Eine hohe Konzentration von Legionellenkeimen hat die Verantwortlichen des Atomkraftwerks Leibstadt aufgeschreckt und zum raschen Handeln veranlasst. Die im Bereich des Kühlturms bei einer Routineüberprüfung festgestellten Bakterien sind gezielt mit 14 Tonnen Javelwasser und zwei Tonnen Biozid chemisch bekämpft worden. «Die Desinfektion verlief planmässig, die Auswertung soll Mitte September abgeschlossen werden», schreibt Karin Giacomuzzi, Leiterin Information im KKL. «Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass weitere Einsätze geplant sind.»

Gefahr bei hoher Konzentration

Legionellen kommen im Süss- und Salzwasser vor, vermehren sich bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad und werden in Schwimmbädern, Klimaanlagen, Kühltürmen, Krankenhäusern, Duschen und Wassertanks nachgewiesen. Gewisse Legionellenarten können über das Einatmen kleinster Wassertröpfchen (Aerosolen) die Legionellose oder Legionärskrankheit verursachen. Bei Legionellen in Kühltürmen gilt Handlungsbedarf ab einer sehr hohen Kontamination von 10000 keimbildenden Einheiten pro Liter. Dieser Wert ist im Kühlturm Leibstadt überschritten worden.

Die Legionärskrankheit wurde 1976 erstmals beschrieben und forderte in den USA 29 Todesopfer. In der Nähe von Ulm starben Anfang 2010 fünf Menschen, 64 sind infiziert worden. Auf der Suche nach der Ursache stiessen die Gesundheitsbehörden auch auf die Kühltürme eines neuen Blockheizkraftwerks in Ulm.

Bund und Kanton im Einsatz

Das gesundheitliche Risiko für die Bevölkerung im Umfeld des Kraftwerks sei äusserst gering, beruhigt das KKL. Die chemische Behandlung sei eine Vorsichtsmassnahme und diene dem Schutz der Mitarbeitenden. Unter der Federführung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) waren zahlreiche nationale und kantonale Ämter involviert, so das Bundesamt für Gesundheit und das Bundesamt für Umwelt.

Ansteckung über die Atemwege

Legionellen im Trinkwasser sind kein Problem, aber das Einatmen von kleinsten Tröpfchen, weil die Erreger dadurch in die tiefen Lungenabschnitte gelangen können. Das kann beim Duschen geschehen, durch Luftbefeuchter, Klimaanlagen, Badebecken und auch in Whirlpools. Die Wirkung des Dampfes aus Kraftwerken ist wenig bekannt.

«Weil die Keime so langsam wachsen, dauert der Nachweis 7 bis 14 Tage», betont Alda Breitenmoser, Leiterin im Aargauer Amt für Verbraucherschutz. Dieses war bei der Bekämpfung der Legionellen mit Javelwasser ebenso beteiligt, wie das Amt für Umwelt und der Kantonsärztliche Dienst. Das AKW Leibstadt muss nun einen Bericht verfassen und diesen dem Ensi vorlegen.