Fusionsprojekt Rheintal+

Mellikons Ammann musste lange schweigen – der Rietheimer erlebte «unschöne Sachen»

Die Gemeinderäte von Mellikon und Rietheim empfahlen ein Nein zur Gemeindefusion Zurzach – einer der beiden freute sich allerdings über das Ja in seiner Gemeinde: Der Melliker Rolf Laube hat sich am Abstimmungsabend als Fusionsbefürworter outen dürfen.

Der Melliker Gemeindeammann Rolf Laube ist nach dem Ja seiner Stimmbürger zum Fusionsprojekt Rheintal+ erleichtert. In den letzten Wochen hatte er keinen leichten Stand: Der Gemeinderat von Mellikon hatte für das Fusionsprojekt ein Nein empfohlen. Nun hat Laube den Vorsitz des Projektleitung von Rheintal+ inne. Da lag die Vermutung nahe, dass er selbst ein Fusionsbefürworter ist. Wie sonst könnte er den Vorsitz des Projekts glaubwürdig ausfüllen?

Tatsächlich informierte er an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Donnerstag darüber, dass er ein Fusionsbefürworter ist. Möglich gemacht hat dies die Stimmfreigabe für alle Gemeinderäte, welche die Rheintal+-Projektleitung schon vor längerer Zeit für diesen Abend beschlossen hatte.

"Nach der letzten Informationsveranstaltung ging ich davon aus, dass die Chancen bei 50:50 liegen", sagt Rolf Laube am späten Donnerstagabend im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl. Dort haben sich die zehn Gemeindeammänner getroffen. Die Stimmung ist locker. Freude und Erleichterung über die hohe Zustimmung ist den meisten der Männer ins Gesicht geschrieben. Mit Fisibach hat nur eine der zehn Gemeinden die Fusion abgelehnt. Der Alleingang ist aufgrund der hohen Stimmbeteiligung bereits definitiv. 

Stimmfreigabe half Befürwortern

In Mellikon überwogen 43 Ja-Stimmen die 20 Nein-Stimmen markant. Das sind 68 Prozent. Damit hatte hier niemand gerechnet. Wie also lässt sich das deutliche Melliker Ja erklären? Hat die Stimmfreigabe, also dass der Ammann offen seine Meinung sagen konnte, geholfen? "Ich glaube ja", antwortet Rolf Laube. Auch der langjährige Gemeindeammann hat die deutliche Zustimmung so nicht erwartet.

Dass Laube hinter der Fusion steht, hatte sich im Dorf und teilweise auch in der Region schon vor dem Abstimmungsabend herumgesprochen. Nachdem sich nach den letzten Infoveranstaltungen in den Rheintal+-Gemeinden vor wenigen Wochen die Zeichen mehrten, dass die Melliker Nachbarn und Partner der Gemeindeverwaltung (Verwaltung2000) wohl für die Fusion votieren werden, dürften Melliker vermehrt ein Fragezeichen hinter den weiteren Gang der Eigenständigkeit gesetzt haben. In so manchen Bereichen wären sie eh auf die neue Gemeinde Zurzach angewiesen. Die Verhandlungsposition als kleiner Nachbar wäre nicht gerade rosig.

«Unschöne Sachen» 

Mit einem Nein hat auch Rietheims Gemeindeammann Beat Rudolf gerechnet. Auf "50 zu 50" schätzte auch er die Chance ein, dass die Versammlung der Vorlage zustimmt respektive sie ablehnt. Es kam anders: Mit 97 Ja zu 55 Nein oder 64 Prozent Zustimmung hat Rietheim deutlich die Richtung vorgegeben. Rudolf freute sich zumindest über das "klare Ergebnis", sprach schon an der Versammlung, angesichts des Grossaufmarsches, von gelebter Demokratie. Und er zeigte sich bemüht, teils harsche verbale Auseinandersetzungen auf eine sachliche Ebene zu bringen. Er habe zuletzt schon einiges einstecken müssen, sagt er zu später Stunde im Kreuz. "Unschöne Sachen", fügt er an, sprich Kritik unter der Gürtellinie. Er hat deshalb an der Gemeindeversammlung an die Bevölkerung appelliert, dass man miteinander sachlich auf Augenhöhe umgehen solle. Bis zum endgültigen Entscheid, den die Stimmberechtigten am 8. September an der Urne fällen werden. 

Lesen Sie hier den Liveticker zum Abstimmungsabend nach

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