Nicht alle haben eine so lange Geschichte zu erzählen wie das «Schlössli» in Koblenz. Das ursprüngliche Baujahr des Gebäudes, das als mächtiger spätgotischer Mauerbau charakterisiert wird, ist nirgends genau festgehalten, dürfte aber ins 15./16. Jahrhundert zurückreichen.

1683 wurde das Haus umgebaut und überlebte im Jahr 1795 den verheerenden Dorfbrand von Koblenz. Überliefert ist, dass es dem Kloster St. Blasien im Hochschwarzwald gehörte und ursprünglich wohl ein Lager- (Zehnten- und Zinseinnahmen) und Gästehaus für reisende Mitglieder und Gäste des Klosters war.

Nun steht das geschichtsträchtige «Schlössli», wie es im Grenzort genannt wird, zum Verkauf. Über die Jahrhunderte hat sich das Zehntenhaus des Klosters in ein Mehrfamilienhaus mit sieben Wohnungen gewandelt.

Auf einer Geschossfläche von 740 m2 finden sich heute sechs 31/2-Zimmer-Wohnungen und eine 6-Zimmer-Wohnung. Der Verkaufspreis für das Objekt liegt bei 3,15 Millionen Franken.

Im Jahr 1986 kauften der ehemalige Dorflehrer Jörg Müller und seine finnische Partnerin Aino Müller das Haus. «Die guten Geister vom Schlössli», wie sie genannt wurden, retteten das Haus vor dem Verfall.

Damals hatte es keinen Wert mehr, der Landpreis betrug 50 000 Franken. Drei Jahre lang renovierten sie das Objekt. Nur die Mauern aus Kalkstein, an einigen Stellen meterdick, die Balken und der Dachstuhl blieben stehen.

Das «Schlössli» ist Kulturgut

Das «Schlössli» wurde 1989 in das Verzeichnis der örtlichen Kulturgüter aufgenommen. Man war sich erst bei der Planung der Renovation des Gebäudes der historischen Bedeutung bewusst geworden. Trotz den Bestimmungen des Denkmalschutzes war es möglich, das Hauptgebäude zu entkernen, neu aufzubauen und mit einem Anbau zur Erweiterung der Wohnflächen zu ergänzen.

Dabei konnte das Gebäude nicht nur seinen historischen Kern behalten, es wurde in einer Wohnung auch eine Kassettendecke mit Bauernmalereien entdeckt und fachgerecht restauriert.

Die damaligen Kosten für Renovation und Anbau betrugen zirka 2,75 Millionen Franken, ein kleiner Teil davon wurde durch die Denkmalpflege übernommen. Aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes darf die Aussenansicht nur in Übereinstimmung mit der Denkmalpflege verändert werden.

Die Wohnungen sind derzeit alle vermietet und wurden in den letzten Jahren etappenweise erneut renoviert. Mit dem Verkauf der Liegenschaft beauftragt wurde Thierry Steullet von der S-Finanz AG in Bad Zurzach.

Vor allem für institutionelle Anleger wie Pensionskassen könnte das «Schlössli» interessant sein. «Die Erfahrung zeigt aber, dass es mit 3,15 Millionen Franken für institutionelle Anleger eher zu klein, für Private dagegen fast zu gross ist», sagt Steullet.

Im Besitz der «Frau baut AG»

Seit 2017 ist das «Schlössli» im Besitz der «Frau baut AG», die es nun verkaufen will. Die «Frau baut AG» ist ein auf die Erstellung von Wohnraum für Frauen spezialisiertes Immobilienunternehmen mit Sitz in Zürich. Sie kauft, baut, saniert, bewirtschaftet und verkauft «Immobilien von Frauen für Frauen».