Kleindöttingen

Landgasthof «Linde» wegen Konkurs wieder zu – Wirt beklagt sich über 10'000 Franken Pacht

Nach nur einem Jahr ist der Gasthof „Linde“ in Kleindöttingen bereits wieder geschlossen: Pächter Adrian Brantschen musste die Bilanz deponieren. Der Pachtzins sei zu hoch, und die Landgasthof Linde AG als Besitzerin des Gebäudes habe ihn zu wenig unterstützt, beklagt er sich.

«Herzlich willkommen» steht auf einer Tafel beim Landgasthof Linde im Herzen von Kleindöttingen. Im Aushang werden knackige Sommersalate angepriesen und in der Gartenwirtschaft flattern rote Tischtücher im Wind. Nur der Hinweis «Betriebsferien» auf einer weiteren Tafel deutet darauf hin, dass die Beiz seit Mittwoch letzter Woche geschlossen ist: Das Konkursamt Aargau hat nach nur einem Jahr Betrieb den Konkurs über die «Hotel Linde A. Brantschen GmbH» eröffnet. Und dies, obwohl das Restaurant gut besucht war. Was ist geschehen?

Nachdem 2014 die damaligen Betreiber die Bilanz deponiert hatten, übernahm die Landgasthof Linde AG die Liegenschaft Ende 2015. Hinter dieser Aktiengesellschaft steht eine Gruppe von zehn Unternehmern sowie Gemeindeammann Patrick Gosteli als Verwaltungsratspräsident, die das ehemalige «Gault Millau»-Restaurant als Dorfbeiz wieder eröffnen wollten.

Seit April 2016 verpachteten sie die «Linde» mit Restaurant, einer 3,5-Zimmer-Wohnung und 15 Zimmern an Adrian Brantschen. Nun hat seine «Hotel Linde A. Brantschen GmbH» die Bilanz deponieren müssen.

Von aussen deutet nur das Schild «Betriebsferien» daraufhin, dass die «Linde» zu ist.

Von aussen deutet nur das Schild «Betriebsferien» daraufhin, dass die «Linde» zu ist.

Pächter: «Pachtzinsen zu hoch»

Für Brantschen ist klar: «Die Pacht mit 10'000 Franken war zu hoch angesetzt.» Und er ergänzt: «Der Gasthof war zwei Jahre zu. Da dauert es, bis die Gäste wieder kommen.» Er habe die «Linde» trotzdem übernommen, da ihm Kurt Keller und Patrick Gosteli im Namen der AG mündlich zugesichert hätten, ihm mit der Pacht entgegenzukommen, falls die Zahlen nicht stimmen würden.

«In den ersten sechs Monaten hatte ich noch genügend Geld auf der Seite, um die volle Pacht zu zahlen.» Aber bis der Umsatz genügend hoch sei, um vom Gasthof leben zu können, dauere es länger. Zudem sei bei der vorangegangenen Sanierung nicht alles korrekt eingebaut worden, und er habe einen grossen Teil dieser Folgerechnungen übernehmen müssen. Deshalb seien die Ausgaben höher ausgefallen, als er erwartet habe.

Im Aushang: Die vorerst letzte Speisekarte.

Im Aushang: Die vorerst letzte Speisekarte. 

«Also wollte ich auf unsere Vereinbarung zurückkommen», sagt Brantschen. So habe er zuerst mündlich und dann via Whatsapp vorgeschlagen, dass die AG im ersten Jahr auf einen Teil des Pachtzinses verzichte, und zwar auf jenen Teil, den Brantschen als Ablösesumme für die Liegenschaft zahlte. Das hätten die Besitzer aber abgelehnt. Gleich sei es ihm bei seinem Gesuch um ein Darlehen ergangen. Nach einem Jahr ging ihm nun das Geld aus, und die GmbH ging Konkurs. «Mit etwas mehr Zeit hätte ich den Gasthof zum Laufen gebracht. Denn in den letzten Monaten war das Restaurant oft ausgebucht», sagt Brantschen und ergänzt: «Ich bin enttäuscht, dass mich die Besitzer nicht mehr unterstützt haben.»

Da die Aktiengesellschaft lange Zeit keine Einsicht in die Zahlen hatte, sei sie vom Konkurs der «Linde» überrascht worden, sagt Verwaltungsratspräsident Patrick Gosteli. «Wir hatten mündlich vereinbart, dass wir helfen würden, falls sich die Anfangsphase schwierig gestalten würde.» Ein Antrag für eine Reduktion sei aber nie gekommen. «Und das Gesuch um ein Darlehen kam erst kurz vor dem Konkurs.»

In der Gartenbeiz flattern eine Woche nach der Schliessung rote Tischtüchter im Wind – so als ob der Betrieb weiterginge.

In der Gartenbeiz flattern eine Woche nach der Schliessung rote Tischtüchter im Wind – so als ob der Betrieb weiterginge. 

Klar sei es nicht einfach, nachdem das Restaurant zwei Jahre geschlossen war, erklärt Verwaltungsratsmitglied Walter Hess. «Man kann nicht erwarten, sofort schwarze Zahlen zu schreiben.» Er fügt aber an: «Wir haben immer grosse Bereitschaft gezeigt, den Wirt zu unterstützen.» So hätten regelmässig Gespräche stattgefunden, an denen die Aktiengesellschaft Vorschläge unterbreitet habe. Und auch mit den Pachtzinsen sei die Besitzerin entgegengekommen. Und als Ende 2016 der offene Betrag noch nicht eingetroffen sei, habe man ihm erneut Zeit gegeben.

«Pachtzinsen sind marktüblich»

«Aber letztendlich muss man vertragliche Vereinbarungen einhalten», sagt Hess. Wieso der Wirt nach einem Jahr bereits Konkurs ging, kann er nicht sagen. An den Pachtzinsen könne es nicht liegen, ist er überzeugt. «Die sind marktüblich.» Auch das Restaurant sei gut besetzt gewesen und die Gäste hätten gut gegessen, so Hess. «Zusammen mit der Wohnung und den 15 vermietbaren Zimmern müsste es möglich sein, genug Umsatz zu machen.» Das bestätigt auch der ehemalige Pächter Adrian Brantschen. «Aber erst nach ein paar Jahren», sagt er.

Sobald das Konkursverfahren abgeschlossen ist, will die Aktiengesellschaft als Besitzerin der Liegenschaft einen neuen Pächter suchen. Zu den ähnlichen Konditionen, wie Walter Hess sagt.

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