Endingen

Mit 27 Jahren führt sie zwei Läden – und ist die neue Chefin der Postagentur

Franziska Meier leitet neben ihrem Hobbyatelier in Brugg neu auch die Papeterie Surbtal mit der integrierten Postagentur.

Franziska Meier leitet neben ihrem Hobbyatelier in Brugg neu auch die Papeterie Surbtal mit der integrierten Postagentur.

Franziska Meier ist erst 27 Jahre alt und bereits Inhaberin von zwei Läden. Nachdem das Hobbyatelier in Brugg so erfolgreich lief, übernahme sie auch die ehemalige Papeterie Falz in Endingen.

Brugg, Hauptstrasse 4, 9 Uhr. Inhaberin Franziska Meier und ihre Stellvertreterin Heidi Hochuli öffnen die Eingangstüre zu ihrem Hobbyatelier. Noch ist es ruhig im Fachgeschäft für Bastelartikel, doch das wird sich bald ändern. «Basteln ist nach wie vor ein grosses Thema, gerade auf Weihnachten hin», sagt die 27-jährige Franziska Meier.

Im Unterschied zu anderen Geschäften und Branchen, die wegen der Frankenstärke in Schieflage geraten sind, konnte das Hobbyatelier einen massiven Zuwachs an Kunden und eine Umsatzsteigerung verzeichnen. «Wir alle sind mit Herzblut bei der Arbeit», erklärt sich die junge Inhaberin ihren Erfolg.

So erstaunt denn nicht, dass das achtköpfige Team rund um die Geschäftsinhaberin auch in der Freizeit Basteltrends ausprobiert, um immer auf dem aktuellen Stand zu sein. «Basteln ist unsere grosse Leidenschaft», sagt Meier, die in Würenlingen lebt, aber in Stilli aufgewachsen ist. Im Trend sind Glasuntersetzer aus Beton, Schnurboxen, persönliche Notizbücher mit Fotocollagen oder aber Fonduegabeln mit Fimo.

Im Frühjahr besucht die 27-Jährige jeweils die Neuheiten-Messen, im Sommer stellt sie dann mit dem Team einen Flyer mit gut einem Dutzend Bastelvorschlägen für die Weihnachtszeit zusammen. Dieser wird in Haushaltungen in Brugg und Umgebung gestreut. «Die Kunden können sich so in aller Ruhe das aussuchen, was sie mit ihrem Kind für das Gotti, den Grossvater oder für sich selbst basteln möchten.»

Inzwischen ist es 9.30 Uhr. Immer wieder klingelt die Glocke der Eingangstüre, emsiges Treiben erfüllt das Hobbyatelier. «Vor Weihnachten ist das immer so», sagt Meier. Sie lässt sich an diesem hektischen Morgen nicht aus der Fassung bringen, ist die Ruhe selbst. Sie weiss nie, was der neue Tag an Überraschungen bereit hält. Deshalb reserviere sie sich vor und nach Ladenschluss Zeit, um auch das Administrative anzugehen.

Bank wollte keinen Kredit geben

Doch damit nicht genug. Nebst dem Hobbyatelier in Brugg gehört Franziska Meier seit diesem August auch die Papeterie Surbtal in Endingen. Es sei schon immer ein Traum von ihr gewesen, einmal ein eigenes Geschäft zu haben, nun seien es halt zwei. «Dies in die Tat umzusetzen, war jedoch nicht ganz einfach, die Banken wollten mir keinen Kredit geben.» Doch dank der Eltern und Grosseltern, die für sie bürgten, erhielt sie die Finanzspritze. Das erlaubte ihr, vor drei Jahren das Hobbyatelier von ihrer Vorgängerin Paulette Hitz, damals noch am Neumarktplatz, zu übernehmen. Nach zwei Monaten wurde der Standort an die Hauptstrasse 4 verlegt.

Bereits nach drei Jahren war das Geschäft so erfolgreich, dass sie mit der Übernahme der Papeterie Falz in Endingen liebäugelte, die ihre Geschäftstätigkeit aufgeben wollte. «Seit August sind wir dort vertreten, unter dem neuen Namen Papeterie Surbtal», sagt sie stolz. Dies freut sie besonders, weil es ihr erlaubt, Lernende auszubilden. «Für die Bastelbranche gibt es im Aargau keine Ausbildung, jedoch für den Papeteriebereich.» Dank der beiden Geschäftszweige kann sie nun zwei Lernende ausbilden. Das hinzukriegen, sei nicht ganz einfach gewesen.

Die Papeterie in Endingen wird derzeit noch um- und ausgebaut. Im Januar wird zudem die Postagentur integriert. «Da kommt noch einiges an Arbeit auf uns zu, aber wir freuen uns», sagt sie mit einem erwartungsvollen Leuchten in den Augen.

Drei Ausbildungen in der Tasche

Franziska Meier hat mit ihren 27 Jahren bereits drei Ausbildungen in der Tasche. Gelernt hat sie in einem Bastelgeschäft in Bad Zurzach – Fachgebiet Textil, weil Basteln kein Ausbildungsfach ist. Danach hat sie sich zur Fachfrau Betreuung Kleinkinder und schliesslich noch zur Papeteristin ausbilden lassen. «Gerade bei den Basteltipps kommt mir dies zugute, dass ich die Bedürfnisse und Möglichkeiten von Kleinkindern gut einschätzen kann», sagt sie. So erstaunt denn nicht, dass auch viele Väter mit ihren Kindern ins Hobbyatelier kommen, um sich ins Reich des Bastelns einführen zu lassen.

Bleibt noch Zeit für Freunde und Hobbys? «Auf jeden Fall, allerdings nicht allzu viel.» Zum Glück habe sie einen verständnisvollen Freund, der sie und ihre Projekte unterstütze. Wie auch ihre Familie und viele Freunde. Lust, noch weitere Geschäfte zu erwerben? «Nein, die beiden reichen», sagt Franziska Meier lachend. Denn sie hat noch einen anderen Wunsch. «Nachwuchs, nur das fehlt mir noch zum vollkommenen Glück.» Sagts und macht sich auf, die nächste Kundin für ein Weihnachtsgeschenk zu beraten.

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