«Wer eine Vergangenheit hat, hat eine Zukunft», steht in einem Werbetext der Endinger Firma Weibel Möbel. Stolze 150 Jahre zählt die Vergangenheit des 1865 gegründeten Betriebs, eine Zukunft scheint es nun nicht mehr zu geben.

In einem Brief an seine Kundinnen und Kunden schreibt Michael Weibel, Inhaber in der 5. Generation: «‹Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist› – Und trotzdem, nach fünf Generationen am Pulse des Trends und Umsetzen aktuellster Wohnideen, ist uns der Entscheid nicht leicht gefallen. Unter den diversen geprüften Möglichkeiten ergab sich nun eine ideale Lösung. Die Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal kauft unser Geschäftsgebäude zum Jahreswechsel zur Eigennutzung und wir haben damit den Weg frei für die Zukunft.»

Über diesen Zeilen steht getitelt, in Grossbuchstaben: «Total-Ausverkauf wegen Geschäftsschliessung.» Inhaber Michael Weibel war gestern für eine Stellungnahme nicht mehr zu erreichen.

Weibel Möbel Standort

Bereits Ende der Neunzigerjahre war es um Weibel Möbel schlecht bestellt. Das Unternehmen präsentierte rote Zahlen. Die Billig-Konkurrenz aus dem nahen Deutschland machte dem damaligen Inhaber Peter Weibel schwer zu schaffen. Und der Standort in Endingen, weit weg von den grossen Verkehrsachsen, war nicht optimal. Deshalb wollte Peter Weibel sein Unternehmen damals schliessen. Doch dann trat Weibels Sohn Michael in das Unternehmen ein – und schaffte zusammen mit seinem Vater den Turnaround.

1865 legte Josef Weibel im Endinger Winkel mit der Eröffnung eines kleinen Tuchgeschäftes den Grundstein für die Firma. Nach der Geschäftsgründung zog dessen Sohn Gottlieb mit dem Tuchgeschäft in grössere Räumlichkeiten an der Surbbrücke um. 1901 erweitert er die Aktivitäten, gleichzeitig gliedert er eine Werkstätte an, in der Polstermöbel, Matratzen und weitere Produkte gefertigt werden.

Nach dem frühen Tod von Gottlieb Weibel im Jahre 1926 führt seine Gattin das Unternehmen weiter. 1945 übernimmt mit Kurt Weibel die dritte Generation die Firmenleitung. 1956 wird ein Geschäftsneubau im Zentrum von Endingen eröffnet und 1961 eine Filiale in Neuenhof mit angegliedertem Vorhangatelier und einem breiten Sortiment an Orientteppichen. 1965 erfolgt ein weiterer Ausbauschritt mit dem Bau des Lagerhaus-Neubaus mit Möbel-Discount in Endingen. Im gleichen Jahr wird den langjährigen Mitarbeitern die Möglichkeit geboten, Aktien der Firma zu erwerben.