Grausig war der Fund, den ein Pilzsammler zwischen Weihnachten und Neujahr in Bad Säckingen machte. Unweit vom Uferrand des Bergsees entfernt, fand er neben einem Waldparkplatz den skelettierten Schädel einer menschlichen Leiche. Mittlerweile liegt der weibliche Schädel auf dem Obduktionstisch der Rechtsmedizin Freiburg, sagt Mathias Albicker, Pressesprecher der Polizei Baden-Württemberg. «Es geht darum, die DNA des Schädels zu ermitteln, um sie anschliessend mit Vermisstenfällen abzugleichen.» Der Abgleich geschehe auf zwei Arten, erklärt er. Zum einen automatisiert, über ein Informationssystem, in dem Vermisstenfälle aus dem Schengenraum mitsamt DNA hinterlegt sind. Zum anderen über den Austausch mit anderen Polizeibehörden, die der Polizei Baden-Württemberg Daten zu Vermisstenfällen aus ihrem Zuständigkeitsgebiet zukommen lassen.

Auch die Kantonspolizei Aargau steht mit der deutschen Polizeibehörde im Austausch, bestätigt Mediensprecher Bernhard Graser auf Anfrage. «Die DNA von zwei Personen aus dem Kanton liegt den deutschen Behörden vor.» Von einer Person, von der noch heute jede Spur fehlt, wurde damals mittels eines Gebrauchsgegenstandes die DNA festgesellt.

Eine Spur führt ins Zurzibiet

Bei der zweiten Person handelt es sich um Gina Hauenstein, die im Jahr 2000 in Kleindöttingen als vermisst gemeldet wurde. Im Jahr 2013 tauchte im Landkreis Waldshut ein Oberschenkelknochen auf. Die Kantonspolizei veranlasste damals eine Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin in Bern, das den Knochenfund der vermissten Frau aus Kleindöttingen zuordnen konnte. Anfang 2015 erhielt die Kantonspolizei Rückmeldung, dass es sich um die Vermisste aus Kleindöttingen handelt. Der Tragik um den Tod von Gina Hauenstein nicht genug, suchte ihr Sohn, der in einer Pflegefamilie aufgewachsen war, noch im Januar 2017 nach seiner leiblichen Mutter. «Ich habe Sehnsucht nach meiner Familie», so sein damaliger Aufruf auf Facebook. Erst einige Wochen nach seinem Aufruf erfuhr er vom Tod seiner Mutter.

Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war die junge Mutter drogenabhängig. Die genauen Umstände ihres Todes konnten nicht aufgeklärt werden. «Im Vordergrund steht ein Suizid oder ein Gewaltverbrechen», sagt Graser. Was es für den Fall bedeuten würde, wenn die Rechtsmedizin Freiburg feststellt, dass der skelettierte Schädel der Frau aus Kleindöttingen zuzuordnen ist, darüber will Graser nicht spekulieren. Jedoch stelle sich dann auf jeden Fall die Frage, wie der Schädel nach Bad Säckingen gelangen konnte, sagt er.

Keine Gewalteinwirkung sichtbar

Laut Albicker ist auszuschliessen, dass der Schädel mit der Rheinströmung an den Bergsee gelangt sei. Dies, weil der Bergsee etliche Höhenmeter über dem Rhein liege und nicht durch den Rhein gespeist würde. Nicht beantworten könne man bisher die Frage, ob es sich um eine Gewalttat gehandelt habe. «Zwar kann es noch eine ganze Weile dauern, bis die DNA ermittelt und abgeglichen ist, festgestellt wurde jedoch bereits, dass keine Gewalteinwirkung auf den Schädel stattgefunden hat», so Albicker. Es seien viele Szenarien vorstellbar, wie der Schädel dort hingelangt sein könnte. «Vor ein paar Jahren wurden in Bad Säckingen schon einmal menschliche Knochen gefunden. Es stellte sich heraus, dass die Erde eines Friedhofes ausgehoben und wieder an anderer Stelle platziert wurde», erzählt Albicker.

Verhehlen kann Albicker nicht, dass man auch aufgrund der medialen Präsenz des Falles schon ein wenig Druck verspüre und sich auch deswegen wünsche, die Identität der Toten und die Umstände ihres Ablebens, so rasch wie möglich aufzudecken. Doch wie hoch die Chancen dafür stehen, darüber kann er derzeit nur spekulieren.