Vor anderthalb Wochen hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) sechs Vorschläge zur Umsetzung des Fluglärm-Staatsvertrags mit Deutschland vorgestellt (die az berichtete). Vier Varianten enthalten den gekröpften – oder neuerdings gekrümmten – Nordanflug.

Neu ist, dass der gekröpfte Anflug auf den Flughafen Zürich sowohl von Westen über das Zurzibiet als auch von Osten her ins Spiel gebracht wird. Die Variante 1/Ost enthält keine gekröpften Anflüge, sieht aber eine Zunahme der Abflüge über das Surbtal von 16 Prozent vor.

In allen sechs Varianten ist eine Reduktion der Nordanflüge um 17 Prozent auf 61 Prozent aller Anflüge auf den Flughafen Zürich eingeplant, um die Vorgaben aus dem Staatsvertrag einzuhalten. Auffallend ist, dass der Süden mit den neuen Vorschlägen tendenziell entlastet würde, während dem Westen und dem Osten bedeutend mehr Fluglärm aufgebürdet wird.

Faire Verteilung weiter gefordert

«Die vom Bazl vorgeschlagenen An- und Abflugvarianten tragen nicht zur Klärung der Situation bei. Sie verwirren nur zusätzlich», sagt Kurt Schmid, Präsident des Vereins «gekröpfter Nordanflug nein» und Gemeindeammann der von einer Doppelbelastung bedrohten Surbtaler Gemeinde Lengnau. Bei einer Annahme des Staatsvertrages gehe es in erster Linie darum, den verbleibenden Fluglärm innerschweizerisch gerecht zu verteilen», sagt Schmid, «wobei die technische Machbarkeit zu berücksichtigen ist».

Auf den ersten Blick komme die Variante 1/Ost verlockend daher, habe aber den grossen Nachteil, dass das Surbtal mehr Abflüge übernehmen müsste. «Den Gekröpften abwehren und gleichzeitig 16 Prozent mehr Abflüge übernehmen – das wäre ein miserabler Deal», sagt Schmid. Keine der sechs vorgestellten Varianten entspreche der Forderung einer gerechten Fluglärmverteilung. «Die Hauptbelastung läge immer noch beim Norden, beim Westen und beim Osten. Der Süden käme erneut ungeschoren davon», empört sich Schmid.

Das könne unter keinen Umständen akzeptiert werden. Der Präsident des Vereins «gekröpfter Nordanflug nein» verlangt weiterhin, dass An- und Abflüge als Gesamtpaket behandelt und fair auf alle Himmelsrichtungen verteilt werden. Es führe kein Weg daran vorbei, dass auch der Süden seinen Anteil am Fluglärm zu tragen habe, sagt Schmid. Nicht auszuschliessen sei, dass der Staatsvertrag von deutscher Seite abgelehnt wird: «Dann allerdings müssten wir in der Fluglärmfrage zurück auf Feld 1.»