Würenlingen

Lokalmatadoren Faraci und Maliqaj siegen am Boxmeeting – einer durch K.o.

Am internationalen Boxmeeting in Würenlingen errangen mit Egzon Maliqaj und Davide Faraci zwei Lokalmatadoren wichtige Siege.

Es riecht nach Dul-x und Perskindol in der Mehrzweckhalle Weissenstein in Würenlingen. «Vai, vai – piu vicino» schreien Leute aus dem Publikum Marius Antonietti zu. Der Tessiner steht als erster von vier Schweizer Profiboxern im Ring und hat viele Fans aus seiner Heimat mitgebracht. Sein Gegner Jasmin Dananovic aus Bosnien Herzegowina gibt in der 3. Runde auf und der Jubel bei den 500 Zuschauerinnen und Zuschauern ist grenzenlos. Danach duelliert sich Ricardo Silva mit dem Schweden Karlo Tabaghua. Nach sechs Runden spricht das Kampfgericht Silva wegen einiger klarer Treffer den Sieg zu.

Boxmeeting in Würenlingen

Boxmeeting in Würenlingen

   

Als Egzon «The Engineer» Maliqaj aus Gebenstorf zu epischer Musik aus dem Feuerregen tritt und in Boxerhosen mit goldenen Pailletten in Ring schreitet, recken sich alle Hälse. Seinen Spitznamen hat der 28-Jährige wegen des Berufs. Er ist ursprünglich Maschinenbau-Ingenieur und widerlegt damit die klischierte Vorstellung, dass Boxer einfältig und dumm sind. Wie bei jedem Turnier muss ein Arzt anwesend sein. Bernhard Hollinger aus Gebenstorf hat in dieser Funktion schon viele Matches begleitet. Und räumt mit einem weiteren Vorurteil auf: «Verletzungen gibt es beim Boxen nicht mehr als bei allen anderen Sportarten. Eigentlich hab ich oft mehr Einsätze beim Publikum als bei den Boxern selber.» Maliqaj hat mit dem Ungaren Roland Hamar einen zähen Gegner. Die beiden Kontrahenten dreschen aufeinander ein und ein Aufschrei geht durch die Menge, als Hamar in der 6. Runde durch ein technisches Knockout zu Boden geht.

Wechsel ins Profilager nach verpasster Olympia-Quali

Nach drei Siegen für die Schweiz sind die Erwartungen an den vierten Profiboxer des Abends natürlich besonders hoch. Und das ist der 27-jährige Davide Faraci aus Kleindöttingen. Sein Kampf gegen den Tschechen Ondřej Budera ist der absolute Höhepunkt des von Toni Barbera und seinem Club BF Boxing Promotion organisierten Boxmeetings im Aargau. Alle fiebern dem Auftritt des 1,87 Meter grossen Modellathleten entgegen, der nicht 6 Runden wie seine Vorkämpfer, sondern deren 8 überstehen muss. Denn Halbschwergewichtler Faraci, der in Rom trainiert, ist der Erfolgreichste aller Teilnehmer. Unvergessen bleibt seine Bronzemedaille, die er sich als Amateurboxer an der U22-Europameisterschaft in Russland erkämpfte.  

Zahlreiche Siege an internationalen Turnieren brachten ihm die Auszeichnung «bester Schweizer Amateurboxer der letzten 50 Jahre» ein. Weil er die Olympiaqualifikation zweimal um Haaresbreite verpasste, wechselte er ins Profilager. Trotzdem kann er vom Sport nicht leben und arbeitet temporär noch als Automatiker. Der Kampf in Würenlingen ist für ihn eine wichtige Vorbereitung für den italienischen Meistertitel, den er am 7. Juni 2019 in Udine unbedingt holen will. «Da-vi-de, Da-vi-de» tönt es laut und rhythmisch aus den Zuschauerreihen. Das beeindruckt den Gegner aber nur wenig.

In der 2. Runde geht er dank einer präzis geschlagenen Kombination von Faraci zwar kurz zu Boden. Doch klein beigeben kommt für ihn nicht in Frage. Der Schweiss spritzt und man hört die zwei Faustkämpfer ächzen vor lauter Anstrengung. Das Duell bleibt bis zum Schluss spannend. Den Ring dominiert aber schliesslich doch Faraci, das Kampfgericht erklärt ihn zum Sieger. Ein mehr als würdiger Schlusspunkt eines mehr als denkwürdigen Boxabends in der Mehrzweckhalle Weissenstein.

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