Würenlingen

Nach 41 Jahren: «Abziehbildli» sind im Berufsleben nicht erwünscht

Schule ade: Fritz Brunner wird am Ende des Schuljahres in den Ruhestand treten. Christian Roth

Schule ade: Fritz Brunner wird am Ende des Schuljahres in den Ruhestand treten. Christian Roth

Fritz Brunner, ein Urgestein der Sekundarschule Würenlingen, wurde nach 41 Jahren im Amt pensioniert. Während seiner Verabschiedung blickte Brunner auf seine ersten Jahre als Lehrer zurück, als die Pausenaufsicht noch ein Männerjob war.

In den letzten 41 Jahren hat Fritz Brunner rund 500 Schülerinnen und Schüler zum Schulabschluss geführt. In den letzten Jahren war es keine Seltenheit, dass Kinder ehemaliger Schülerinnen und Schüler in seiner Klasse sassen.

Und dies sogar im gleichen Klassenzimmer, das seit 1972 der Arbeitsplatz von Brunner ist. Immerhin gab es in dieser Zeit zweimal neues Mobiliar.

Auf die Frage, ob er denn wieder Lehrer werden würde, wenn er heute vor der Berufswahl stünde, gibt der 64-Jährige keine eindeutige Antwort: «Jein!»

Im Vergleich zum Beginn seiner Tätigkeit sei die Arbeit happige» geworden. «Es ist unbestritten, dass es Reformen braucht, und dass ich die Schule sich ändern muss.

Aber ich habe das Gefühl, dass Dinge oft von Leuten am grünen Tisch entschieden werden, die zu wenig Verständnis für die Probleme des Lehrers in der Praxis haben», sagt Brunner, für den die Arbeit mit jungen Menschen im Zentrum steht.

«Das Spannendste an meinem Beruf ist, die Schülerinnen und Schüler beim Erwachsenwerden zu begleiten, besonders in der 3. und 4. Sekundarschule. Und da gehört für mich mehr dazu, als nur Schulstoff zu vermitteln.»

Für ihn gibt es zwei verschiedene Sorten Leute im Berufsleben: «Abziehbildli und Persönlichkeiten.» Deshalb kennen alle, die bei Lehrer Brunner in der Schule waren, den Spruch: «Wir wollen keine Abziehbildli.»

Abwasch war Frauensache

Fritz Brunner ist in Birrfeld als jüngstes von drei Geschwistern aufgewachsen. Nach der Primarschule in Lupfig wechselte er in die Bezirksschule in Brugg. «Beim Berufsberater war ich nie», erinnert er sich.

Wie einige Schulkollegen, die ebenfalls Jungscharleiter waren, entschied er sich, Lehrer zu werden. Im Seminar Wettingen gehörte er 1965 zum ersten Jahrgang, bei dem Männer und Frauen zusammen ausgebildet wurden.

«Die Rollen in der Schule waren trotzdem noch klar verteilt», erinnert sich Brunner. Es war klar, dass die Lehrerinnen den Kollegen im Lehrerzimmer den Kaffee servierten. «Es wäre auch keinem Lehrer in den Sinn gekommen, den Abwasch zu machen. Dafür war die Pausenaufsicht ganz klar ein Männerjob.»

Neben der eigentlichen Lehrtätigkeit übernahm Brunner immer wieder Spezialaufgaben wie das Amt des Materialverwalters oder des Rektors, bildete Lehrkräfte mit Holzkursen weiter und bot regelmässig als Freifach Fotografieren an.

Als Mitglied von Baukommissionen half er mit, neue Schulhäuser und Sportanlagen zu planen. Das Amt als Informatikverantwortlicher wird er weiterhin wahrnehmen. «So bleibe ich im Kontakt mit der Schule», sagt Brunner.

Angst, dass ihm nach seiner Pensionierung langweilig wird, hat er nicht. Er wird seine zahlreichen Hobbys pflegen, wie Fotografieren, Drachen und Modellflugzeuge bauen, seine Instrumentensammlung zum Klingen bringen, seine Frau bekochen und mit ihr im Oktober einen Monat lang Südafrika bereisen.

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