Winzerumzug Döttingen

Millefleurs, Musik und Multikulti: So war der Winzerumzug

25000 Personen haben am Sonntag den 60. Winzerumzug in Döttingen mit seinen 60 Sujets genossen. Auch Landammann Urs Hofmann und seine Regierungsratskollegen Roland Brogli und Peter C. Beyeler strahlten.

Gegen 15 Uhr war er entschwunden, der Nebel. Verdrossen hat diese einstündige Verspätung niemanden. Wäre ja gelacht, wenn das Wetter der wundersamen Verwandlung von Papier in Fleisch und Blut einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte - drei Wochen vor Wahlen nahm selbstredend eine stattliche Anzahl von Kandidaten leibhaftig ein Bad in der 25 000-köpfigen Menge.

Sie strahlten von der Tribüne herunter nicht minder, als von den Plakaten bloss, dass der Eine und die Andere in Natura ein bisschen älter ausschaut. Auch Landammann Urs Hofmann und seine Regierungsratskollegen Roland Brogli und Peter C. Beyeler strahlten. Allerdings weit weniger um die Gunst der Wähler, denn aus Freude am royalistischen Damenflor mit Marie, der Dauphine du vin alsacien, der pfälzischen Weinprinzessin Sabine und der badischen Weinkönigin Nathalie in ihrer Mitte.

«Winzerkönigin» auf dem Wagen

So gut - und immer besser - die Aargauer Weine auch sind, zu einer Weinkönigin hat es der Kanton immer noch nicht gebracht. Die Döttinger Winzerlüt AM-ME-ZI machen den Verantwortlichen jetzt aber Beine. Kurzerhand haben sie eine «Winzerkönigin» auf ihrem Wagen am Publikum vorbei geführt: Sabrina aus Baldingen. Dort wächst zwar kein Wein, aber hübsche junge Damen gedeihen dort augenscheinlich prächtig.

Prächtig war, einmal mehr, der ganze Umzug. Allein schon die Blumenarrangements mit Rosen, Dahlien, Gladiolen, Astern, Sonnenblumen sind jedes Mal aufs Neue eine Augenweide. Besonders reizend waren diesmal die kleinen Umzugsteilnehmer: Rot und Gelb züngelte Feuer aus den Köpfen der Döttinger Kindergärtler, die ganz und gar «Füür und Flamme fürs Winzerfest» waren. Und direkt zum Reinbeissen köstlich waren die Champignons der Schule Full-Reuenthal anzusehen.

Vor den staunenden, lachenden und reichlich ausgeschenkte Probiererli schlürfenden Zuschauern rollten Wagen vorbei mit schaukelnden Schaukeln drauf oder mit einem Windrad. Auf einem Wagen sah man lauter Glücksbringer - Chämifäger, Würfel, Hufeisen. Auf einem anderen ergoss sich aus einer Schatztruhe ein Berg blauer Trauben, auf einem dritten stand wahrhaftig ein Schneemann - deklariert als «des Winzers Frust».

Trachtenfrauen und Oldtimer-Velos

Dazwischen Berner Sennenhunde und Bernhardiner, Majoretten, klöppelnde, strickende, webende und stickende Trachtenfrauen, interessante und köstliche Oldtimer-Velos und immer wieder stramme Musikanten aus der Region und von weiter her. Die Musikgesellschaft Döttingen beispielsweise blies in roten Sennechutteli mit schwarzen Schürzen und die von der Kavallerie-Bereitermusik aus Bern taten es hoch zu Ross. Beritten waren auch Kosaken unterwegs, allerdings keine echten, sondern Zurzacher.

Aber es präsentierten sich durchaus auch Originalvertreter «fremder» Kulturen. Portugiesische, türkische, thailändische Folklore und bergamaskische Fanfaren wurden ebenso anschaulich vorgeführt, wie Tänze aus Crans-Montana. Und - ganz zum Schluss marschierte die Basler Källerwäntele-Zunft. Was heisst schon «marschierte» - sie pfyffen und ruessten so wunderbar, dass garantiert nicht nur mein Bebbi-Herz ganz aus dem Takt geraten ist.

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