Anfang Oktober überfuhr ein 55-jähriger Schweizer bei Böttstein eine Muttersau und deren Jungtiere. Die drei Frischlinge starben auf der Stelle. Die Bache liess der Täter schwer verletzt über Nacht auf dem Feld zurück. Erst tags darauf wurde sie mit einem Schuss von ihren Leiden erlöst.

Der beschuldigte Landwirt hat im Verlauf der Strafuntersuchung die Tat gestanden. Für Tierschützer Kurt Amsler eine grosse Genugtuung. «Mit dem Geständnis haben wir einen Teilsieg im Fall ‹Wildschweinmord in Böttstein› erreicht», sagt er. Der Fotograf und Tierschützer hatte eine Petition lanciert, die verlangt, dass die Tat schnell und vollständig aufgeklärt und für dieses Verbrechen die höchstmögliche Strafe ausgesprochen wird.

Wildschwein-Killer vor Gericht

Wildschwein-Drama: Geständiger Mann kommt vor Gericht

Letzten Herbst hat ein 55-Jähriger in Böttstein vier Wildschweine getötet. Nun wurde gegen den geständigen rasenden Tierquäler Anklage erhoben.

Ende November hatte Amsler 7000 Unterschriften an die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach übergeben. Unterzeichnet von Menschen aus der ganzen Welt. Ihm sei es wichtig, dass der Fall von Böttstein nicht vergessen geht und nicht in einer Schublade verschwindet, sagte Amsler.

Dass es nun zur Anklage kommt, führt Amsler auch auf sein Engagement zurück. Und er legt nach. Am Montag hat er eine weitere Petition zum Fall lanciert. «Wir verlangen erneut, dass für den Täter, welcher der vierfachen Tierquälerei und des Tiermordes angeklagt ist, eine unbedingte Höchststrafe ausgesprochen wird. Dadurch würde ein Exempel statuiert, dass Tierquäler nicht so einfach davonkommen», sagt Amsler.

Auch sei dem Täter mit sofortiger Wirkung der Führerschein zu entziehen. Adressat der Petition ist diesmal nicht die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, sondern Cyrill Kramer, der Präsident des Bezirksgerichts Zurzach. Bereits nach 24 Stunden hatten 1000 Personen die Petition unterzeichnet.

Amsler sieht Falschaussage

Die Tat dürfte unter Artikel 26 des Tierschutzgesetzes fallen, wo «Tierquälerei» behandelt wird. Für das Töten eines Tieres auf qualvolle Art oder aus Mutwillen sieht das Gesetz eine Höchststrafe von drei Jahren vor. «Dazu können noch 180 Tagessätze respektive 6 Monate Freiheitsstrafe für Falschaussage hinzukommen», sagt Amsler.

Der Geständige hatte die Tat zunächst geleugnet. Sein Anwalt teilte damals mit: «Die Vorwürfe gegen meinen Mandanten sind falsch. Mein Mandant hat die ihm vorgeworfene, abscheuliche Tat nicht begangen. Er verurteilt den Angriff auf die Wildschweinfamilie.» Amsler macht auch darauf aufmerksam, dass selbst der Anwalt die Tat als «abscheulich» bezeichnet hat.

Der Beschuldigte hat im Verlauf der Strafuntersuchung angegeben, der Anblick der zahlreichen Wildschweine hätte ihn wegen der vielen Schäden durch die Tiere dermassen wütend gemacht, sodass «ein Blackout» die Folge gewesen sei. Amsler spricht in diesem Zusammenhang von einem «faulen Rechtstrick, um als nicht zurechnungsfähig eingestuft zu werden».

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach wirft dem Beschuldigten vor, auf dem Feld eine Rotte von rund 20 Wildschweinen entdeckt und mit dem Geländewagen gezielt verfolgt zu haben. Während sich die meisten Tiere wohl retten konnten, verletzte der Beschuldigte vier Tiere tödlich. Weiter geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass auch eine weitere unbekannte Anzahl Wildschweine angefahren und verletzt wurde.

Kurt Amsler übergibt die Wildsau-Petition an Fiona Strebel von der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft.

Kurt Amsler übergibt die erste «Wildsau-Petition» an Fiona Strebel von der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft.

Tierschützer und Fotograf Kurt Amsler hat der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach die Petition zum Wildschwein-Drama von Böttstein übergeben. 7000 Personen haben unterschrieben.

In der Praxis werde das Strafmass bei Tierquälerei nie ausgereizt, sagte Lukas Berger, Anwalt beim Rechtsdienst des Schweizer Tierschutzes, gegenüber der az. Acht Monate Gefängnis bedingt sei die höchste Strafe gegen einen Tierquäler, die ihm bekannt sei. Beim Angeklagten handelt es sich laut Amsler um einen Wiederholungstäter. «Auf seinem Hof wurden über zehn Jahre lang Kühe und Rinder dauernd im Stall angekettet, ohne Tageslicht und Auslauf», schreibt er in der Petition.

Amsler rechnet damit, dass die öffentliche Gerichtsversammlung in rund vier Monaten stattfindet. «Ich werde dann sicher auch vor Ort sein», kündigt er aus seinem Wohndomizil in Südfrankreich an.