Klimaschutz

Neues E-Fahrzeug: Kaiserstuhl hält sein Städtchen künftig dieselfrei

Gemeindearbeiter Erich Weibel am Steuer «seines» neuen Gefährts. Ammann Ruedi Weiss (orange Jacke) hat zusammen mit Markus Schüpbach, Martin Kaufmann und Bruno Näf (v.l.) das Projekt umgesetzt.

Gemeindearbeiter Erich Weibel am Steuer «seines» neuen Gefährts. Ammann Ruedi Weiss (orange Jacke) hat zusammen mit Markus Schüpbach, Martin Kaufmann und Bruno Näf (v.l.) das Projekt umgesetzt.

Die Gemeinde hat ihr altes Kommunalfahrzeug durch ein neues, strombetriebenes Gefährt ersetzt – und übernimmt damit eine Pionierrolle.

Umweltschutz ist in Kaiserstuhl definitiv kein Lippenbekenntnis mehr: Seit kurzem steht in der mit 438 Einwohnern kleinsten Gemeinde der Schweiz ein E-Kommunalfahrzeug im Einsatz. Das bisherige Dieselgefährt hat nach 23 Jahren seinen Dienst beendet. «Wir haben zwei Jahre lang verschiedene Ausstellungen abgeklappert, aber nirgends gab es standardmässig eine Elektroversion eines Gemeindefahrzeugs für unsere Anforderungen», erklärt Stadtammann Ruedi Weiss.

Doch der Stadtrat wollte an der emissionsfreien Zukunft des Städtchens festhalten – ganz nach dem Grundsatz, die Innenstädte dieselfrei zu halten. Deshalb entschied er sich für eine Sonderlösung: Ein Diesel-Fahrzeug sollte auf Elektroantrieb umgerüstet werden. Mit dem E-Fahrzeug-Fachbetrieb der MK Fahrzeuge GmbH aus Triengen (LU) fand man einen Partner, der noch so gerne bereit war, die Gemeinde zu unterstützen.

Die Firma baut und entwickelt seit zehn Jahren Elektrofahrzeuge. «Wir haben schon Oldtimer und Spezialfahrzeuge umgebaut», sagt Martin Kaufmann, Geschäftsführer und Eigentümer des Unternehmens, «aber noch nie zuvor ein vollwertiges Kommunalfahrzeug».

Abgesehen davon, dass es mit Strom fahren sollte, musste das neue Gemeindefahrzeug von Kaiserstuhl noch weitere Voraussetzungen erfüllen. Das Strassennetz ist zwar klein – aber steil und eng, weshalb das Fahrgestell nicht zu ausladend sein durfte. Aber dennoch sollte das neue Fahrzeug robust genug sein, dass es die nächsten zwei Jahrzehnte bei jedem Wetter zuverlässig seine Dienste zu leisten vermag. Es muss auch in der Lage sein, viel Leistung zu erbringen, beispielsweise im Winterdienst, wenn ein Schneepflug und Salzstreuer montiert werden.

Daneben wird das Kommunalfahrzeug für den Transport verschiedenster Lasten wie Kies, Festbänke oder Beton eingesetzt. «Wir brauchen ein absolutes Allroundfahrzeug», erklärt Ruedi Weiss. Die Kosten für die Spezialanfertigung betrugen gesamthaft 200'000 Franken – ein reines Dieselfahrzeug wäre 40'000 Franken günstiger gekommen. Kaiserstuhl liess sich Ende 2018 vom Souverän zu den Mehrausgaben ermächtigen.

Dafür spart Kaiserstuhl mit der neuen Lösung in Zukunft. «Wir versprechen uns vom Elektrofahrzeug erheblich tiefere Betriebs- und Unterhaltskosten», so der Stadtammann, und ergänzt: «Zudem produziert es weder Lärm noch Dieselgestank.»

Jungfernfahrt durch die engen Gassen

In den Umbau des sechs Tonnen schweren Fahrzeugs hat Martin Kaufmann die neusten Erkenntnisse über E-Mobilität einfliessen lassen. Rund ein Jahr hat er gebraucht, bis das Fahrzeug am Freitag seine Jungfernfahrt auf den engen und steilen Gassen Kaiserstuhls antreten durfte. Er erwartet keinerlei Kinderkrankheiten oder grössere Probleme. Denn beim Grundfahrzeug handle es sich um ein bewährtes Modell eines Gemeindefahrzeugs. Es sollte problemlos einen ganzen Tag lang im Einsatz stehen können; die Reichweite beträgt rund 100 Kilometer.

«Kaiserstuhl war der optimale Partner für dieses Pilotprojekt», erklärt Kaufmann zur Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Für ihn und seine Firma war der Auftrag wegweisend: «Die Neuigkeit hat massiv eingeschlagen», freut er sich, «weitere Gemeinden liebäugeln nun auch mit einem solchen Modell». Man entwickle bereits grössere Systeme.

Für Kaiserstuhl ist es nicht ungewohnt, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Schon das letzte Gemeindefahrzeug war eine Spezialanfertigung. Damals hat man einen Prototypen mit einer Allradlenkung angeschafft – damit das Gefährt in den engen Kurven nicht stecken bleibt.

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