Prozess

Nackt vor der Nachbarin: Exhibitionist (70) erhält happige Geldstrafe

Als die Frau im Garten war, zog sich der Mann erneut aus. (Symbolbild)

Als die Frau im Garten war, zog sich der Mann erneut aus. (Symbolbild)

Ein Rentner stand zum wiederholten Mal wegen Exhibitionismus vor dem Bezirksgericht Zurzach. Er hatte sich splitterfasernackt seiner Nachbarin präsentiert.

Mitte März letzen Jahres kletterte Paul (alle Namen geändert) im Eigenheim nach 20 Uhr nackt auf die Küchenkombination, kniete hin und bearbeitete sein bestes Stück. Er wusste sehr genau, dass die Nachbarin ihn so sehen konnte.

Drei Wochen später, als Paul sah, dass die Nachbarin im Freien war, trat an zwei Nachmittagen vor die Haustür und präsentiere sich ihr splitterfasernackt. Kurz zuvor war Paul 70-jährig geworden.

Nachdem er derselben Nachbarin zudem nicht nur den Stinkefinger, sondern auch das eindeutig zweideutige Zeichen – mit der offenen Hand auf die Faust hauend – gezeigt hatte, war es der Frau zu bunt geworden. Sie zeigte Paul an und so stand er gestern nun am Bezirksgericht Zurzach vor Einzelrichter Cyrill Kramer. Und das nicht zum ersten Mal!

Als Paul, schlank, sportlich-gepflegt, gestern aufkreuzte, sassen zwei Frauen und ein Mann vor dem Gerichtssaal. «Ah, die Nachbarn wollen wissen, was läuft», kommentierte Paul lakonisch. Die Antipathie beruhe auf Gegenseitigkeit, erklärte er später dem Richter.

Im Einfamilienhaus-Quartier des knapp 900 Einwohner zählenden Ortes war Paul schon lange als Exhibitionist bekannt. Im Jahr 2000 hatte er deswegen erstmals vor Gericht gestanden, war danach noch mehrfach zu Geldstrafen, gemeinnütziger Arbeit und 2007 gar zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Nachbarin habe «teilgenommen»

Im Februar 2014 war einmal mehr ein Strafantrag gegen Paul eingereicht worden. «Nur 14 Tage später sind sie rückfällig geworden – warum?» fragte Richter Kramer.

«Ich war moralisch und seelisch am Boden. Meine Frau ist schwer krank und das sexuelle Leben daheim hat nicht mehr so stattgefunden. Ich habe auch eine Herzoperation hinter mir. Solche Unannehmlichkeiten drücken unheimlich.»

Im Übrigen, so Paul, habe die Nachbarin immer geschaut. «Es passiert nur, wenn die andere Person teilnimmt, sonst macht man’s nicht», betonte er allen Ernstes; und auch, dass er nicht onaniert, sondern nur an seinem Geschlechtsteil herumgespielt habe. «Gibt’s da einen Unterschied?», erkundigte sich der Richter pro forma.

In einem Gutachten ist festgehalten, Exhibitionismus sei eine Störung der Sexualpräferenz, als Krankheit anerkannt, aber im engeren Sinne nicht heilbar.

Durch totale Alkoholabstinenz sei er aber in den Griff zu bekommen. Ein Alkoholproblem, versichert Paul, habe er früher mal gehabt, heute nicht mehr.

Hohe Geldstrafe

Seit sechs Jahren Rentner, bekommen seine Frau und er monatlich rund 6000 Franken AHV und Pension. Für die Delikte Exhibitionismus und Beschimpfung sieht das Gesetz Geldstrafen vor.

Die Staatsanwältin beantragte eine solche in Höhe von 32'400 Franken – unbedingt. «Das ist ungeheuerlich. Wie soll ich das denn bezahlen?» Paul plädierte für eine bedingte oder zumindest teilbedingte Strafe.

«Wenn sie ernsthaft glauben, bei den vielen Vorstrafen sei ein teilbedingter oder bedingter Erlass möglich, liegen sie komplett falsch», betonte Richter Kramer in der Urteilsbegründung.

Er reduzierte den Tagessatzbetrag, so dass Paul nun 27'000 Franken Strafe bezahlen muss. Dazu kommen die 9500 für das Gutachten, die ebenfalls der Verurteilte berappen muss. «Sie können das Ganze in Raten abstottern oder die Hypothek auf ihr Haus erhöhen.» Paul muss sich zudem einer ambulanten Massnahme mit stationärer Einleitung unterziehen.

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