Nelson Mandela wird Präsident Südafrikas, Otto Stich Bundespräsident der Schweiz und in Bad Zurzach tritt der 39-jährige Meinrad Moser sein Amt als Gemeinderat an. Wir schreiben das Jahr 1994. Lange ists her.

Moser ist keiner für die Kurzparkzone, Moser ist ein Dauerparker: Seit 21 Jahren arbeitet er für die Umbricht Bau AG in Turgi, 23 Jahre war er im Gemeinderat, vor 35 Jahren hat er seine Frau Astrid geheiratet. «Es gibt bestimmt nicht viele, die länger im Gemeinderat waren», sagt Moser, «aber das interessiert mich nicht.

Ich habe das nicht für die Rekordbücher gemacht, sondern für die Bevölkerung.» Das lokale Gewerbe hatte ihn 1994 portiert, von seiner Frau erhielt er die Unterstützung. Drei Gemeindeammänner hat er in dieser Zeit erlebt. Trotz Anfragen wollte der Parteilose nie für das höchste Amt kandidieren.

Tränen an der Rührung

Der Mann mit dem markanten Schnauzer gilt als harter Hund. Wer seine Meinung nicht teilt, hat einen schweren Stand, heisst es im Bezirkshauport. Moser widerspricht: «Ich bin kein Herrgott, bin nicht fehlerlos.

Und wenn ich einen Fehler begehe, habe ich keine Mühe, ihn einzugestehen.» Klar ist: Moser ist temperamentvoll, direkt und zuweilen auch laut. «Das weiss jeder, der mich ein bisschen kennt», sagt der frühere Maurer-Lehrling, der heute Mitglied der Geschäftsleitung ist. «Die Direktheit entspricht meinem Naturell. Ich fahre damit besser, als wenn ich alles in mich hineinfressen würde.»

Der 62-Jährige spielt mit diesem Image, geniesst zuweilen seinen Ruf. Auch an der vergangenen Gemeindeversammlung präsentierte sich Moser zunächst als harter Verhandler, ehe ihn die Emotionen übermannten, er seinen weichen Kern offenlegte: Die Stimmbürger verabschiedeten ihn an seiner letzten Gmeind mit einem langen, warmen Applaus. Sichtlich gerührt kämpfte Moser auf dem Podium gegen die Tränen. Erfolglos.

In einer Woche Grossvater

«Ja, ich habe eine harte Schale und einen weichen Kern», sagt Moser, «viele Leute sind so, aber die meisten können den weichen Kern besser verbergen als ich.» Er habe keine Mühe, diese Seite von sich preiszugeben.

Gut möglich, dass auch diesen Sonntag wieder Tränen fliessen werden: Beim Neujahrsapéro von Bad Zurzach wird Meinrad Moser verabschiedet.

Sein Amt als Vizeammann hatte er per Ende 2016 niedergelegt. Nun folgt der offizielle Akt. Regierungsrat Markus Dieth aus Wettingen wird die Festansprache halten.

«Der diesjährige Neujahrsapéro steht im Zeichen der Familien», steht auf der Einladung der Gemeinde. Es mag Zufall sein, aber das Motto passt ausgezeichnet zu Mosers Situation.

In einer Woche soll sein erster Enkel das Licht der Welt erblicken. «Ich hoffe, dass es nicht während des Apéros geschieht», sagt der zukünftige Grossvater mit einem Lachen.

Passend zum Familien-Motto sind auch die Worte, mit denen Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs im Mai 2016 den Rücktritt Mosers angekündigt hatte: «Wir lassen Meinrad Moser nicht gerne ziehen. Aber wir wissen allzu gut, dass es für ihn und seine Frau Astrid der richtige Zeitpunkt ist.»

«Jetzt können wir vielleicht vier statt nur zwei Wochen Ferien machen», freut sich Moser. Auch die Pensionierung wird bald ein Thema.

Mehr Velofahren, Wandern und Lesen will er, sich um seinen Enkel kümmern. Moser betont, dass er den Rücktritt aus dem Gemeinderat nicht aus Frust gegeben habe. «Wir hatten es immer gut miteinander», sagt er, «ich bin einfach im richtigen Alter, um etwas kürzerzutreten.»