Der Winter aus Vivaldis «Vier Jahreszeiten» machte den Auftakt. Doch er brachte keine Kälte in den schwülwarmen Freitagabend. Im Gegenteil: Kaum erklangen die ersten Töne, schon fing das Publikum Feuer, entflammt von den Akkordeonisten Gennady Chasovskikh und Victor Venediktov, vom Violinisten Peter Siroto und am Kontrabass von Alexander Yakimov . Die virtuose Leichtigkeit ihres Spiels, verbunden mit seelenvoller Inbrunst, schlugen die Zuhörer sofort in Bann – und liessen sie rund zwei Stunden lang nicht mehr los. Als Vorklang zum Festival der Stille vom 24. Bis 27. August in Kaiserstuhl, Hohentengen und Erzingen, war das «Russian Furore Quintet» zu Gast in der Oberen Kirche: Zu den vier brillanten Instrumentalisten – allesamt auch Sänger - gesellt sich mit Valerian Kirsanova eine wunderbare Sängerin.

Facettenreich und brillant
Schwermütig, gefühlvoll, voller unbändiger Lebenskraft – die Musik, in der sich die russische Seele spiegelt, liess niemanden kalt. Gebannt, ja schier atemlos lauschte das Publikum den Klängen aus der Heimat der fünf Künstler. Und nicht nur die russische Musik und die russischen Lieder rissen die Zuhörer immer wieder zu begeisterten Ovationen hin: Das Repertoire des Quintetts ist enorm breit gefächert. Ein Medley, das wuchtig mit Bachs Toccata d-Moll beginnt, wechselt blitzschnell zu Borodin, Bizet, Verdi, Rimski-Korsakow. Kaum glaubt man, eine Komposition zu erkennen, schon ist eine andere dran bis hin zu ein paar Tönen von Beethovens «Ode an die Freude».
Freude und lauter beglückte Gesichter füllten den Raum. Staunen auch darüber, wie die Musiker förmlich in ihre Instrumente hineinsinken, mit ihnen eins zu werden scheinen und ihnen einen kaum fassbaren Facettenreichtum an Tönen und Melodien entlockten. Bescheiden sind die fünf Künstler, spielen mit sichtbarem Vergnügen und einer Prise Schalk. Letzteres besonders in ihrem «Gastgeschenk», einem mitreissenden Medley von Schweizer Volksmusik, das von «La haut sur la montagne» über «Es isch alles eis Ding» bis zum Sechseläutenmarsch und «s’Vreneli ab em Guggisbärg» reichte.

Last but not least Valeria: Ein zart, apartes Geschöpf mit grossen dunklen Augen, hohen Wangenknochen, zierlich, dünn ist sie und gesegnet mit einer gewaltigen Stimme: ein Spatz aus St.Petersburg, mit unvergesslichen Chansons vom «Spatz von Paris» im Repertoire. «La vie en rose», «Padam Padam», «Je ne regrette rien»: Kirsanova interpretiert sie auf ihre eigene Weise und lässt sie dennoch zu einer mitreissenden Hommage an die Piaf werden. Denn Valerias Stimme ist nicht nur kraftvoll und ausdrucksstark, sie hat auch diesen hinreissenden «Gossen-Groove» der Piaf.
Der wundervolle Abend ging, wie es sich gehörte, russisch zu Ende. Als Mitbegründerin vom «Festival der Stille» griff die Violinistin Daria Zappa zu ihrem Instrument und improvisierte zusammen mit dem Quintet «Otschi Tschornyje» - «Schwarze Augen». Auch der der knapp fünfjährige Iskande, Sohn von Daria Zappa und ihrem Mann, dem Pianisten Massimiliano Matesic, konnte sich der Faszination des berühmten russischen Liedes nicht entziehen und stand mit offenem Mund neben seiner Mama.