Döttingen

«Mit der Pfyfferwiese wird das Filetstück verschenkt»

Die Pfyfferwiese (Bildmitte) verkaufen oder nicht verkaufen? Klarheit soll ein Urnengang schaffen. Links das Feuerwehr-/Bauamtsmagazin, rechts das Sperrholzwerk Hess & Co. AG. AEB

Die Pfyfferwiese (Bildmitte) verkaufen oder nicht verkaufen? Klarheit soll ein Urnengang schaffen. Links das Feuerwehr-/Bauamtsmagazin, rechts das Sperrholzwerk Hess & Co. AG. AEB

Mit einer Unterschriftensammlung soll in Döttingen der Entscheid der Gemeineversammlung, die 5338 Quadratmeter grosse Pfyfferwiese einem Gippinger nternehmer zum Quadratmeterpreis von 250 Franken zu verkaufen, an die Urne gebracht werden.

In Döttingen sind dieser Tage nicht nur die Samichläuse unterwegs, sondern auch die Sammler von Unterschriften für zwei Referenden. Betroffen sind die an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 9. November beschlossene Ablehnung der Gemeindefusion mit Klingnau sowie der Beschluss der Gemeindeversammlung vom 23. November, die Pfyfferwiese für 1,334 Millionen Franken an die Vögele AG, Heizung/Sanitär (Gippingen), zu verkaufen.

Die Initianten des Referendums begründen ihren Schritt mit dem ihrer Meinung nach viel zu tiefen Quadratmeterpreis von 250 Franken. «Damit wird das Filetstück der Gemeinde regelrecht verschenkt», sagen die Initianten des Referendums. Die 5338 Quadratmeter grosse Parzelle zwischen dem Magazin der Feuerwehr Döttingen-Klingnau und der Sperrholzfabrik Hess AG sei die wertvollste Landreserve, die Döttingen besitze. Die Initianten des Referendums begrüssen die Absicht des Gemeinderats, neue Firmen nach Döttingen zu locken, sind aber der Meinung, die Firma könne sich auch im Industriegebiet Vorhard niederlassen.

Dem Gemeinderat wird vorgeworfen, er habe das Land dem erstbesten Interessenten verkauft. Mit einer öffentlichen Ausschreibung der wertvollen Landreserven hätte ein bedeutend höherer Quadratmeterpreis als die jetzt zur Debatte stehenden 250 Franken erzielt werden können. Als Vergleich ziehen die Initianten des Referendums die 700 Franken heran, die die Gemeinde für das Land für die Erweiterung des regionalen Altersheims bezahlt.

Gemeindeammann Peter Hirt hält dem entgegen, mit einer öffentlichen Ausschreibung hätte vielleicht ein höherer Preis erzielt werden können, doch mit diesem Vorgehen hätte die gemeinde auch das Mitspracherecht bei der Nutzung der Gebäude verloren. Die 250 Franken pro Quadratmeter bezeichnet Hirt als marktgerecht: «Dass für das Land beim Altersheim 700 Franken bezahlt wurden - respektive bezahlt werden mussten – ist damit zu erklären, dass es sich um Land in der Wohnzone handelte und nicht um Gewerbeland wie bei der Pfyfferwiese.»

Vor der Gemeindeversammlung hatte der Gemeinderat den Verkauf mit dem Ziel des Käufers begründet, er wolle auf der Pfyfferwiese ein Gebäude erstellen, das neben der eigenen Firma auch Handwerkern und Detaillisten einen attraktiven Standort für ihre Geschäfte anbieten könne. Der Gemeinderat bescheinigte dem Käufer der Parzelle, dass die Projektidee mit Werkhallen und modernem Büro- und Wohnkomplex der Zielvorstellung der Raumplanung entspreche. Als weiteres Argument für den Verkauf wurde angeführt, dass in der Zwischenzeit eine benachbarte Parzelle als Landreserve für eine allfällige Erweiterung des Feuerwehrmagazins respektive des Bauamts gekauft worden sei.

230 Unterschriften sind geleistetMitte November haben die Döttinger Stimmbürger den Zusammenschluss mit Klingnau an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung abgelehnt. Auch gegen diesen Beschluss ist das Referendum ergriffen worden. In einer Pressemitteilung schreibt die IG Fusion Pro, sie habe sich zum Ziel gesetzt, bis 12. Dezember mindestens 200 Unterschriften zu sammeln. Die Interessengemeinschaft ist der Ansicht, eine solch wichtige Entscheidung müsse an der Urne und nicht in einer Turnhalle gefällt werden.

«Die Fusion ist eine historische Chance, langfristig unabhängig und stark zu bleiben», schreibt die IG Fusion Pro. Kaum ein Argument der Fusions-Gegner halte einer näheren Betrachtung stand. «Die Gemeinden werden in Zukunft noch mehr Lasten tragen und komplexere Aufgaben übernehmen müssen. Das geht nur gemeinsam.»

Bisher haben über 230 Döttingerinnen und Döttinger das Referendumsbegehren unterschrieben. Damit wird es am 3. März 2013 zu einer Entscheidung an der Urne kommen. Die IG Fusion Pro will aber ein Zeichen setzen und sammelt weiter Unterschriften. Diese werden am nächsten Dienstag der Döttinger Gemeindekanzlei übergeben.

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