«Es ist uns alles etwas zu gross geworden, mit Atelier und allem», sagt Martin Eberhard, der am Samstag zur letzten Atelierausstellung ins Gewerbezentrum Neuhus an der Promenade in Bad Zurzach eingeladen hat. Ist es Zufall, dass er mit seiner Frau ausgerechnet im Ort seiner Jugend ein neues Domizil findet? «Radikale Schnitte haben unser gemeinsames Leben begleitet», sagt Eberhard: «Haben wir es gesucht, oder hat es sich so ergeben?» So klar sei das nie gewesen. Doch es sind die Berge, die ihm das Gefühl der Heimat geben. «Den Faden zum Ort seiner Jugend verliert man nicht.»

Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre habe ihn Platzangst fortgetrieben, erzählt Eberhard. Er entfloh nach Israel, fühlte sich als Pionier, arbeitete in einem Kibbuz im Negev. Dort traf er Thesi. Zusammen planen sie die grosse Reise. Doch es sollte sieben Jahre dauern, bis das Geld zusammen war, und sie 1980 im umgebauten Landrover aufbrechen: Tunesien, Algerien, Nigeria, Kamerun, Kongo, Ruanda, Kenia, immer schön die politischen Krisenherde umfahrend, erreichen sie in Südafrika das Kap der guten Hoffnung. Kaputt wie der Landrover, kehren sie nach 13 Monaten in die Schweiz zurück.

Altstadthaus in Kaiserstuhl gekauft

Thesi und Martin Eberhard werden in Aarau sesshaft, zumindest vorübergehend. Eberhard macht sich selbstständig als Grafiker und Illustrator. Er zeichnet schon bald ausschliesslich für die Werbewelt. 1989 geht es nach Kaiserstuhl. Die Eberhards kaufen das Altstadthaus «Zur kleinen Rose», bauen es um. Eberhard übt sich im Spagat zwischen freischaffendem Künstler und Illustrator. Für die Post gestaltet er diverse Briefmarken, 2010 eine zur Erinnerung an Henry Dunant und Gustave Moynier.

2008 wird das Kaiserstuhler Haus verkauft. Martin und Thesi Eberhard ziehen nach Baden ins Bernerhaus, einem 400-jährigen Patrizierhaus in der Altstadt. Im Fabrikatelier an der Promenadenstrasse in Bad Zurzach widmet sich Eberhard nun ausschliesslich der Kunst, obwohl, wie er bestätigt, es schwierig ist von der Malerei zu leben.

Den Atelierraum in Beatenberg hat er noch nicht gefunden. Denn die Malerei, sie sei seine Leidenschaft, wird er nicht aufgeben. Ende April geht es aber vorerst wieder auf das Schiff «Veranderen», das in Berlin überwintert hat. 2011 haben Martin und Thesi Eberhard das 80 Tonnen schwere und 25 Meter lange Binnenschiff in Holland gekauft und im letzten Sommer durch den Mittellandkanal gesteuert. «Reisende sind immer wieder temporär Sesshafte», sagt Eberhard, «unwohl war uns nirgends.» Übrigens, «Veranderen» heisst auf Holländisch «verändern, etwas ändern».

Ausstellung: Gewerbezentrum Neuhus, Promenade 6, Bad Zurzach, Atelier Martin Eberhard, Samstag und Sonntag, 4./5. März, 10 bis 18 Uhr