Noch nie haben in einer Ausstellung der Kulturtankstelle Döttingen zwei Künstler mit ihren Werken einen so intensiven Dialog gesucht wie Hans Anliker und Stefan Muntwyler. In jedem Raum der Kulturtankstelle kommunizieren die Künstler malerisch miteinander.

Anlikers Landschaften aus Linien und Punkten finden in den monochromen Farbquadraten von Muntwyler einen Gegenpol und umgekehrt. Den Höhepunkt des gemeinsamen Oeuvres wird im grossen Innenraum der Kulturtankstelle ersichtlich. Dort liegen einem Teppich gleich 40 Tuffsteinplatten, die Anliker mit seiner lebendigen Formensprache bemalt hat. An der Wand korrespondieren dazu 60 von Muntwyler kolorierte Tuffstein-Stelen.

Wertvolle Schätze aus der Erde

In der Eingangshalle der Kulturtankstelle nehmen Muntwylers strahlende Farbquadrate den Blick gefangen. «Es bedarf höchster Präzision, grossen Fingerspitzengefühls und oft auch atemberaubender Geschwindigkeit, um sie zu gestalten», sagt der Künstler zu seiner Technik. Denn: Obwohl manchmal bis zu 20 Schichten aufgetragen werden, ist niemals die Spur eines Pinsels zu sehen.

Die an den Kanten herablaufende Farbe drückt er auf Baumwollstreifen ab, welche in der Galerie mit Klammern an einem Seil aufgehängt sind. Muntwyler bezeichnet sie schlicht und einfach als «d’Wösch». Der gebürtige Wettinger lebt heute in Windisch und gilt als Experte für Farben in der Schweiz. Er gab ein Buch über deren chemische Zusammensetzungen und ihre spannenden geschichtlichen Zusammenhänge heraus und unlängst widmete ihm «NZZ-Folio» eine Sendung.

«Alle Farben, die ich verwende, bestehen ausschliesslich aus Stein und Erde», sagt Muntwyler. In seinen Werken befinden sich Pigmente von Malachit aus Algerien, Porphyr aus Frankreich, Jade aus Russland oder Fuchsit aus Brasilien. Das wertvolle Material bezieht er bei einem Farbmühlen-Besitzer oder gräbt selber nach den Schätzen in seiner zweiten Heimat Apulien.

Nie versiegende Leidenschaft

Nach seiner Hochbauzeichnerlehre und einem Innenarchitekturstudium arbeitete Hans Anliker 20 Jahre bei der Metron Architektur AG. Die Berufslaufbahn prägte sein Schaffen. Räumliches Denken ist heute ein ebenso wichtiger Bestandteil seiner Malereien wie das Bedürfnis nach einer gewissen Anordnung der Tupfen und Striche, die man in seinen Exponaten findet.

Oft wirken sie wie spontan hingeworfen. «Doch sie sind alle ganz gezielt gesetzt», sagt der in Schinznach-Bad wohnhafte Künstler. Überall findet man Anlikers eigenwillige Farben- und Formensprache. Sei es in kleinformatigen Werken, auf denen sich haarfeine Linien zu Landschaften und Räumen verdichten. Oder auf den sogenannten «Gehilfen», die der Kreative aus Haselsträuchern geschnitzt und bemalt hat.

1983 stieg Anliker aus dem Berufsleben aus und widmete sich ganz der Malerei. Mittlerweile hat er sich auch als Gestalter von Objekten im öffentlichen Raum einen Namen gemacht, kreierte beispielsweise Kirchenfenster in Egliswil und Lupfig. Mit 75 sagt er: «Aufhören will ich noch lange nicht.» Denn eine Leidenschaft, wie er sie hat, begleitet einen das ganze Leben.

Die Ausstellung von Hans Anliker und Stefan Muntwyler in der Kulturtankstelle, Hauptstrasse 78, Döttingen, dauert bis 20. Oktober. Öffnungszeiten: Freitag und Samstag, 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung.