Endingen

«Mir ist wichtig, dass Oma nicht vergessen geht»

Die Autorin Melissa Frei geniesst mit einem Buch in der Hand ihre Ferien. ZVG

Die Autorin Melissa Frei geniesst mit einem Buch in der Hand ihre Ferien. ZVG

Die 20-jährige Melissa Frei aus Endingen konnte ihren ersten Roman im Frankfurter R.G.-Fischer-Verlag veröffentlichen. Mit dem Buchprojekt verarbeitet sie den Tod ihrer Grossmutter, die im Buch über Erlebnisse aus dem Dritten Reich in Österreich berichtet.

Viele schreiben sich diese Eigenschaft zu, doch bei Melissa Frei aus Endingen ist der Fall klar: Sie ist kreativ.

Die 20-Jährige spielt Akkordeon und Klavier, wobei sie sich Letzteres selber beigebracht hat. Sie ist eine vielseitig interessierte, junge Frau. Nebst dem Singen, Backen und dem Gärtnern in der freien Natur beschäftigt sich Frei in ihrer Freizeit gerne mit Sprachen, Lesen und dem Schreiben von Geschichten. Sie wusste dieses Talent zu nutzen: Im Rahmen ihrer Maturaarbeit an der Kantonsschule Baden begann Melissa Frei im April 2015, ein Buch zu schreiben. Nun hat sie ihren 142 Seiten langen Roman mit dem Titel «Wenn die Musik des Lebens Nahrung ist» veröffentlicht.

Recherchieren auf Reisen

Der Roman handelt von der Beziehung zwischen einer Jugendlichen und deren schwer erkrankten Grossmutter sowie der gemeinsamen Liebe zur Musik. Die alte Dame erzählt am Krankenbett Geschichten aus ihrem Leben. Dabei berichtet sie über Erlebnisse aus dem Dritten Reich in Österreich und der Nachkriegszeit, die ihr Leben massgebend geprägt hatten.

«Ich musste für die geschichtlichen Hintergrundinformationen viel recherchieren und bin dafür auch extra nach Kitzbühel gereist», sagt Frei. Der rote Faden des Buchs bildet eine Mappe mit Notenblättern von bekannten Klavierliedern, welche die Grossmutter seit der Kindheit begleitet haben. Anhand der Erinnerungen an die Musikstücke wird der Lebenslauf der Grossmutter erzählt, daher stammt der Buchtitel.

Der Roman beinhaltet zwar fiktive Passagen, doch er basiert auf vielen biografischen Auszügen aus dem Leben von Melissa Frei und ihrer verstorbenen Grossmutter. Das Buch ist ein Erinnerungsschreiben an sie. «Ihr Leben hat mich beeindruckt und ihre Willensstärke und Lebenskraft habe ich stets bewundert – mir ist wichtig, dass sie nicht vergessen geht», sagt die Autorin. Der Roman helfe ihr bei der Verarbeitung des Todes der Grossmutter.

Verlag ist begeistert vom Buch

Sechs Monate brauchte Frei für die erste Fassung ihres Buches, die sie im Oktober 2015 als Maturaarbeit abgab. Nach dem Abschluss der Kantonsschule begann sie ein Praktikum in der Hirslanden Klinik, weil sie sich für ein Medizinstudium interessierte. Das Manuskript schlummerte vor sich hin, bis Frei in einem Magazin zufällig auf ein Inserat gestossen ist: Der R.G.-Fischer-Verlag aus Frankfurt warb darin um Jungautoren.

Kurzentschlossen hat sie das Manuskript nach Deutschland geschickt. «Ich wollte es einfach probieren, um meiner Grossmutter ein Andenken zu hinterlassen», sagt Frei. Der Verlag gab kurz darauf grünes Licht für die Veröffentlichung ihres Erstlings und lobte den Erzählstil der Autorin: «Sie beherrscht diese ‹kleine Form›, Geschehen dicht gedrängt darzustellen und den Leser in die Welt ihrer Figuren hineinzuziehen. Ihre Personen sind von intensiver Lebendigkeit, ihr Innerstes wird seltsam transparent und verständlich.» Das Fazit des Verlags: Ein lesenswertes Buch, von der ersten bis zur letzten Seite.

Ein aufwendiger Feinschliff

Die Betreuung von Seite des Verlags sei stets reibungslos gelaufen, so Frei. «Man unterschätzt die aufwendige Arbeit vom Manuskript bis zur Veröffentlichung eines Buches. Der Feinschliff der gedruckten Worte war ein sehr langwieriger Prozess. Nun ist es endlich geschafft», sagt Frei. Rund eineinhalb Jahre nach dem Projektbeginn ist das Buch im Online-Bücherhandel erhältlich. Melissa Frei ist stolz auf ihr Werk: «Für mich ist das ein Riesenschritt.»

Ganz auf die Karte Schriftstellerin will Melissa Frei trotzdem nicht setzen. Vor zwei Wochen begann sie ihr Medizinstudium an der Universität in Fribourg und ist auch in die zweisprachige Stadt in eine vierköpfige Wohngemeinschaft gezogen. Ein weiteres Buchprojekt steht deshalb im Moment an zweiter Stelle, hinter den Vorlesungen und Sachbüchern. «Für immer begraben habe ich die Autorin in mir nicht. Aber momentan setze ich klar andere Prioritäten», so Frei.

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