Die letzten Tage waren ausnahmsweise gute Tage: Am Wochenende feierte der FC Leibstadt sein 40-jähriges Bestehen, am Mittwoch empfing der 5.-Ligist im Cup den FC Klingnau zum Zurzibieter-Derby. Dass der 2.-Ligist mit dem früheren Leibstadt-Trainer Radi Schibli (2006–09) mit 7:1 in die nächste Runde einzog, war nicht weiter tragisch. Viel wichtiger für Leibstadt-Präsident Martin Benz ist: «Wir könnten allen zeigen, dass wir noch leben. Es war etwas los in den letzten Tagen.»

Etwas los war auch im März 2010. Damals schaffte es der FC Leibstadt sogar in den «Blick». Auf die Schlagzeilen hätte der Verein nur zu gerne verzichtet. Erstmals im Aargauer Fussball wurde damals eine 2.-Liga-Mannschaft während der laufenden Saison aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Und das nicht aufgrund äusserer Zwänge, sondern nach einer Abstimmung im Vorstand, die mit 3:2 Stimmen ausging.

Was war geschehen? Anstatt sich im Trainingslager seriös auf die Rückrunde vorzubereiten, zogen einige Spieler einen Trip nach Las Vegas vor. Dieser Ausflug in die Spielermetropole zerrüttete das Verhältnis zwischen dem damaligen Präsidenten Peter Richard und den Spielern endgültig. Richard warf der 1. Mannschaft zum wiederholten Male Disziplinlosigkeit vor. Das Fass war übervoll. Der Vorstand ordnete den Rückzug der 2.-Liga-Equipe an.

Es war ein Eklat, bei dem alle Beteiligten als Verlierer vom Platz gingen: Die Spieler, die nicht mehr ihrem Hobby nachgehen konnten; der Präsident, der in der Folge Morddrohungen erhielt; Leibstadts Vorstand, der gespalten war; der Aargauische Fussballverband, der einen diffizilen Entscheid gegen den Sport umsetzen musste.

Der Ruf ist ruiniert

Dabei waren die Jahre vor dem Absturz durchaus erfolgreich gewesen. Unter Radi Schibli, dem früheren Assistenten von Ottmar Hitzfeld beim FC Aarau, war der FC Leibstadt von der 4. in die 2. Liga durchmarschiert. Danach ging der Verein den umgekehrten Weg: Heute spielt die 1. Mannschaft in der 5. Liga. Der Verein besteht aus fünf Mannschaften. 2010 waren es noch sechs. «Dieser Skandal hat unseren Ruf ruiniert», sagt Präsident Martin Benz rückblickend. Der Leibstadter war bereits 2010 im Vorstand und stimmte damals gegen den Rückzug. Mittlerweile nimmt der 61-Jährige seine zweite Saison als Präsident des Vereins in Angriff.

«Aus sportlicher Sicht ist der damalige Entscheid für mich nach wie vor unverständlich», sagt Benz. Die Folgen waren einschneidend: Spieler verliessen den Verein, Sponsoren, die der frühere Präsident an Land gezogen hatte, sprangen ab. Leibstadt galt als unfairer Verein, die Spieler hatten den Ruf, untrainierbar zu sein. «Ein solches Image wird man nicht mehr los», sagt Benz.

Heute sei der Verein auf der Suche nach dem Weg zurück. Zurück zu positiven Schlagzeilen, in ruhige Gewässer und in höhere Ligen. «Die Disziplin der Spieler ist besser geworden», sagt Benz, «aber sie kann und muss noch besser werden.» Finanziell könnte der FC Leibstadt nicht mehr in der 2. Liga bestehen. Aufsteigen will er trotzdem. «Spätestens nächste Saison wollen wir in die 4. Liga aufsteigen und auch dort bleiben», sagt Benz.