Interview

Neugewählter CVP-Grossrat Andreas Meier: «Das Zurzibiet wird unterschätzt»

Sitz Nummer 124: Andreas Meier hat am Dienstag zum ersten Mal im Grossen Rat Platz genommen. Sandra Ardizzone

Sitz Nummer 124: Andreas Meier hat am Dienstag zum ersten Mal im Grossen Rat Platz genommen. Sandra Ardizzone

Der frisch gewählte CVP-Grossrat Andreas Meier erlebte am Dienstag seinen ersten Tag im Kantonsparlament. Im Interview mit der Aargauer Zeitung spricht der Klingnauer über seine politischen Kernthemen, die Wirtschaftslage im Zurzibiet und über sein engagiertes Leben als Winzer.

Andreas Meier ist einer von sieben Vertretern aus dem Bezirk Zurzach im Grossen Rat. Neben ihm sitzen Patrick Gosteli (SVP, Böttstein), Hansjörg Erne (SVP, Leuggern), Manuel Tinner (SVP, Döttingen), Erwin Baumgartner (FDP, Tegerfelden), Monika Stadelmann (SP, Bad Zurzach) und René Huber (CVP, Leuggern) in der kommenden Legislatur für das Zurzibiet im Parlament. Am Dienstag nahm Meier erstmals auf Sitz 124 im Ratssaal Platz.

Andreas Meier, Sie tönen heiser. War der Smalltalk beim Apéro nach der ersten Sitzung derart anstrengend?

Andreas Meier: (lacht) Ich bin gesundheitlich etwas angeschlagen. Aber nicht wegen des Apéros. Mich plagt eine Erkältung. Leider war an der Grossratssitzung mein Apotheker nicht anwesend! (Anm. der Red.: Meier ist der Nachfolger des zurückgetretenen Grossrats und Apothekers Theo Voegtli aus Kleindöttingen).

Hatten Sie in Aarau Unterstützung von Ihrer Familie?

Meine drei Töchter sind in alle Himmelsrichtungen verteilt und waren deshalb nicht anwesend. Wir hatten aber per Whatsapp miteinander Kontakt. Die Familie ist mir sehr wichtig. Neben meinem Amt im Grossen Rat wartet auf mich in Kürze eine zusätzliche, erfreuliche Aufgabe: Ich werde in einem Monat erstmals Grossvater.

Auf Sie alleine gestellt waren Sie am Dienstag nicht. Mit Ihrem Parteikollegen René Huber aus Leuggern hatten Sie sozusagen einen Götti, der Sie ins Ratsleben einführen konnte.

Das ist richtig. Er war eine grosse Hilfe.

Wie haben Sie Ihren ersten Tag erlebt?

Sehr intensiv. Es fing bereits am Vormittag an, als ich mich mit dem Zug von Klingnau nach Aarau aufmachte. Ich traf einen Mann, der mir im Oktober seine Stimme gab. Er wollte wissen, wie ich nun politisieren werde.

Und was haben Sie ihm gesagt?

Dass ich meine Wahlversprechen einhalten werde.

Ihre Kernthemen sind ein prosperierendes Gewerbe, Stärkung der KMU und die Berufsbildung. Wie wollen Sie das erreichen?

Indem ich mich für gute Rahmenbedingungen im Aargau und natürlich im Zurzibiet einsetzen will. Ich engagiere mich bereits jetzt in verschiedenen Gremien, beispielsweise im Vorstand der AWG, der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft und Gesellschaft. Mir sind die Sorgen und Nöte bekannt.

Stichwort Wirtschaft: Der Blick ins Zurzibiet präsentiert sich düster. 2016 gab es einige namhafte Firmenschliessungen und die aktuelle Arbeitsquote ist mit 3,8 Prozent die höchste im ganzen Kanton.

Das ist in der Tat leider so. Es gab Schliessungen und weitere Unternehmen sind gefährdet. Das Zurzibiet besitzt aber ein grosses Potenzial. Es wird zu Unrecht immer wieder als strukturschwache Region bezeichnet.

Das Zurzibiet ist eine Randregion.

Diese Ansicht teile ich nicht. Es hängt von der Betrachtung ab. Das Zurzibiet wird unterschätzt. Die ist per se kein eigener, kompakter Wirtschaftsraum. Das Untere Aaretal steht für Innovation, allen voran der Park Innovaare und das PSI. Das Rheintal mit Bad Zurzach mit dem Thermalbad hat seine Stärken im Tourismus und das Surbtal ist mit seiner geografischen Nähe zu den Zentren Zürich und Baden zum Wohnen attraktiv. Wenn wir den süddeutschen Raum dazuzählen, sind wir plötzlich nicht mehr am Rand, sondern Teil einer starken Wirtschaftsachse.

Ein Dauerthema sind die Finanzen. Soll man am 12. Februar dem neuen Ausgleich zustimmen? Ihre Wohngemeinde Klingnau würde mit einer Steuerfusserhöhung zu den Verlierern zählen.

Ja, ich empfehle, dem neuen Finanzausgleich zuzustimmen. Das Thema ist komplex, der neue Ausgleich ist aber übersichtlicher und die Lasten der Gemeinden werden darin gerechter ausgeglichen. Die Auswirkungen werden in vier Jahren neu geprüft und wo nötig können Korrekturen vorgenommen werden.

Wegweisender Charakter dürfte für das Zurzibiet das Projekt Rheintal+ haben. Bei einer Fusion könnte die grösste Gemeinde im Kanton Aargau entstehen. Was halten Sie davon?

Ich befürworte das Projekt. Die Dörfer würden als Einheit bestehen bleiben. Bei einem solchen Zusammenschluss geht es primär darum, die Verwaltung effizienter zu gestalten. In den Köpfen sollte sich der Pragmatismus und weniger das Gärtlidenken durchsetzen.

Sie leiten einen Winzer-Betrieb mit 35 Angestellten, Sie sind in der Parteileitung der Aargauer CVP, im Vorstand der CVP Schweiz und in diversen Berufsverbänden tätig und jetzt Grossrat. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Ich führe ein sehr engagiertes Leben (lacht). Ich versuche es in drei Bereiche zu unterteilen: Beruf, Familie und jetzt neu Politik. Es braucht ein gutes Zeitmanagement und Verständnis der Partnerin. Damit es künftig nicht aus dem Ruder läuft, dafür wird auch mein Enkel sorgen ...

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