Bezirksgericht Zurzach

Nie wieder «so en Scheiss»: 20-jähriger Raser zeigt Reue

Kevin* wurde mit 140 statt 80 km/h geblitzt. (Symbolbild)

Kevin* wurde mit 140 statt 80 km/h geblitzt. (Symbolbild)

Bedingte Freiheitsstrafe und Busse für einen 20-jährigen Junglenker. Statt 80 km/h fuhr er 140 und beging grobe Verletzungen der Verkehrsregeln.

Kevin (Name geändert) war noch nicht ganz 20-jährig, hatte seit eineinhalb Jahren den Fahrausweis und war seit vier Monaten stolzer Besitzer einer rassigen VW-Version. Der Wagen wurde rundherum gesponsert von Mama und Papa. An einem Sonntag Mitte Dezember letzten Jahres hatte Sohnemann zwei Kollegen zum Shopping nach Spreitenbach kutschiert.

Auf dem Heimweg ins Untere Aaretal wurde Kevin zwischen Würenlingen und Döttingen geblitzt. Wie in der Natur üblich, folgte der Donner – für Kevin in Form einer Anklage wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung sowie mehrfacher groben Verletzung der Verkehrsregeln. Der Junglenker hatte, als er im Bereich einer Verzweigung zwei Autos überholte und dabei über eine Sicherheitslinie auf die Gegenfahrbahn fuhr, im 80-km/h-Bereich toleranzbereinigt 140 Sachen auf dem Tacho.

Damoklesschwert Landesverweisung

Auf den Tag genau 10 Monate nach diesem halsbrecherischen Manöver musste Kevin sich vor dem Bezirksgericht Zurzach verantworten. Er hat eine Lehre im Bereich Entsorgung abgeschlossen, wird vom Lehrmeister weiter beschäftigt, verdient netto rund 4100 Franken monatlich, gibt 1000 Franken den Eltern, bei denen er wohnt. Gross ist er, dünn, mit Igelfrisur, Wolljacke überm T-Shirt und nackten Knöcheln unter den dunklen Röhrli-Jeans.

Ein 20-Jähriger, der jünger aussieht und auf dem Gang nach Canossa von seiner Mutter begleitet wird. Kevin ist hier geboren, aber ebenso wenig eingebürgert, wie seine aus einem nahen Land stammenden Eltern und Grosseltern. So hing, rein theoretisch, auch das Damoklesschwert einer Landesverweisung über dem Burschen. Ganz konkret aber erwartete Kevin als Raser eine Freiheitsstrafe zwischen einem und vier Jahren – so will es das Gesetz.

Bei den ersten polizeilichen Einvernahmen hatte Kevin behauptet, die beiden Autos vor der Verzweigung überholt gehabt zu haben. Nachdem die Fotos aus dem Blitzer – der die überholten Wagen übrigens auch mit 86, respektive 88 km/h festhielt – sowie Zeugenaussagen die die Wahrheit klar dokumentierten, hatte Kevin ein vollständiges Geständnis abgelegt. Nach dem Vorfall hätten Kumpels gesagt, dass er nie mehr Autofahren dürfe und bestimmt in den Knast müsse. Das habe ihn zusätzlich belastet.

«Irgendwie euphorisch gewesen»

Bei der Befragung durch Gerichtspräsident Cyrill Kramer zeigte der Bursche sich reuig. Er sei damals irgendwie euphorisch gewesen, anders könne er sich das Ganze nicht erklären. «Ich sage jetzt mal, das isch chrank.» Es sei ein grosser Fehler gewesen und er werde nie mehr «so en Scheiss» machen. Nach dem Vorfall habe er ziemlich Probleme gehabt «im Job und auch so im Leben». Er war depressiv, zwischendurch aggressiv, «aber jetzt bin ich wieder auf dem rechten Weg».

Der Beschuldigte, so die Staatsanwältin, sei ein hohes Risiko von Schwerverletzten oder gar Toten eingegangen, wobei er nicht nur sich selbst, sondern auch seine beiden Mitfahrer und ebenso weitere Verkehrsteilnehmer gefährdet habe. «Dafür ist eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten angemessen, bedingt erlassen mit drei Jahren Probezeit, dazu eine Busse von 3000 Franken, so die Anklägerin.

Der Verteidiger hingegen betonte, dass die hohe Tempo-Überschreitung zwar zwingend mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden müsse, die beim Überholen begangenen Verkehrsregelverletzungen jedoch durchaus auch mit einer Geldstrafe sanktioniert werden könne. Ein Jahr Freiheitsstrafe und 100 Tagessätze à 50 Franken Geldstrafe – beides bedingt auf zwei Jahre – sowie 1500 Franken Busse, so der Antrag des Verteidigers.

Das Gericht unter Vorsitz von Cyrill Kramer verurteilte Kevin zu 15 Monaten Freiheitsstrafe bedingt auf drei Jahre und 2000 Franken Busse. Neben dieser muss Kevin die Anklagegebühr, Untersuchungs- und Gerichtskosten in Gesamthöhe von rund 5000 Franken bezahlen.

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