Zurzibiet

Neo-Grossrätin Claudia Hauser: «Bundesrätin werde ich nicht mehr»

Claudia Hauser hoch über Döttingen: Ab nächsten Dienstag vertritt sie den Bezirk neu im Kantonsparlament.

Claudia Hauser hoch über Döttingen: Ab nächsten Dienstag vertritt sie den Bezirk neu im Kantonsparlament.

Claudia Hauser ist die neue Grossrätin aus dem Bezirk. Wer sie ist und was die Zurzibieter von der FDP-Politikerin aus Döttingen erwarten dürfen.

Was wenig einladend tönt, klingt in den Ohren von Claudia Hauser wie Musik. Am Dienstag steht an der nächsten Sitzung im Grossen Rat unter Traktandum 1: (17.120) Inpflichtnahmen. In einem kleinen, feierlichen Akt nimmt Ratspräsident Benjamin Giezendanner (SVP) Hauser in die Pflicht. Nach Ablegen des Gelübdes wird sie als jüngstes Mitglied in die Gilde des Grossen Rats aufgenommen.

Die Döttinger FDP-Politikerin rückt für den Tegerfelder Erwin Baumgartner ins Kantonsparlament nach, der wegen beruflicher Überbelastung im März seinen Rücktritt eingereicht hatte. Fünf Männer und zwei Frauen werden den Bezirk bis auf weiteres in Aarau vertreten. Neben Hauser das SVP-Trio Patrick Gosteli, Manuel Tinner und Hansjörg Erne, René Huber und Andreas Meier von der CVP sowie Monika Stadelmann von der SP.

Auf den Unternehmer Erwin Baumgartner folgt nun die erfahrene Finanzexpertin Claudia Hauser. Die 49-Jährige leitet die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank in ihrer Wohngemeinde Döttingen. In der Politik zählt Hauser noch zu den Neulingen. Ziemlich exakt vor zehn Jahren trat sie der FDP auf Werben des damaligen Zurzacher Grossrats und ehemaligen Ammanns aus Bad Zurzach, Franz Nebel, der Partei bei.

«Das bereue ich aus heutiger Sicht», sagt Hauser. Nicht den Beitritt in die FDP, sondern, dass sie die Politik erst so spät für sich entdeckte. «Ich hätte vielleicht mehr bewegen und erreichen können.» Bundesbern hätte sie beispielsweise gereizt. «Dafür ist es jetzt wahrscheinlich zu spät.» 2011 und 2015 stand sie auf der Nationalratsliste. Ob sie in zwei Jahren nochmals einen Anlauf unternimmt, lässt sie offen. «Sicher werde ich aber nicht mehr Bundesrätin», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Ihr Polit-Portfolio darf sich dennoch sehen lassen: Hauser ist Präsidentin der FDP Bezirk Zurzach. Sie sitzt in der Geschäftsleitung der FDP Aargau. Sie war Wahlkampfleiterin an den letzten eidgenössischen Wahlen, als die Partei kräftig zulegte – und sie unterstützte Philipp Müller auf seinem erfolgreichen Weg in den Ständerat.

Hart, aber fair

Hausers Fokus ist ab sofort auf den Grossen Rat gerichtet. Mit Freude, aber auch mit einigem Respekt blickt sie ihrer neuen Aufgabe entgegen. In Zeiten, in denen der Kanton unter massivem Spardruck steht und seinen Haushalt um 250 Millionen Franken entlasten muss, könnte Hauser mit ihrem beruflichen Know-how sachdienliche Lösungsvorschläge einbringen. «Der Aargau befindet sich in einer schwierigen Situation.»

Sie spricht von einer Herkulesaufgabe, die auf den Kanton zukommt und die Eingeständnisse von allen abverlangt. Wenig hält sie von der Forderung der SP, die in dieser Woche eine Steuererhöhung für Reiche und eine Mehrbelastung für Unternehmen vorgeschlagen hat. In der jetzigen Misere müssten zwar alle Optionen geprüft werden, sagt Hauser. «Einseitige Lösungen können aber nicht das Rezept sein.» Es sind Positionen, die nicht in Hausers gesellschaftspolitische Vorstellungen passen.

Die FDP-Frau steht für Eigenverantwortung, für möglichst wenig Staat und für Deregulierung und Weltoffenheit– überprüfbar in den Spider-Profilen der Onlineplattformen «Smartvote» und «Vimentis». Hauser steht für einen harten, aber fairen Kurs in der Asylpolitik, für eine innovative Wirtschaft und eine bedarfsgerechte Verkehrspolitik. Positionen, die auch SVP-kompatibel sind. Die SVP war für Hauser tatsächlich eine Option. Bevor sie sich dann für die Liberalen entschied. Eine Wahl, die im Nachhinein hundertprozentig richtig gewesen sei. Die Arbeit an der Basis liefere hierzu den Beweis.

Apropos Basis: Im kommenden Jahr feiert Hauser ihren runden Geburtstag. Zusammen mit ihrem Lebenspartner will sie sich einen lang ersehnten Traum erfüllen. Das Paar plant eine grosse Reise. Ihr Ziel Nepal, genauer das Base Camp am Mount Everest.

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