Kunst

Kunst als Brücke zwischen den Religionen

Paula Jost vor dem Werk «Menora» aus dem Jahr 1991 – der Leuchter symbolisiert Erleuchtung. Dap.

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Paula Jost vor dem Werk «Menora» aus dem Jahr 1991 – der Leuchter symbolisiert Erleuchtung. Dap.

Unter dem Thema «Energiequellen» stellt die 75-jährige Paula Jost noch bis zum 13. Juni im Dorfmuseum aus.

«Wenn wir mit unserem höheren Selbst, unserer inneren Quelle in Kontakt treten, bekommen wir Zugang zu einem Reservoir unendlicher Kraft», sagte einst der Mediziner und Autor Deepak Chopra. Die Suche nach einer ganzheitlichen Medizin, einer Heilkunst mit Seele, führte den Inder schnell an die Grenze von Wissenschaft und Glauben. Eine Brücke zwischen Glauben und Kunst hat Paula Jost unlängst mit ihrer Ausstellung «Energiequellen» geschlagen, die noch bis zum 13. Juni 2011 im Dorfmuseum Lengnau zu sehen ist.

Geistige und sakrale Bilder

Tauben in Regenbogenfarben, ein grün-goldener Erzengel Raphael, abstrakte Hände, das heilige Om-Zeichen und buddhistische Tempel - die Ausdrucksformen der Stickereien, Krüll- und Drahtarbeiten von Paula Jost sind vielfältig. Die Künstlerin versteht sich selbst als Werkzeug von geistigen, spirituellen und sakralen Bildern, in denen sie Symbole versteckt, die sich oft erst auf den zweiten oder dritten Blick zeigen.
Zeichen, die eine tiefe und vor allem offene Religiosität widerspiegeln, da sie sowohl aus Christen- und Judentum als auch aus dem Buddhismus stammen.

Sie sei eben interreligiös, schmunzelt die 75-Jährige. Nicht ohne Stolz fügt sie hinzu, dass man Zeit brauche, um ihre Werke ganz zu entschlüsseln. So wie beispielsweise bei «Menora», eines ihrer früheren gestickten Werke. Aus dem jüdischen Glauben stammend symbolisiert dieser Leuchter die Erleuchtung, die sich um ihn herum windende Schlange steht für Erlösung.

Inspirationen aus der Traumwelt

Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Klosterarbeiten aus Krüll-Papierstreifen, die sich durch ihre goldenen Ränder auszeichnen. In aufwendiger Feinarbeit formte Jost Tausende von winzigen Papierschnitzeln zur Verzierung von Heiligenbildern, der Mutter Gottes und Jesus.

Die Ideen zu ihren Kunstwerken bekommt die ehemalige Textillehrerin aus Büchern, Ereignissen und manchmal auch aus Träumen: «Ich lasse mich inspirieren von tiefen Erlebnissen der Natur und ihren Wundern, Begegnungen mit Menschen, der Bibel und der Mystik - von dem, was meine Seele berührt», erzählt sie. Nur seien die Visionen vor ihrem inneren Auge immer viel schöner als deren letztendliche textile Umsetzung. Ihre Fans scheinen das anders zu sehen.

Trotz der teilweise exquisiten Preise laufe der Verkauf sehr gut. Da sie nur bei natürlichem Licht arbeitet und sehr perfektionistisch ist, benötigt sie je nach Bild mehrere Wochen bis zur Fertigstellung. Doch offensichtlich tut ihr das gut, denn wie sagte sie so schön: «Arbeiten ist für mich Meditation.»

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