Döttingen

Neue Kraftwerk-Idee im AKW-Dorf: Alles Bio oder chinesische Verhältnisse?

In der Halle rechts sollen später bis zu fünf grosse Motoren betrieben werden. afr

In der Halle rechts sollen später bis zu fünf grosse Motoren betrieben werden. afr

Die «Electricité de France» (EDF) und die «Energiedienst Laufenburg» wollen in Döttingen eine Pilotanlage realisieren. Im Stüdlihau soll die erste grosse mit Biokraftstoff betriebene Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlage der Schweiz gebaut werden. Doch an dieser Idee scheiden sich die Geister.

Zunächst soll die Anlage mit einem MAN-Schiffsmotor betrieben werden, der rund 9 Megawatt elektrische und 9 Megawatt thermische Energie liefert. Später, so die Vision der Initianten, soll die Anlage auf fünf Maschinen ausgeweitet werden. Die Investitionskosten betrügen dann rund 50 Millionen Franken.

Die grosse, inzwischen als Lager genutzte Halle steht auf dem Areal, wo 1948 die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK – seit Oktober 2009 die Axpo AG) das damals stärkste Gasturbinen-Kraftwerk der Welt eröffnet hatte. Seit August 2015 ist die Parzelle mit den Gebäuden im Besitz des Döttinger Bauunternehmers Markus Birchmeier. Im Baurecht hat er das Areal der EDF Trading für 30 Jahre vermietet. Mit Option auf weitere 30 Jahre.

Bezüglich Infrastruktur vermag das Areal einiges zu bieten. Die Maschinen passen in die alte Generatorenhalle, grosse Tanks zur Lagerung des Biotreibstoffs sind bereits vorhanden. So auch Gleise, um den Treibstoff per Zug anzuliefern. Ein Anschluss an das Hochspannungs- und das Refuna-Fernwärme-Netz ist ebenfalls gewährleistet.

Es gibt aber auch offene Fragen. Gemäss EDF lässt sich die Anlage nur wirtschaftlich betreiben, wenn sie vom Bund den Zuspruch für kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) erhält. Die Nachfrage nach der KEV ist aktuell allerdings grösser als die zur Verfügung stehenden Fördermittel.

Um Anspruch auf die KEV zu haben, muss auch die Abwärme der Anlage genutzt werden. Hier böte sich ein Zusammengehen mit der Refuna (Regionale Fernwärme Unteres Aaretal) an. Gespräche sind im Gang. Möglich, dass die Refuna an der heutigen Generalversammlung öffentlich Stellung dazu nimmt.

Neben den offenen Fragen gibt es auch Opposition gegen die Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlage. Gegen das Projekt sind mindestens drei Einsprachen eingegangen. Eine vom ehemaligen CVP-Grossrat Walter Benz aus Döttingen. Eine weitere vom Branchenkenner und ehemaligen Refuna-Verwaltungsrat Franz Stalder.

«Gemäss Ausschreibung soll es sich um eine «energetische Bio»-Anlage handeln», schreibt Stalder in seiner Einsprache an die Döttinger Bauverwaltung. Und weiter: «Was unter Bio verstanden wird, ist nicht spezifiziert.» Die Konsequenz aus dem Baugesuch und die rechtliche Definition lassen ihn zum Schluss kommen: Die Anlage ist keine Bioenergieanlage, sondern eine Abfallentsorgungsanlage. «Wir werden chinesische Grossstadt-Verhältnisse haben», befürchtet Walter Benz in einem Leserbrief (az vom 24. 8.).

Die Sorgen der Einsprecher gelten der Umweltbelastung, dem Lärm sowie der Herkunft und Zusammensetzung des Biotreibstoffes. Nicht überall wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin, so die Befürchtung. «Als Treibstoff werden Biokraftstoffe genannt, die als Nebenprodukt und Reststoff bei der Biodiesel-Herstellung anfallen», sagt Stalder.

«Es gelangt also nicht genau spezifizierter Bio-Diesel zum Einsatz, sondern ein Abfallprodukt.» In einer Stellungnahme in der «Botschaft» entgegnen die EDF und Energiedienst: «Der von uns verwendete Biokraftstoff verdient seinen Titel.» Der Rohstoff soll im Wesentlichen aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz stammen.

Die Einsprecher wiederum sagen: «Die Schweiz wird zum Entsorger von Abfällen aus dem Ausland.» Sie verlangen, dass die Baubewilligung verweigert wird – oder dass jede Charge des angelieferten Treibstoffs kontrolliert, nicht reines Bio-Dieselöl verboten und das Abgas der Anlage kontinuierlich gemessen wird.

Die Initianten hoffen, dass sie Ende 2018 die Anlage in Betrieb nehmen können. Zunächst die Pilotanlage mit einem Motor, später dann alle fünf. Dafür wird dann erneut ein Baugesuch vonnöten sein.

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