Der Schneisinger Gemeinderat liess diesen Frühling prüfen, ob man den Bahnhof in der Nachbargemeinde Niederweningen umbenennen könnte. Weil die Namensänderung in «Schneisingen-Niederweningen» etwa 80 000 bis 100 000 Franken kosten würde und das Geld woanders besser investiert sei, wurde die Idee wieder verworfen.

Bis an der Gemeindeversammlung der Antrag eines Stimmbürgers angenommen wurde, die Idee doch noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Der Gemeinderat ist damit verpflichtet, die Umbenennung an der nächsten Gemeindeversammlung im November zur Abstimmung zu bringen.

Befürworter erhoffen sich einen Marketingeffekt – insbesondere, weil der Bahnhof die letzte Haltestelle der S 5 ist und damit in sämtlichen Fahrplänen aufgeführt würde.

«Finanzielle Lasten mittragen»

Kaum Stimmen zu hören waren zur Frage des Bahnhofsnamens bisher aus Niederweningen. Würde es dort begrüsst, den Bahnhofsnamen mit Schneisingen zu teilen? Oder will man doch lieber alleiniger Namensträger bleiben?

Gemeindepräsidentin Andrea Weber erklärt auf Anfrage: «Sagen wir es so: Wir hätten nichts dagegen, wenn der Bahnhof künftig Niederweningen-Schneisingen heissen würde. Denn dann würde eine weitere Gemeinde die finanziellen Lasten für den Bahnhof mittragen.»

Mit den einmaligen Kosten für die Namensänderung von 80 000 Franken wäre es für Schneisingen aber nicht getan, stellt Weber klar. «Es kämen jährlich wiederkehrende, nicht zu unterschätzende Kosten für den Bahnbetrieb hinzu.»

«Effekt wird überschätzt»

Wie sehr die Nachbargemeinde Schneisingen von der Namensänderung des Bahnhofes profitieren könnte, könne sie nicht abschätzen, sagt Weber. «Meiner Meinung nach wird der Effekt der S-Bahn auf die Steuerkraft der Gemeinden überschätzt.»

In Presseberichten war zu lesen, die Bevölkerungszahl Niederweningens habe seit 1990 vor allem wegen der neuen Bahnverbindung um satte 81 Prozent zugenommen.

Als Folge davon habe die Steuerkraft um 131 Prozent zugelegt. «Es wären in den vergangenen zwei Dekaden auch ohne den S-Bahnhof viele neue Häuser in unserer Gemeinde gebaut worden.

Ganz einfach, weil unmittelbar bei Zürich freie Wohnflächen kaum mehr zu finden sind, bei uns hingegen gab es noch erschwingliches Bauland», erklärt Andrea Weber. «Gleichzeitig sind wir auch ohne S-Bahnhof ein attraktives Dorf, wir haben ein eigenes Schwimmbad, Schulen und zum Beispiel auch einen Fussballverein.»

Gute Finanzlage

Dass es der Gemeinde Niederweningen finanziell derzeit gut gehe – zu einem gewissen Teil sicher auch dank des Bahnhofes, der gute Steuerzahler anlockt – stimme tatsächlich, sagt Weber.

Obwohl der Steuerfuss in den vergangenen zehn Jahren von 121 auf derzeit 108 Prozent sank, konnten die Schulden auf rund 6,9 Millionen Franken halbiert werden. Unerwartete Steuereinnahmen gut betuchter Einwohner führten dieses Jahr zu einem satten Gewinn von 2,2 Millionen Franken – die dritte Jahresrechnung in Folge mit Ertragsüberschuss.

«Es kommen in den nächsten Jahren einige Sanierungsarbeiten auf uns zu, die wir aber wohl gut verkraften können. Wasserleitungen und Strassen befinden sich teilweise in schlechtem Zustand.»

Auf finanzieller Sicht wäre denn auch keine Fusion mit den Wehntaler Nachbargemeinden Oberweningen, Schleinikon und Schöfflisdorf nötig. Dennoch unterstützt Weber den Fusionsprozess, bei dem es im August mit einer Kick-off-Sitzung weitergeht.

Am 30. November 2014 hatten die Stimmbürger der vier Gemeinden mit deutlichen Mehrheiten die Aufnahme von Zusammenschlussgesprächen gefordert.