Lengnau

«Mein Vater lehrte mich das Beobachten und Stillsitzen»

Ausstellungsorganisator Thomas Amiet und sein Vater, Maler Peter Amiet. Ursula Burgherr

Ausstellungsorganisator Thomas Amiet und sein Vater, Maler Peter Amiet. Ursula Burgherr

LengnauSeit seiner Kindheit hält sich Peter Amiet gerne in der Natur auf. Der einstige Theologe ist ein sorgfältiger Betrachter der Tier- und Pflanzenwelt, die er auf seinen naturalistischen Bildern darstellt.

Die Besucherin steht im Dorfmuseum Lengnau vor einem Ölbild mit einem im Wasser schwimmenden Salamander.

«Diese Amphibie ist lebend gebärend, das Weibchen trägt seine Embryonen in Eihüllen aus», sagt Peter Amiet.

Über jedes Tier, das er gemalt hat, weiss er etwas zu erzählen. Seien es Rehe in einer Waldlichtung oder mit ultrafeinen Pinseln kreierte Insekten und Schmetterlinge. «Früher machte ich noch Pinsel aus meinen eigenen Haaren», lacht Amiet, dessen Schopf sich inzwischen deutlich gelichtet hat.

Die Idee für die Ausstellung «Waldrauschen», in der sich alles um die Natur dreht, kam von Peter Amiets Sohn Thomas.

Er erinnert sich: «Als Kind haben mir die vielen Ausflüge mit dem Vater gefallen, inspiriert und auch genervt … Denn gerade im heranwachsenden Alter wollte man vielmals lieber mit den Kollegen spielen als ‹Tierli› anschauen.»

Im Nachhinein empfindet er die Zeit als prägend und wertvoll. «Ich habe von meinem Papa das Beobachten, das Sehen und Stillsitzen gelernt.» Die Frage nach der Existenz beschäftigte den heute 77-jährigen Peter Amiet schon immer, sei es in seinem ehemaligen Beruf als Theologie-Professor und Pfarrer (unter anderem in Baden und Möhlin), oder wenn er mit seiner Staffelei unterwegs ist.

Stunden verbringt er in der Natur, um deren Schönheit auf Leinwand festzuhalten. Die Eltern förderten seine Kreativität stets. Er ging bei der Zeichnungslehrerin des grossen Schweizer Malers Cuno Amiet in den Kurs.

Später lernte er den berühmten Namensvetter auch persönlich kennen, der sehr angetan war vom Schaffen des jungen Künstlers. Neben den Naturbildern sind in einer Vitrine auch Porträts von den drei Kindern Sibylle, Thomas und Matthias zu sehen.

Sie zeugen von der künstlerischen Vielfalt Amiets. Vernissageredner war Clown Gaston aus dem Circus Conelli, in dem der heute in Wettingen lebende Künstler Peter Amiet ein ganzes Œuvre über den Zirkus kreierte.

Gaston über seinen Freund: «Peter Amiet hat bei uns gemalt und es sind viele schöne Kunstwerke entstanden. Doch fühlte er sich in der Hektik und dem lauten Umfeld nicht sehr wohl – so hat jeder seine Präferenzen. Denn auch ich suche die Stille – besonders vor meinen Auftritten.»

Amiet zeigte sich an der Vernissage sehr berührt über den grossen Publikumsaufmarsch und gestand: «Die Nacht vor der Vernissage habe ich kaum geschlafen.»

Die Ausstellung «Waldrausch» von Peter Amiet kann bis 24. März im Dorfmuseum Lengnau besichtigt werden. Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

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