Bei den Grossratswahlen im Herbst 2016 wählten die Zurzibieter Stimmbürger sieben Volksvertreter ins Kantonsparlament. Acht Monate später sind bereits zwei von ihnen zurückgetreten. Im März gab FDP-Mann Erwin Baumgartner aus Tegerfelden seine Demission bekannt. Der Unternehmer gab an, mehr Zeit für seine Firma zu benötigen. Am 20. Juni wurde seine Nachfolgerin Claudia Hauser (FDP, Döttingen) vereidigt. Eine Woche lang stellte das Zurzibiet zwei Grossrätinnen. Dann gab am Dienstag, anlässlich der letzten Grossratssitzung vor den Sommerferien, Monika Stadelmann von der SP ihren Rücktritt bekannthttps://www.aargauerzeitung.ch/aargau/zurzach/grossraetin-monika-stadelmann-tritt-zurueck-david-burgherr-rueckt-nach-131470864.

«Zum Zeitpunkt der Wiederwahl war mein Rücktritt noch nicht absehbar», sagt die 61-Jährige aus Bad Zurzach. Erst in den letzten Wochen habe sich ihr Entscheid abgezeichnet. Für ihr Ausscheiden nennt sie familiäre Gründe. «Mein Mann ist schwerst sehbehindert und immer mehr auf meine Unterstützung angewiesen.» Er könne das Haus kaum noch ohne fremde Hilfe verlassen, sagt die Fachfrau Gesundheit, die in einem 60-Prozent-Pensum in Eglisau arbeitet.

Nach Stadelmanns Rücktritt ist der Bezirkshauptort nicht mehr im Grossen Rat vertreten. Und wäre Claudia Hauser nicht nachgerückt, verlöre der Bezirk auch seine einzige Frau im Grossen Rat. «Dass mit Claudia Hauser wieder eine Frau im Parlament sitzt, hat mir den Rücktritt erleichtert», sagt Stadelmann. Ob sie selbst der Politik in einer Form erhalten bleibt, lässt sie noch offen. Bereits im März hatte sie das Präsidium der Bezirkspartei abgegeben.

Oft unsachlichen Diskussionen

Stadelmann blickt mit gemischten Gefühlen auf ihre dreijährige Amtszeit zurück. «Oft gab es Entscheide, hinter denen ich nicht stehen konnte», sagt sie. So etwa beim Bildungsabbau oder beim neuen Einbürgerungsgesetz, das nicht zustande kam. «Ich habe mich oft geärgert, bin aber auch eine Kämpferin», sagt sie. In der SP-Fraktion erlebte sie eine gute Zusammenarbeit mit einer konstruktiven Diskussionskultur. Das sei während der Sitzungen des Grossen Rats mit harten und oft auch unsachlichen Diskussionen nicht immer der Fall gewesen. Dennoch werde sie die guten Gespräche und die Menschen, auch überparteilich, vermissen. Als grössten Erfolg wertet sie, dass die Zurzibieter SP bei den Wahlen im Herbst 2,7 Prozent zulegen konnte.

Den frei werdenden Sitz im Rat wird David Burgherr übernehmen. Der Lengnauer erreichte nach Stadelmann das zweitbeste Resultat der SP bei den Grossratswahlen im Herbst 2016. Seine Vereidigung wird Ende August stattfinden. Stadelmann wünscht ihm «viel Kraft, Optimismus und ein gutes Gespür». Als sie vor drei Jahren für Astrid Andermatt nachrückte, «war es ein Sprung ins kalte Wasser. Aber ich bin überzeugt, dass David Burgherr die Aufgabe sehr gut meistern wird», sagt Stadelmann.