Kleindöttingen

NAB-Award: Die Tierärztin, die mit Spürhunden gegen Wilderer kämpft

NAB-Award: Marlene Zähner baute im Kongo eine Hundestaffel im Kampf gegen Wilderei auf

NAB-Award: Marlene Zähner baute im Kongo eine Hundestaffel im Kampf gegen Wilderei auf

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Marlene Zähner (60, Kleindöttingen) baute im Virunga-Nationalpark im Kongo eine Hundestaffel im Kampf gegen die Wilderei auf.

2011 klingelt bei Marlene Zähner in Kleindöttingen das Telefon. Am anderen Ende ist der Direktor des Virunga- Nationalparks im Kongo. Er hat eine Idee, mit der sie im ersten Moment nicht viel anfangen kann: Sie soll mit Bluthunden gegen die Wilderei in seinem Nationalpark vorgehen. Der Wildbestand ist dort um bis zu 95 Prozent dezimiert. Berggorillas und Elefanten sind vom Aussterben bedroht.

Doch wie kommt der Leiter eines Nationalparks in Afrika ausgerechnet auf Marlene Zähner? So abwegig ist das nicht, denn die Frau hat sich längst weltweit einen Namen als Spezialistin für Mantrailing gemacht.

Das heisst, sie bildet Bluthunde und ihre Führer aus, um gezielt Menschen – in diesem Fall Kriminelle – aufzuspüren. Allein dank des Schnüffelns an einer leeren Patronenhülse können die Hunde die Schützen auf viele Kilometer Entfernung ausfindig machen.

«Doch um diese Fähigkeit der Bluthunde richtig zu nutzen, braucht es viel Training.» Und Marlene Zähner weiss wie kaum jemand anderer auf der Welt, wie das geht.

Die Mühe lohnt sich. Ihren ersten Bluthund bekommt Marlene Zähner als 14-Jährige – nach jahrelangem «Stürmen» bei der Mutter.

Die Ausbildung im Mantrailing macht sie in den USA, danach gibt sie dieses Wissen in Europa weiter. 1999 beginnt sie, Polizisten und deren Hunde auszubilden. Und 2011 reist sie zum ersten Mal mit sechs Bluthunden in den Kongo.

Zuerst haben die Ranger Angst vor den grossen Bluthunden

Der Anfang ist schwer, die Ranger haben Angst vor den grossen Tieren und wissen kaum, wie man sie an der Leine führt. Zudem fehlt es am Geld. Alles, was die Hundestaffel braucht, muss sie aus der Schweiz importieren.

Dazu kommen der Bürgerkrieg, Entführungen, Ebola und Schikanen. Doch Marlene Zähner macht weiter – mit Erfolg: «Die Wilderei ist deutlich zurückgegangen, die Hundestaffel wird immer besser, und wir haben Ranger zu guten Instruktoren ausgebildet», sagt sie heute.

Weil sich der Nationalpark die Hundestaffel nicht leisten kann, gründet Marlene Zähner 2014 die DodoBahati- Stiftung für den Schutz der letzten Wildtiere. Nebst der Bluthundestaffel engagiert sich die Institution mit Artenschutzhunden für bedrohte Meeresschildkröten auf den Kapverdischen Inseln.

Dazu kommen Sozialprojekte für arme Kinder im Kongo. Für ihr Engagement hat Marlene Zähner unter anderem den Yves-Rocher-Umweltpreis und den Umweltpreis der Zoologischen Gesellschaft Zürich erhalten.

Dies freut sie sehr – genauso wie die Nomination für den NAB Award. «Es ist eine grosse Ehre – doch dabei geht es nicht um mich, sondern um meine Projekte. Ich bin froh um jeden Franken, den ich darin investieren kann.»

Mit wie viel Leidenschaft sie dies tut, zeigt der Dokumentarfilm «Die Frau mit den Bluthunden». Wer ihn gesehen hat, versteht, dass Marlene Zähners Einsatz für Berggorillas und Elefanten längst zu ihrer Lebensaufgabe geworden ist.

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