Ein Strahlen war das, kreuz und quer durchs Dorf – sagenhaft: Die Sonne strahlte sommerwarm, hunderte von Gläsern strahlten vor Sauberkeit, in ihnen drin strahlten köstliche Tropfen, die Männer und Frauen, die selbigen tranken, strahlten geniesserisch und die sechsjährige Sunanda strahlte, als sie neben Martin Suter auf dem Bock sass.

Am 14. Tegerfelder Wysonntig – der seit 1990 jeweils auch am Freitagabend und am Samstag stattfindet – wurden erstmals Kutschenfahrten durch die Rebberge angeboten, organisiert von Isabelle Schmid. Der Freienwiler Suter hatte seinem Glas-Landauer von 1897 die Wallache «Andiamo» und «Timmi» vorgespannt. «Audi» und «Quattro» zogen den Landauer von 1890 von Röbi Frei aus Würenlingen. Im Nu waren sämtliche Fahrten ausgebucht.

Nicht nur Pferdestärken, auch Benzin-Motoren waren präsent: Einachser, vorwiegend der Marke Rapid, ratterten und knatterten über eine etwas ausserhalb gelegenen Wiese: Gepflegte, blumengeschmückte Liebhaberstücke von Bauern aus der Umgebung, ebenso wie motorisch aufgemotzte Boliden vom Einachser Club Lanterwil. Als grosser Fan solcher Rennen outete sich Michael Müller, gebürtiger Tegerfelder und CEO der Basler Versicherungen: «Für mich ist die Bauern-Formel-1 das Grösste und ich wünschte, Bernie Ecclestone würde einen Einachser-Grand-Prix von Monte Carlo organisieren», erklärte er in der launigen Ansprache, die er als Ehrengast hielt.

Zusammen mit einer geladenen Delegation von Zurzibieter Gemeindeammännern, einigen Grossräten und Nationalrat Thierry Burkart genoss Müller den Rundgang durchs Dorf, verbunden mit Boxenstopps zwecks Auftanken von köstlich vinifiziertem oder gebranntem Treibstoff. Wie es die Wysonntig-Tradition will, boten zehn Produzenten in kleinen Holzhütten ihre dunkel- und hellroten, goldgelben und weissen Spezialitäten zum Degustieren an. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher genossen dies aus – im wahrsten Sinne des Wortes – vollen Zügen und so wurden, wo edle Säfte von Trauben Trumpf waren, die Menschentrauben immer grösser.

Auch am diesjährigen Tegerfelder Wysonntig fehlte es nicht an kulinarisch attraktiven Angeboten: Eglifilets, Würste, Ghackets mit Hörnli, Schweinshaxen, Pouletflügeli, Raclette, Risotto, selbst gemachte Kuchen – Magen, was begehrst du mehr? Sogar «Rebberg-Küsschen» gabs: Der Kochclub servierte Caffè Corretto mit Schlagrahmhäubchen und diesem Namen auf einer Maurerkelle mit integrierter Veloklingel.

Nicht nur Trinken, Essen, Kutsche fahren und Einachser bestaunen – auch Show-Tanz auf einer der Bühnen gabs, sowie abends Rock-Pop-Konzerte auf der anderen. Tagsüber tuckerte da ebenfalls ein Tschu-Tschu-Bähnli für die Kleinen, wurden Nailkunst und Schminken für Kinder angeboten, Büchsenschiessen sowie ein Velo, auf dem man statt fahren einen Holzstamm durchsägen konnte. Mittendrin brachte Luftballonkünstler und Comedian Toby van Deisner mit seinen spontanen Aktionen, frechen Sprüchen und witzigen Pointen die kleinen und grossen Besucher eins übers andere Mal zu schallendem Lachen – und zum Strahlen.