Ein lauter Warnschuss war der gleichzeitige Ausfall der beiden Kernkraftwerke (KKW) Beznau 1 und 2 im letzten Jahr. Die regionale Fernwärme unteres Aaretal (Refuna) bekam erstmals nach 30 Jahren keine Energie mehr.

Ab 13. August bis Ende Jahr herrschte Notfallbetrieb, doch die Reserveheizwerke funktionierten. «Niemand musste im Winter frieren», sagte Geschäftsleiter Kurt Hostettler an der Refuna-GV im Paul-Scherrer-Institut (PSI).

5,5 Millionen Liter betrug der Ölverbrauch, die Mehrkosten von 4 Mio. Franken wurden solidarisch geteilt. Für die 2600 Kunden stieg der Wärmepreis leicht um 0,8 auf 6,4 Rappen je Kilowattstunde, die Aktionäre verzichten auf eine Dividende.

Am Horizont stehen die nächsten tiefschwarzen Wolken: Bei einem Ja zur Ausstiegs-Initiative wird Beznau ein Jahr nach Abstimmung stillgelegt. «Wir wären Ende 2017 ohne Wärmequelle», betonte Hostettler.

Alles von Holz bis zu Gas

Refuna hofft darauf, Beznau 1 komme Ende Jahr ans Netz und träumt von 60 Jahren Laufzeit beider KKW. Selbst dann müssten in 12 bis 15 Jahren neue Wärmequellen her. Hostettler zählte sämtliche Optionen auf: Mit der Holcim laufen Gespräche über den Bezug von Abwärme ab Zementwerk Siggenthal. Der belastete Abgasstrom mache die Wärmetauscher zum Problem.

Von der KVA Turgi will man im Winter mehr Wärme beziehen. Nötig dafür wären zwei neue Leitungen von je 60 Zentimeter Durchmesser bis Station Siggenthal. Aber ab 2030 kommen die Öfen in Turgi an ihr Lebensende.

«Für ein neues Holzkraftwerk suchen wir 10 000 Quadratmeter Industrieland», nannte Hostettler eine weitere Möglichkeit. Geothermie wäre interessant, aber erst sehr langfristig denkbar. Mitten durch das Refuna-Gebiet führt die Trawo-Hauptgasleitung, eine Station zur Auskopplung wird abgeklärt.

Auch Bio-Diesel als Option

«Das passt in unser Konzept», erklärte Hostettler zur geplanten Wärme-Kraft-Kopplung mit Bio-Diesel im Stüdlihau Döttingen. Dort wollen die Électricité de France (EDF) und die Energiedienste Laufenburg mit Schiffsmotoren Wärme aus Abfällen produzieren. Zuerst mit einer Pilotanlage, später mit fünf Maschinen. Diese könnten 90 Prozent der Refuna-Energie liefern. Aber viele Fragen sind offen, wirtschaftliche Voraussetzung sind Bundesbeiträge in Form der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV).

Namhafte Kritiker befürchten in Döttingen Luft-Zustände wie in China. «Unsere Kunden müssen einverstanden sein, wir wollen nicht von einer Abhängigkeit in die nächste rutschen», sagte Kurt Hostettler zum Projekt Bio-Diesel.

«So bequem wie bisher wird es nie mehr sein», meinte VR-Präsident Kurt Müller zum Bezug der nötigen Wärme ab Beznau. Alle Optionen hätten mit Verbrennung und Abluftkaminen zu tun, ausser bei der Geothermie. Alles werde viel komplizierter und damit wohl auch teurer.

Heirat mit Siggenthal geplatzt

Einer Heirat zwischen Refuna und der Fernwärme Siggenthal schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch jetzt ist die Fusion überraschend geplatzt. Die Fernwärme Siggenthal habe den Abbruch der Gespräche «schriftlich mitgeteilt und bedauere das Ende ausserordentlich», erklärte Müller.

Begründung sei der Ausfall von Beznau und der unsichere Wärmebezug aus Turgi ab 2030. «Bei uns war die Fusion eine Schlüsselposition, jetzt müssen wir über die Bücher», sagte der Präsident dazu. Die bestehenden Wärmelieferungen seien aber davon nicht betroffen.

Hauptaktionäre sind die acht Refuna-Gemeinden, plus AEW Energie AG, PSI und ABB Schweiz. Der Vorstand wurde für weitere zwei Jahre gewählt, ebenso Präsident Kurt Müller. Die GV sagte zu allen Geschäften einstimmig Ja.