Besser hätte der Zeitpunkt nicht gewählt sein können: Just an dem Tag, als ein Stromausfall die Zürcher Innenstadt lahmlegte, lud der Gemeindeverband ZurzibietRegio zu einem Infoanlass mit dem Thema «Blackout – oder was passiert, wenn das Licht ausgeht.» Passend gewählt war auch die Kulisse. Die Veranstaltung fand im Auditorium des AKW Leibstadt statt, dort, wo 16 Prozent des Schweizer Stroms produziert werden.

Rund 70 Zuhörer lauschten den Vorträgen. Am Pult standen Paul Niggli, Leiter Krisenmanagement der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid, und Roland Indermühle, Chef Regionales Führungsorgan Zurzibiet, das in Notlagen oder nach einer Katastrophe
zum Einsatz kommt.

Indermühle begann seinen Vortrag effektvoll: Er liess das Licht im Saal löschen. «Ich könnte euch stundenlang im Dunkeln sitzen lassen», sagt er. Die Lacher waren ihm gewiss. Doch nachher wurde es rasch ernst. Indermühle listete die Kreise der Betroffenen eines Blackouts auf: Private, Heime, Kliniken, Verkehrswesen, Wirtschaft, Landwirte, Schulen, Bevölkerung und weitere mehr. Die Auswirkungen hängen von der Dauer des Stromausfalls ab. Relativ unkritisch seien Ausfallzeiten von 4 bis 6 Stunden. Bereits bei 12 bis 24 Stunden kann es zu Engpässen in der Lebensmittelversorgung und Plünderungen kommen. Ab 3 Tagen spricht man von einer Notlage.

Einen Blackout zu verhindern, sei nicht wirklich möglich, meinte Indermühle. Man könne sich aber wappnen. Batterien einsetzen, stromsparende Geräte nutzen, Notvorräte bereithalten. Die Investition in Sicherheit sei sinnvoll eingesetztes Geld. Es liege an den Gemeinden, Aufklärungs- und Präventionsinformationen bereit zu halten. Die Zurzibieter Gemeinden werden vom Regionalen Führungsorgan demnächst detaillierter über Massnahmen orientiert.

Blackout-Gefahr im letzten Winter

Paul Niggli umriss, dass die Swissgrid das Bindeglied zwischen Stromproduzenten und Verbrauchern sei. Zum Blackout sagte er: «Wir sind die, die versuchen, dass es nie so weit kommt.» Neben technischen Störungen und Marktversagen seien heutzutage auch Cyberangriffe oder Systemfehler mögliche Auslöser. Im Jahr 2014 gab es in der Schweiz während 1781 Stunden Engpässe. «Dieser Wert ist nicht beängstigend», sagte Niggli, «die Schweiz hat die beste Regelqualität Europas.»

Besorgniserregend aber war die Lage im vergangenen Winter. Die Laufwasserproduktion war tief, die Speicherseen waren unterdurchschnittlich gefüllt, und dann gingen auch noch Beznau I und II vom Netz. «Wir hatten einen milden Winter, es ging gerade noch mal gut», sagte Niggli und betonte: «Die Gefahr eines Blackouts hat bestanden. Die Transformatoren liefen an der Belastungsgrenze.» Die Möglichkeit, dass es in der Schweiz in den nächsten Jahren zu einem 24-Stunden-Blackout kommt, bezifferten er wie auch Indermühle mit rund 20 Prozent.

Elsässer wird neuer Präsident

Die anschliessende Diskussion wurde vom Tegerfelder Grossrat Erwin Baumgartner geleitet. Es war sein letzter Auftritt als Präsident der Zurzibieter Arbeitsgruppe Energie. Er hatte das Amt seit 2013 inne. Sein Nachfolger wird der Lengnauer Gemeinderat Marcel Elsässer. Sein Job ist es, das Zurzibiet als moderne Energieregion zu positionieren, Wissen zu vermitteln, die Akteure zu vernetzen und ein Ideenlieferant für konkrete Projekte zu sein.