die ersten und grundlegenden Schritte für einen Brandbekämpfungs-Einsatz lernen. Auch elementare Dinge wie Schlauch Aus- und Einrollen sind gar nicht so einfach und müssen geübt werden.

Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. Und Feuerwehrdienst heisst immer auch Teamwork. An der Kommunikation hapert es noch bei den Neulingen. «Bei uns kommen Menschen zusammen, die völlig unterschiedlich denken. Aber sie müssen bei den Einsätzen am gleichen Strick ziehen», sagt André Burkhard, Kommandant der regionalen Feuerwehr Leibstadt, die auch für die Gemeinden Full-Reuenthal und Schwaderloch zuständig ist.

«Die Feuerwehr ist eine gewaltige Lebensschule. Man lernt innert kürzester Zeit gemeinsam gute Entscheide zu treffen und zu handeln. Das hat mir auch im Geschäftsleben enorm geholfen», meint der hauptberufliche Elektrotechniker. Vor dem Kurslokal im Feuerwehrmagazin Leibstadt hört man das Kreischen der Motorsäge. Viele der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer halten sie das erste Mal in der Hand und üben unter dem wachsamen Blick eines Feuerwehroffiziers, wie sie mit dem gefährlichen Werkzeug umgehen müssen.

16 Frauen wollten löschen

Eine andere Gruppe lernt, wie man mit einer korrekten Brustbindung am Oberkörper den Kollegen für den Einsatz auf der Hochleiter sichert. Auch das muss später schnell passieren, wenn Mensch oder Tier gerettet werden muss. Alle der 81 Beteiligten des Feuerwehr-Einführungskurses eignen sich das wichtige Basiswissen für zukünftige Einsätze hoch konzentriert und motiviert an. «Ich will für die Bevölkerung etwas Gutes tun», sagt Nadine Varrin, eine der 16 Frauen, die sich angemeldet haben. Letztes Jahr waren es nur halb so viele Frauen. Auch Marcel Werder, Gemeindeammann Full-Reuenthal sowie die Gemeinderäte Gaby Essig aus Leibstadt und Peter Stähli aus Schwaderloch lassen es sich nicht nehmen, einmal einen Blick in die Feuerwehrpraxis zu werfen.

Obwohl im Aargau vom 20. bis 44. Lebensjahr für die Feuerwehr Dienstpflicht gilt, erscheint jeweils nur ein Bruchteil der Aufgeforderten zu den Einführungskursen. «Wenn wir zwischen 200 und 300 Aufgebote verschicken, kommen maximal 60 bis 70 Leute», erzählt Burkhard. Wer fern bleibt, muss seine Abwesenheit begründen und wird das Jahr darauf wieder angeschrieben. Alle, die sich drücken, könnten grundsätzlich verzeigt werden. Mehr gebracht hat es bisher, auch 18- und 19-Jährige für den Feuerwehrdienst zu mobilisieren, deren Teilnahme noch freiwillig ist. «So konnten wir dieses Jahr 11 Neuzugänge verzeichnen», zeigt sich Burkhard erfreut. «Die Feuerwehrleute müssen sich nach dem Einführungskurs an rund 10 bis 15 Übungen per annum beteiligen», meint Kurskommandant Ruedi Indermühle von der Stützpunktfeuerwehr Bad Zurzach-Rietheim zum Zeitaufwand. Bei den Ernstfällen sind durch Stürme und Hochwasser bedingte Elementarschäden in den letzten Jahren deutlich in der Überzahl. Nennenswerte Feuerausbrüche gibt es nur noch ganz selten. «Pro Jahr verzeichnen wir in unserer Region durchschnittlich 12 Einsätze», berichtet Burkhard. 2015 bezeichnet er als ruhige Periode: «Wir unterstützten die Ambulanz bei Bergungsproblemen, engagierten uns, wenn irgendwo Öl auslief und Stürme Gebäude beschädigten. Leider mussten wir im April 2015 auch beim Verkehrsunfall in Full Hilfe leisten, der tödlich endete. Am schlimmsten ist es immer, wenn Menschleben im Spiel sind», sagt Burkhard.

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