Kleindöttingen

Menschen in Not kommen hierher, weil sie hier ohne Scham sprechen können

Sarah Groth arbeitet seit Juni im neuen KRSD-Büro in Kleindöttingen.

Sarah Groth arbeitet seit Juni im neuen KRSD-Büro in Kleindöttingen.

Der Kirchliche Regionale Sozialdienst hat seit kurzem einen Standort in Kleindöttingen – und unterstützt Menschen in Not.

Er hat wegen der Corona-Situation Kurzarbeit. Zuvor hat er seine Frau und die beiden Kin­der mit dem Lohn mit Mühe durchgebracht. Durch die Lohn­einbusse fällt die Familie unter das Existenzminimum. Rechnungen bleiben offen. Er, Ende 30, sucht nun Rat bei der Sozialarbeiterin Sarah Groth in Kleindöttingen.

Diesen Juni öffnete der Kirchliche Regionale Sozialdienst (KRSD) am Antoniusweg 16 in Kleindöttingen seine Tore. Die beiden Pastoralräume Aare-Rhein und Surbtal-Würenlingen schaffen zusammen mit der Römisch-Katholischen Landeskirche und der Caritas Aargau ein Angebot für die Menschen der Region.

Beratung bei finanziellen Problemen

Eine der beiden Sozialarbeiterinnen in Kleindöttingen ist Sarah Groth. Die 33-Jährige arbeitet seit drei Jahren im KRSD-Büro in Baden. Jetzt ist sie zusätzlich 20 Prozent in Kleindöttingen tätig. Der wesentliche Unterschied der beiden Bezirke Zurzibiet und Baden seien die Standorte. Das Büro in Baden befindet sich am Bahnhof, dies führe dazu, dass Leute oft spontan vorbeikommen. In Kleindöttingen ist das anders. Dort ist das Büro neben der Kirche abgelegener, was dazu führt, dass Personen vor einem Besuch eher zuerst anrufen. Spontane Besuche sind dennoch möglich.

Sarah Groth, welches Schicksal hat sie besonders berührt? Die Sozialarbeiterin beim kirchlich-regionalen Sozialdienst in Kleindöttingen und Baden im Videointerview.

Sarah Groth, welches Schicksal hat sie besonders berührt? Die Sozialarbeiterin beim kirchlich-regionalen Sozialdienst in Kleindöttingen und Baden im Videointerview.

An zwei Tagen pro Woche wird in den Räumlichkeiten der Kirchgemeinde Beratung angeboten. Dienstags auf Spanisch/Portugiesisch und freitags auf Deutsch. Dieses Angebot hat auch ein älteres Ehepaar in Anspruch genommen. Sie haben nur wenig Geld und wollten wissen, wie sie dieses am besten einplanen. In ihrem Haushalt wohnen sie und ihre beiden Söhne. Der Jüngere ist in Ausbildung. Keiner der beiden leistet einen finanziellen Beitrag an den Haushalt.

Stipendium auch mit B-Ausweis möglich?

Für die Finanzierung der Ausbildung ihres Sohnes hat das Paar ein Stipendium beantragt. Der Antrag wurde abgelehnt, da die Familie einen B-Ausweis hatte. Muss man den Kindern während der Ausbildung alles finanzieren oder können sie selbst einen Teil übernehmen – war eine Frage, die sich das Paar stellte. Groth beriet das Paar. Sie hat darauf aufmerksam gemacht, dass man mittlerweile auch mit B-Ausweis ein Stipendium beantragen kann. Darüber hinaus bestärkte sie das Paar, mit ihren Kindern das Gespräch zu suchen.

In den Anfangszeiten des KRSD kamen viele wegen Deutschkursen. Im Gegensatz zu den Flüchtlingen, die den Kurs vom Kanton finanziert bekommen, müssen sich die Familiennachzüge selbst um die Finanzierung kümmern. So war es auch bei einer Frau, die Deutsch lernen wollte, um sich eine berufliche Zukunft aufbauen zu können. Sie ist als Familiennachzug in die Schweiz gekommen. Die Extraausgabe für den Kurs war für ihre Familie nicht möglich. In diesem Fall hat Groth über eine Stiftung Geld organisieren können, um so der Frau den Deutschkurs zu ermöglichen. Mittlerweile haben sich die Themen der Beratungsanfragen vervielfältigt. In der portugiesisch/spanischen Beratung ist aktuell der Antrag für Prämienverbilligung Thema.

Wieder Ordnung ins Leben bringen

Beim KRSD geht es aber nicht nur darum, Geld aufzutreiben. Manchmal will man auch nur jemanden zum Reden haben – jemanden, vor dem man sich nicht schämen muss. «Manchmal kommen Leute mit Säcken voll ungeöffneter Briefe», sagt Groth. Wenn Menschen frisch in die Schulden rutschen, schämen sie sich oft. Sie trauen sich nichts mehr zu, und es entsteht ein Chaos. Die Sozialarbeiterinnen helfen, Ordnung in dieses Durcheinander zu bringen ohne jegliche Wertung.

Diesen Samstag feiert der KRSD Tag der offenen Tür. Von 15 bis 20 Uhr steht ein Stand auf dem Kirchenplatz, wo die beiden Beraterinnen und der Bereichsleiter der Caritas Aargau Emil Inauen Auskunft geben.

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