«Es ist ein einschneidender Wechsel im Leben», stellt Kurt Wyss zum Übertritt in den Ruhestand fest. Ende November wurde er als Leiter des Zollinspektorates Schaffhausen der Eidgenössischen Zollverwaltung pensioniert. Sein Weg dorthin war schnurgerade verlaufen. Obwohl Luzern, wo er aufgewachsen ist, «an keine Landesgrenze stösst», wie er schmunzelnd feststellt. «Ich habe die damalige Verkehrsschule besucht. Deren Absolventen gingen später zur PTT, zu den SBB, zur Swissair, zu Radio Schweiz – das damals für die Flugsicherung zuständig war – oder zum Zoll. Weil mir Zahlen lagen, entschied ich mich für den Zoll.»

Nach der Ausbildung an der Zollschule in Liestal, an der auch die Grenzwächter ausgebildet wurden und die, wie er sich erinnert, «ziemlich straff» geführt wurde, kam Kurt Wyss zum Zollamt Koblenz. Nach zehn Jahren wechselte er zum Flughafenzollamt Kloten. 1999 kam er zum Zollinspektorat Schaffhausen, das mit seinen rund 180 Mitarbeitenden für den Bund jährlich rund 1,25 Milliarden Franken an Zollgebühren einnimmt. «Mir war es stets wichtig, den Horizont aufzutun», erklärt er zu seinen beruflichen Stationen. «Dass das Zollamt Koblenz später dem Inspektorat Schaffhausen zugeteilt wurde, hat mir natürlich gepasst, weil ich dannzumal schon lange in der Region Zurzibiet wohnhaft und auch politisch tätig war.»

Die verpasste Wiederwahl

Sozusagen als Senkrechtstarter wurde Kurt Wyss 1989 auf Anhieb als Gemeindeammann von Leuggern gewählt. Dieses Amt übte er während 19 Jahren aus. 1996 wurde er als Vertreter der CVP in den Grossen Rat gewählt, dem er während sieben Jahren angehörte. Die Wiederwahl verfehlte er um ganze zwei (!) Stimmen. «Das war sehr bitter», stellt er heute noch fest.

Zum beruflichen und politischen Engagement kam auch das militärische. Kurt Wyss kommandierte eine Infanterie-Kompanie, später ein Bataillon und zuletzt, als Oberstleutnant, das Flughafenregiment 4. Dass diese Einheit im Zuge der Armeereform aufgelöst wurde, bezeichnet er auch aus heutiger Sicht als «grossen Fehler».

Beruf, Politik und Militär seien eine gute Kombination gewesen. «Es waren gute Erfahrungen. Ich möchte nichts davon missen. Für mich war es eine Bereicherung. Ich lernte viele gute Leute kennen.» Er gibt aber auch zu bedenken: «Man muss positiv eingestellt sein. Mein Motto waren stets die vier M: Man muss Menschen mögen. Man muss manchmal aber auch fünf gerade sein lassen können. Es geht darum, zu erkennen, was wichtig ist und was nicht.»

Mehr Zeit für die Enkel

Und jetzt, nach Beruf, Politik und Militär? «Bei der Pensionierung habe ich gesagt, dass der Dezember ganz der Familie gehört», sagt Kurt Wyss. «Die kommenden drei Monate bin ich kontinentsabwesend: Meine Frau und ich werden Neuseeland und Australien besuchen. Wir freuen uns darauf.»

Da sind aber auch die Radsporttage Gippingen, bei denen er nach wie vor als Leiter Finanzen und Sponsoring engagiert ist. Er ist aber auch selber auf dem Rennvelo anzutreffen. «Jetzt wird es wieder etwas mehr werden», freut er sich. «Es hat noch Luft nach oben.» Daneben nimmt er einige Mandate wahr. So beim Forum Vera, das sich für eine sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle einsetzt, und beim Nuklearforum Schweiz. «Als ich ins untere Aaretal gekommen bin, hatte ich als Luzerner null Ahnung von Kernenergie», erklärt er. «Als ich, damals als Gemeindeammann, hörte, dass die Nagra am Strick bohren wollte, habe ich begonnen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.»

Nicht zuletzt aber ist Kurt Wyss jetzt vermehrt als Grossvater gefordert. «Ich habe vier Enkelkinder, die mir sehr viel Freude machen», betont er. «Das älteste ist acht Jahre, zwei sind vier Jahre alt und das jüngste ist halbjährig. Wenn ich um den Stausee jogge, begleitet mich manchmal mein achtjähriger Enkel auf dem Velöli.» Der Bub muss tüchtig in die Pedale treten. Als 65-Jähriger ist Kurt Wyss den Stauseelauf in 38 Minuten 11 Sekunden gelaufen. «Im Moment bin ich sportlich noch recht gut zwäg.»