Klingnau

Nach missglückter Ammann-Wahl: Beide Kandidaten treten wieder an

Reinhard Scherrer (CVP) und Oliver Brun (parteilos).

Reinhard Scherrer (CVP) und Oliver Brun (parteilos).

Im März wollten Oliver Brun und Reinhard Scherrer als Gemeinderat und Ammann gewählt werden. Scherrer wurde zum Ammann gewählt, doch weil er keinen Sitz im Gemeinderat erhielt, durfte er das Amt nicht antreten. Nun kommt es erneut zu einer Kampfwahl.

In Klingnau ist der Gemeinderat mit fünf Mitgliedern zwar wieder komplett. Es fehlen aber sowohl Ammann als auch sein Vize, geleitet wird das Gremium interimistisch vom amtsältesten Ratsmitglied.

Am 6. September sollen die Klingnauer an die Urne. Letzte Woche wurde bekannt: Es kommt zu einer Kampfwahl. Für das Ammann-Amt zur Verfügung stellen sich Reinhard Scherrer (CVP) und Oliver Brun (parteilos).

Beide wollten im März schon einmal in den Gemeinderat und gleichzeitig als Ammann gewählt werden. Die Stimmbürger gaben zwar Scherrer die nötigen Stimmen fürs Ammann-Amt, wählten ihn aber nicht auf den einzigen zu besetzenden Gemeinderatssitz. Weil nur Ammann werden kann, wer gleichzeitig Gemeinderat ist, konnte Scherrer das Amt nicht antreten. Brun wurde Gemeinderat.

Rat konnte sich nicht einigen

Bei einer weiteren Wahl im Juni konnte dann auch Scherrer einen Sitz ergattern und bekräftigte gleichentags gegenüber Radio SRF, er sei nach wie vor sehr daran interessiert, Ammann zu werden und wolle in Absprache mit den anderen Gemeinderäten darauf hinarbeiten, dass den Stimmbürgern nur ein Wahlvorschlag vorgelegt werde – also er.

Gegenüber der az sagte Scherrer gestern, er habe das Thema an der ersten Gemeinderatssitzung angeschnitten, das Gremium konnte sich aber nicht einigen. Eine geplante Aussprache insbesondere zwischen Scherrer, Brun und «einem allfälligen weiteren Kandidaten» habe wegen verschiedener Ferienabwesenheiten nicht stattfinden können, bevor die Wahlanmeldungen abgegeben werden mussten.

Undemokratisch sei sein Vorschlag nicht, findet Scherrer: «Man muss sich fragen, ob es sich lohnt, in einer kleinen Gemeinde einen richtigen Wahlkampf zu lancieren», sagt er. «Viel wichtiger wäre, die Person als Ammann zu wählen, die dafür am besten geeignet ist.» Aufgrund der Rückmeldungen aus der Bevölkerung, seiner Führungserfahrung und seinem breiten Können erachtet er sich als der geeignete Kandidat. «Und schliesslich haben die Klingnauer mich ja bereits einmal als Ammann gewählt.»

Vize wollen beide nicht werden

Scherrer hat allerdings die Rechnung ohne Oliver Brun gemacht. Er holte bei der missglückten Ammann-Wahl im März nur 32 Stimmen weniger als Scherrer. «Schon deshalb bin ich es meinen Wählerinnen und Wählern schuldig, noch einmal anzutreten», sagt er. «Zudem bin ich der Meinung, es gehört zu einer Demokratie, bei einer Wahl eine echte Auswahl zu haben.» Er kandidiere aber keineswegs nur pro forma: «Ich möchte sehr gerne Ammann werden.»

Seine ersten Monate im Gemeinderat seien intensiv gewesen und «es liegt noch viel Arbeit vor mir, bis ich in allen Dossiers sattelfest bin», sagt Brun. Dennoch sei er bereit, auch die Mehrarbeit als Ammann auf sich zu nehmen.

Als Vizeammann kandidieren übrigens weder Scherrer noch Brun. Alles oder nichts lautet die Devise, bestätigt Scherrer: «Ich habe kandidiert, um Ammann zu werden.» Als Vizeammann stellt sich am 6. September Gemeinderat Patrick Rohner zur Verfügung.

Die FDP Klingnau, die für die Gemeinderatswahlen vom Juni noch Scherrers Gegenkandidat unterstützt hatte, hat sich laut Präsident Guido Vogel «entschieden, die Wahl des Gemeindeammanns nicht zu beeinflussen und den Entscheid den Wählerinnen und Wählern zu überlassen». Der Vorstand der FDP sei auch weder von CVP-Mann Reinhard Scherrer noch vom parteilosen Oliver Brun angefragt worden, ihre Kandidaturen zu unterstützen. Wohl aber stehe die FDP Klingnau voll hinter der Kandidatur ihres Parteimitglieds Patrick Rohner als Vizeammann. 

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