Morgen ist es soweit: In Böbikon erfolgt das Kick-off-Meeting der acht Arbeitsgruppen, welche die Grundlagen der Zurzibieter Megafusion mit neun Gemeinden erarbeiten sollen. Die rund 90 Personen aus Politik und Bevölkerung werden dann den einführenden Worten von Jean-Claude Kleiner lauschen. Kleiner hat von Peter Weber die Leitung des Fusions-Projekts Rheintal+ übernommen und gilt in der Schweiz als Fusions-Guru. Das bisherige Meisterstück des 60-Jährigen aus Appenzell Ausserrhoden: der Kanton Glarus. Dort wurden 25 Ortsgemeinden auf 3 Gemeinden reduziert.

Kleiner leitete das Projekt während sechs Jahren, vom ersten Impuls bis zur Vollendung im Jahr 2011, investierte zwei Jahre in das Vorprojekt und vier in die Umsetzung. «Damit das gelingen konnte, brauchte es den klaren Willen der Regierung und der Landsgemeinde, etwas verändern zu wollen», sagt Kleiner rückblickend. Glarus gilt seitdem vielen als Musterbeispiel dafür, dass eine solche Reform gelingen kann. Auch die Fusionen in Rapperswil-Jona und Bözberg stehen im Portfolio des studierten Betriebswirtschafters mit Doktortitel, der im Jahr 2013 das Beratungsunternehmen JC Kleiner GmbH gegründet hat.

Projektleiter Jean-Claude Kleiner.

Projektleiter Jean-Claude Kleiner.

Die Parallelen zu Glarus

Fusionstreiber in Glarus waren eine abwandernde Bevölkerung, zahlreiche leerstehende Fabrikhallen und gravierende finanzielle Probleme einzelner Gemeinden. «Die Einsicht war da, dass man nicht um eine Fusion herumkommt, wenn man schlagkräftig bleiben will», sagt Kleiner. Ähnlich präsentiert sich die Ausgangslage im Zurzibiet. «Ich denke, die Gemeinden müssen näher zusammenrücken. Das Zurzibiet ist eine Randregion, die gerne vergessen geht. Mit Ausnahme von Bad Zurzach sind alle am Fusionsprojekt beteiligten Gemeinden sehr klein und stossen, was ihre Aufgaben betrifft, an Grenzen.» Ob am Ende des Projekts eine Fusion oder bloss eine engere Zusammenarbeit stehe, sei aber völlig offen.

Nicht zuletzt wegen seiner neutralen, nüchternen und auch zahlenorientierten Arbeitsweise fiel die Wahl der Zurzibieter Ammänner auf Kleiner als Projektleiter. Doch was braucht es aus seiner Sicht für ein gelungenes Unterfangen? «Der Prozess soll offen und transparent sein, alle Schritte müssen kommuniziert werden», sagt Kleiner. «Wir müssen die Betroffenen, sprich die Bevölkerung, zu Beteiligten machen.» Das soll unter anderem mit den Arbeits- und den noch zu bildenden Echogruppen geschehen.

«Emotionen kann man nicht ausblenden»

Ob am Ende des Prozesses tatsächlich die Fusion steht, darüber entscheiden laut Kleiner drei Punkte: der Kopf, das Portemonnaie und das Herz. «Für den Kopf werden wir Argumente finden», zeigt sich der Appenzeller überzeugt. Ob sich die Fusion auch positiv auf die Finanzen auswirke, müsse man genau analysieren. «Es wird sich zeigen, wie ein gemeinsames Budget aussieht und wie die Auswirkungen auf den Steuerfuss sind.» Der vielleicht wichtigste Punkt sind aber die Emotionen. «Diese kann man nicht ausblenden. Nur schon der Gemeindename und das Wappen werden für heftige Diskussionen sorgen. Wenn jemand sagt: ‹Sein Herz schlägt für Kaiserstuhl. Punkt›, dann werden wir das akzeptieren.»

«Beim Kick-off-Meeting sollen die Beteiligten spüren, dass ein erfahrenes, professionelles Team die Leitung übernommen hat», sagt Kleiner. Und: «Ich werde keine Stimmung pro oder kontra Fusion machen.» Auf die Zusammenarbeit mit den Aargauern freut er sich: «Sie ticken ähnlich wie wir Appenzell-Ausserrhoder, sind bodenständig und bescheiden.»