Finanzausgleich

Lotto-Glück holt die Gemeinde ein: Leuggern bezahlt mehr Finanzausgleich als erwartet

Leuggern bezahlt wegen seines Lotto-Glücks 1,7 Millionen Franken.

Leuggern bezahlt wegen seines Lotto-Glücks 1,7 Millionen Franken.

Die Zurzibieter Gemeinde wird im kantonalen Finanzausgleich von der Nehmerin zur Geberin. Immerhin: Sie kann nun einige Projekte vorantreiben und will versuchen, den Steuerfuss zu senken. Die Auswirkungen für den kleinen Ort.

Für Leuggern wird es ab nächstem Jahr teurer: 2020 ist die Gemeinde noch auf der Empfängerseite beim Finanzausgleich, 2021 wird sie zur Geberin. Der Grund für den Seitenwechsel liegt rund eineinhalb Jahre zurück. Am 23. Oktober 2018 gewinnt eine Einwohnerin der Gemeinde den Jackpot bei der Lotterie Euro Millions. Aus dem Einsatz von 24.50 Franken werden 183,9 Millionen Franken. Ein Jahr später jubelt auch ihr Wohnort. Leuggern weist 2019 rund 23,7 Millionen Franken an ausserordentlichem Steuerertrag aus. Eine riesige Zahl für die kleine Aargauer Gemeinde mit etwas mehr als 2100 Einwohnern.

Genug für die Verantwortlichen, um verschiedene Projekte voranzutreiben und an der nächsten Gemeindeversammlung eine Senkung des Steuerfusses von 117 auf 107 Prozent vorzuschlagen. Damit sämtliche Einwohner am Glück der Gewinnerin teilhaben können.

Höherer Betrag als angenommen

Die Zurzibieter Gemeinde hat durch den Millionen-Lotto-Gewinn plötzlich deutlich höhere Steuereinnahmen. Die Berechnungen für den Ressourcenausgleich basieren auf dem Durchschnitt der Steuereinnahmen der letzten drei Jahre. Deshalb holt Leuggern sein unerwartetes Lotto-Glück jetzt ein. Bis 2023 wird die Gemeinde deswegen Abgaben leisten müssen. Der Unterschied ist immens: In diesem Jahr erhielt Leuggern noch 444'000 Franken. Im nächsten Jahr bezahlt die Gemeinde 1,7 Millionen Franken.

«Das ist zwar mehr, als wir angenommen haben», sagt Gemeindeammann Stefan Widmer. «Aber es war vorhersehbar, was auf uns zukommen würde.» Es bringe Leuggern nicht aus dem Gleichgewicht. Widmer sagt, dass man für solch negative Auswirkungen in Form Rückstellungen für die nächsten drei Jahre vorgesorgt habe. Sie betragen gemäss letztem Abschluss 4,5 Millionen Franken.

Coronakrise wird zeitverzögert spürbar

Mehr Kopfzerbrechen bereiten die drohenden Steuerausfälle wegen der Coronakrise. «Davon sind natürlich nicht nur wir betroffen, wir gehen davon aus, dass die Einnahmen künftig weniger werden», so Widmer. Leuggern dürfte allerdings entgegenkommen, dass die Gemeinde weniger stark von Unternehmenssteuern betroffen ist. «Die Aktiensteuern machen einen kleineren Anteil aus.» Der Ammann stellt aber klar, dass die Aufgaben für die Gemeinden langfristig nicht kleiner werden. «Und die finanziellen Folgen der Coronakrise werden erst zeitverzögert auf uns zu kommen», befürchtet Stefan Widmer.

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Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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