Der Klingnauer Fussballplatz ist eine Besonderheit. Er liegt nicht in einer Bauzone, dafür im Dekretsschutzgebiet des Klingnauer Stausees. Der Platz geniesst eine Bestandesschutzgarantie. Nichtsdestotrotz ist er Naturschützern ebenso ein Dorn im Auge. Diesen öffnet sich eine Angriffsflanke, wenn Klingnau die laufende Teilrevision der BNO öffentlich auflegt. Im März 2019 könnte dies der Fall sein. Dann könnten sie fordern, dass der Fussballplatz vom angestammten Platz verschwinden muss. Entsprechend hält der Stadtrat eine Einsprache etwa von Pro Natura Aargau für möglich, wie Stadtammann Reinhard Scherrer am «Dialog im Schloss» vom Samstag ausführte.

Der Stadtrat stellt deshalb neue Überlegungen an, ob der Fussballplatz verlegt werden könnte. Im Raum steht eine regionale Fussballanlage auf Böttsteiner Gemeindegebiet in Burlen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Gemeinden Böttstein, Döttingen und Klingnau sowie der Präsidenten von FC Döttingen und FC Klingnau bearbeiten diese Möglichkeit. Allerdings würde auch diese teilweise im Stausee-Schutzgebiet liegen. «Das Erfolgsrezept könnte ein Tauschhandel mit Land sein, bei dem alle profitieren», sagt Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny im Juni der AZ zum Projekt.

Zirkuswiese ist keine Option

Doch der Weg dahin ist noch weit. Der Stadtrat will deshalb auch abklären, ob der Klingnauer Platz auf einem Teil der Fläche zwischen Schwimmbad und Stausee möglich wäre. Allerdings wohl nicht mehr auf der Zirkuswiese in direkter Nachbarschaft zu Anwohnern. Im Jahr 2010 hatte das Klingnauer Stimmvolk einen neuen Fussballplatz auf der Zirkuswiese abgelehnt. Abgeklärt werden soll zudem, ob sogar eine regionale Anlage in Klingnau möglich wäre. «Wegen des Verkehrs müssten die Erschliessung aber über das Zelgli erfolgen», sagte Scherrer. Dafür müsste die Strasse zwischen ARA und Zelgli, die sich auf Landwirtschaftsland befindet, ausgebaut werden.

Naturschützer hatten schon bei der letzten BNO-Revision eine Beschwerde eingereicht. Sie betraf die Mülihof-Parzelle, die in der Zone für öffentliche Bauten lag. Hier unterlag die Gemeinde vor dem Aargauer Verwaltungsgericht gegen Eigentümer, Bird Life und Pro Natura, welche die Parzelle einer Nichtbauzone zuweisen wollten. Die Gemeinde muss nun in der BNO-Teilrevision darlegen, dass diese Fläche langfristig für Aussenanlagen eines regionalen Schulstandorts mit bis zu 600 Schülern genutzt werden könnte und damit von öffentlichem Interesse ist. Ansonsten droht die Umzonung, etwa in die Landwirtschaftszone.

Die BNO-Teilrevision könnte im besten Fall an der Sommergemeindeversammlung 2020 erneut zum Thema werden. Wie am Samstag klar wurde, wird sie um zwei Knacknüsse ergänzt: Im Gebiet nordwestlich des Städtchens, von Bahnstation zum ehemaligen Arzthaus, soll ein Entwicklungsplan realisiert werden, der in die BNO-Teilrevision aufgenommen wird, sofern die Gmeind im November einen Investitionskredit annimmt. "Wer hier ein Bauprojekt realisieren will, stösst an enge Grenzen", sagte Stadtammann Reinhard Scherrer. Wegen der Nähe zur historischen Altstadt haben Denkmalschutz und Heimatschutz bei Bauprojekten ein Wörtchen mitzureden. Im Entwicklungsplan sollen konkrete Richtlinien festgehalten werden, welche Bauprojekte grundsätzlich möglich sind. Bauherren erhalten so Sicherheit. Die Gefahr langjähriger Rechtsstreite wird reduziert. Zudem will die Gemeinde auch einen "vernünftigen Zugang zur SBB-Haltestelle realisieren. "Er soll attraktiver gestaltet werden, auch im Sinn der Förderung des öffentlichen Verkehrs", sagte Scherrer. Mit den Grundeigentümern ist die Gemeinde bereits im Gespräch.

Im Chis-Quartier, das sich neben der Kantonsstrasse Richtung Koblenz befindet, plant die Gemeinde eine Aufzonung von einer zwei- in eine dreigeschossige Wohnzone. Auch dies soll, via Budgetkredit, in die BNO-Teilrevision aufgenommen. Die Aufzonung bedeutet, dass eine höhere Ausnützungsziffer und damit grössere Bauten möglich werden. Das Gebiet ist zwar zum sehr grossen Teil überbaut. Doch es befinden sich hier einige ältere Liegenschaften, bei denen ein Abriss und grösserer Neubau für die Eigentümer finanziell interessant sein könnte. Die Verdichtungspläne des Stadtrats kommen nicht von ungefähr: Aargauer Gemeinden, die Land einzonen wollen, haben zurzeit schlechte Karten, vor allem als Folge der eidgenössischen Volksabstimmung zur Revision des Raumplanungsgesetzes, welche das Schweizer Volk angenommen hatte. Eine Voraussetzung für Einzonungen wären im Aargau, dass die vom Kanton vorgegebene Einwohnerdichte von 55 Einwohnern Hektare Bauzone erreicht. "Wir wollen die Aufzonung aber nur, wenn wir eine sinnvolle Lösung erarbeiten können", sagte Stadtammann Scherrer.