Er muss «geräumige» Hosen und ein weites Gilet getragen haben, der gut 50 Jahre alte Mann aus dem Kanton Zürich, der sich vor Gerichtspräsident und Einzelrichter Cyrill Kramer zu verantworten hatte. Vorgeworfen wurde dem Beschuldigten, in der Migros-Filiale Döttingen Donuts, Tomaten, Mandelstangen, Vanillestangen, Plunder, Mozzarella, Schokolade, Red Bull sowie Cervelats in seiner Hose und seinem Gilet versteckt und an der Kasse vorbeigeschmuggelt zu haben. Zwar hatte er seine «Einkäufe» zunächst ordnungsgemäss im Korb deponiert. Später hatte er die Ware – im Gesamtwert von 62 Franken und 45 Rappen – aber in seiner Kleidung versteckt und den Laden verlassen, ohne bezahlt zu haben.

Eine Ladendetektivin hatte den Vorfall zwar bemerkt. Dem Beschuldigten war es aber gelungen, sich vorerst aus dem Staub zu machen. Dabei hatte er, gemäss Anklage, auf wenigen Dutzend Metern einen Personenwagen benutzt. Das, obwohl ihm der Führerausweis bereits 2007 entzogen worden war. Auf unbestimmte Zeit, weil er sich von Fahrausweisentzügen offensichtlich nicht gross beeindrucken lässt.

Die Staatsanwaltschaft beantragte, den Beschuldigten wegen geringfügigen Diebstahls und Führens eines Motorfahrzeuges trotz Entzug des Führerausweises zu einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 70 Franken und einer Busse von 300 Franken zu verurteilen. Der Ankläger forderte zudem den Widerruf einer bedingten Haft-Entlassung und die Vollstreckbar-Erklärung einer Reststrafe von 103 Tagen Haft.

Zentraler Punkt der Verhandlung war denn auch der Vorwurf des Fahrens ohne Billett. «Ich habe einen Riesensch… gebaut», gestand der Beschuldigte ein. «Ich habe mittlerweile nichts mehr. Keine Familie. Kein Haus. Ich habe mein Leben selber zerstört. Ohne Fahrausweis kann ich als Bauführer gleich zusammenpacken.»

Sein ehemaliger Vorgesetzter, der als Zeuge aussagte, bestätigte denn auch, dass man den Beschuldigten damals kaum eingestellt hätte, wenn man vom Fahrausweisentzug Kenntnis gehabt hätte. Der Zeuge erklärte auch, dass er den Beschuldigten am Steuer eines Autos gesehen hatte, und zwar nicht nur auf dem Firmengelände.

Der Beschuldigte dagegen machte geltend, dass er nie selber gefahren sei, höchstens die letzten paar Meter auf dem Firmenareal. «Ich hatte eine Chauffeuse, die mich gefahren hat», erklärte er. «Sie hat auf Abruf bereitgestanden und mich jeweils auf die Baustellen gefahren.» Der Zeuge wollte allerdings nie etwas von einer Chauffeuse gesehen haben. Er gab vielmehr an, dass er den Beschuldigten aus dem Auto habe steigen sehen. Und zwar auf der Fahrerseite und das nicht nur auf dem Firmengelände.

Verhandlung unterbrochen

Angesichts der veränderten Sachlage wurde die Hauptverhandlung unterbrochen. Der Beschuldigte hatte sich im Rahmen der Voruntersuchung stets auf den Standpunkt gestellt, er habe sein Auto nur im grundsätzlich geschlossenen Industrieareal gelenkt, in einem Bereich, in welchem das Strassenverkehrsgesetz gar nicht gelte. Der erstmals vom Gericht befragte Zeuge hatte indes ausgesagt, dass er den Beschuldigten als Autolenker auch auf öffentlichen Strassen gesehen habe, was vom Beschuldigten wiederum bestritten wurde. Das Gericht forderte die Verteidigung auf, mitzuteilen, ob sich der Beschuldigte nunmehr der Anklage der Staatsanwaltschaft unterzieht. Über das weitere Vorgehen wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.