Kaiserstuhl

Nach Widerstand aus Bevölkerung: Schulhaus wird nun doch nicht zur Asylunterkunft

Steht seit den Sommerferien leer: die Schulanlage Böleboden in Kaiserstuhl. (Archiv)

Steht seit den Sommerferien leer: die Schulanlage Böleboden in Kaiserstuhl. (Archiv)

Lange stand im Raum, dass das leerstehende Schulhaus Blöleboden zu einer Asylunterkunft werden könnte. Nun haben sich die Pläne zerschlagen. Auch weil der Kanton kein Interesse mehr hat.

Der Widerstand zeigt Wirkung: Der Kanton hat "aus verschiedenen Gründen" kein Interesse mehr, im Schulhaus Blöleboden eine Asylunterkunft zu betreiben. Das schreibt der Stadtrat von Kaiserstuhl in den neusten Gemeindenachrichten.

Ursprünglich hatte der Kantonale Sozialdienst Interesse gezeigt, 100 Asylbewerber im Schulhaus unterzubringen. Nach Widerstand in der Bevölkerung stand eine Unterkunft für zirka 40 Männer im Vordergrund. Doch dafür seien für den Kanton die Voraussetzungen nicht gegeben. Eine Asylunterkunft im Schulhaus Blöleboden sei deshalb keine "gangbare Lösung", schreibt der Stadtrat. Er wird diese Umnutzung deshalb nicht mehr weiterverfolgen. 

Zwei Gründe sprachen für Asylunterkunft

Seit Sommer 2016 steht das Schulhaus Blöleboden in der mit 32 Hektaren flächmässig kleinsten Aargauer Gemeinde leer. Schon im Jahr zuvor hatte der Kanton Interesse bekundet, dort bis zu 100 Asylbewerber unterzubringen. Wegen der hohen Kosten war damals schon klar, dass für den Kanton nur eine Unterkunft in dieser Grössenordnung in  Betracht kam.

Auch der Stadtrat zeigte damals ein grosses Interesse an der Vermietung des leerstehenden Gebäudes. Erstens entgehen der Gemeinde jährliche Mieteinnahmen in sechsstelliger Höhe. Stattdessen entstehen Heizkosten für die 400-Seelen-Gemeinde, die einen Steuerfuss von 120 Prozent aufweist. Zweitens wollte der Stadtrat mit einem 5-Jahres-Mietvertrag Zeit gewinnen für die Planung, das Schulareal in ein Wohngebiet umzonen zu lassen. 

Kaiserstuhl: Im Rheinstädtchen leben 400 Menschen.

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Schon im Dezember 2015 sprach Stadtammann Ruedi Weiss angesichts von 100 Asylbewerbern im Schulhaus von einer "hohen Zahl", umschrieb die Stimmung im Ort aber auch als «positiv zurückhaltend». Die Gemeinde fand keine weiteren Mietinteressenten. Die Asylunterkunft rückte näher. Doch dann erstarkte der Widerstand im beschaulichen Rheinstädtchen.

Petion und Ärger in Bevölkerung

Eine neugegründete «IG Asylbewerberzentrum Nein!» machte mobil und sammelte im Sommer für eine Petition rund 200 Unterschriften. An einem Workshop in der Turnhalle Blöleboden verschafften viele der 150 Anwesenden ihrem Ärger Luft. Sie störten sich vor allem an der hohen Zahl von 100 möglichen Asylbewerbern.

An der Gemeindeversammlung Ende November sagte der Stadtrat schliesslich zu, beim Kanton auszuloten, ob er auch an einer kleineren Asylunterkunft im Schulhaus Interesse hätte. 

Im Oktober traf sich der Stadtrat mit Petitionären. Diese sicherten zu, an einer alternativen Lösung für die Schulhaus-Nutzung mitzuarbeiten und im Januar ein Konzept vorzulegen. Dazu kam es gemäss der Mitteilung des Stadtrats bereits am 11. Januar 2017. Details gibt er noch keine preis. Erst soll das Betriebskonzept in einigen Punkten bereinigt werden. 

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