Am Silvesterabend ist die Ära des Laxdal-Theaters in Kaiserstuhl zu Ende gegangen – und das trotz ausverkaufter Vorstellungen. Nun steht fest, was schon länger gemunkelt wurde: Die Zurzibieter Theatertradition im Amtshaus geht weiter.

Dank Schauspieler und Regisseur Peter Niklaus Steiner. Ein neu gegründeter Trägerverein hat ihn als neuen Leiter eingesetzt. Er wird das Theater ab April weiterführen – mit neuem Namen und Konzept, berichtete das Regionaljournal Aargau-Solothurn.

Langer Arm der US-Steuerbehörden

Ein Blick zurück: Die Geschichte, die das Theater Laxdal in die Knie zwang, ist so unglaublich wie ein Theaterstück. Der Grund liegt im langen Arm der US-Steuerbehörden.

Auslöser war der unklare Steuerstatus des in den USA geborenen Schweizers Tyko Strassen. Er führte das Theater zusammen mit seiner Frau Katerina Laxdal, die Witwe des Theater-Gründers Jón Laxdal.

Wegen dieser Unklarheit hatte die Postfinance das gemeinsame Privatkonto des Ehepaars aufgelöst und die elektronischen Finanzdienstleistungen gesperrt. Das Erledigen von finanziellen Angelegenheiten wurde extrem kompliziert.

So kompliziert, dass dieser Zusatzaufwand das Führen des Theaters für die Fachärztin und den Mathematiker neben der Berufstätigkeit unmöglich machte.

«Kaiserbühne»: kurz und knackig

Am Silvester fiel der letzte Vorhang des Laxdal-Theaters mit dem Stück «Der Trinker». Das Besondere: Inszeniert hatte es Peter Niklaus Steiner, der gemeinsam mit dem Aargauer Kuratorium und anderen Künstlern nun dafür gesorgt hat, dass die Theatertradition weitergeführt wird.

«Es hat mich getroffen, als ich hörte, dass das Laxdal-Theater schliessen muss», sagt Steiner. «Vor allem, da das Ende nichts mit dem Theaterbetrieb zu tun hatte.» Das Publikum sei vorhanden und ein gut laufendes Theater sei nicht selbstverständlich.

«Für die Zurzibieter Kulturszene ist diese Bühne enorm wichtig. Auch als Brückenschlag über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus.» Für den 57-Jährigen war klar: Das Theater muss weiter existieren.

Schon im Dezember sagte er gegenüber der Aargauer Zeitung: «Wenn es weitergehen soll, dann mit einem in der Region verankerten Trägerverein.»

Dies wurde am 23. Januar nun Realität. Der Verein Pro Kaiserstuhl, der Kaiserstuhler Gemeinderat, Künstler und Kulturfreunde gründeten den Trägerverein Kaiserbühne, den Karin Preisig von der Amtshaus-Genossenschaft als Vermieterin der Räumlichkeiten präsidiert.

Als Betriebsleiter wurde Steiner für zwei Jahre eingesetzt. Die zeitliche Begrenzung deshalb, da er sich nicht zu lange binden möchte.

Als Gründer und Leiter des Turbine-Theaters in Langnau am Albis verfügt der gebürtige Winterthurer über die nötige Erfahrung und Kontakte. «Ohne diesen Background hätte ich es nicht gewagt.»

Da hinter seinem Theater ebenfalls ein Verein steht, weiss er um die Vorteile dieser Organisation: «Ein privat geführtes Theater steht und fällt mit der Person dahinter. Bei einem Verein sind immer mehrere involviert.»

Der Name Laxdal durfte der Verein nicht überehmen. An der Gründungsversammlung einigte man sich auf «Kaiserbühne». «Im Rennen waren auch Kaisertisch oder Amtspielhaus», sagt Steiner.

«Kaiserbühne» habe aber überzeugt, da dies am besten zu Kaiserstuhl passe sowie kurz und knackig sei.

Aber nicht nur der Name und die Betreiber ändern, sondern auch das Konzept. Zwar soll die Kernkompetenz Schauspielerei erhalten bleiben und die Eigenproduktionen des Kaiserstuhler und des Turbine-Theaters weiterhin jeweils im anderen Theater aufgeführt werden.

Steiner strebt aber auch eine Öffnung des Programms an. Neu haben auch Musik wie Jazz und Klassik, Lesungen oder Comedy ihren Platz auf der Bühne. «Unser Ziel ist es, einen kulturellen Austausch zu ermöglichen.» So integriert die Kaiserbühne auch Veranstaltungen des Kaiserstuhler Festivals der Stille.

Diese Öffnung und die Zusammenarbeit mit Veranstaltern vor Ort war ein Kernanliegen des Aargauer Kuratoriums, sagt Walter Küng, Vorsitzender des Bereichs Theater und Tanz. «Dass die Theaterbühne weiter geführt wird, ist kulturpolitisch sehr wichtig.»

Das Kuratorium förderte das Laxdal-Theater seit Jahren, 2016 mit 75 000 Franken. Er ist zuversichtlich, dass auch die neue Kaiserbühne einen Beitrag erhält. Der Verein habe das Gesuch dazu gestellt, entschieden werde bald, so Küng.

Das grosse Eröffnungsfest findet am letzten Wochenende im April statt. Noch ist Peter Niklaus Steiner auf der Suche nach einem prominenten Kulturschaffenden als Haupt-Act für den Samstagabend. Am Sonntag findet ein Klassik-Matinee statt.