Lange hat er sich Zeit gelassen, doch jetzt ist er endlich da – der Frühling. Wenn es dieser Tage draussen wieder wärmer wird, haben nicht nur Strassencafés und Gelaterias Hochkonjunktur. In den Monaten April, Mai und Juni wird statistisch gesehen am häufigsten geheiratet. Das trifft auch für einen der beliebtesten Trauorte im Bezirk Zurzach zu: die Schlosskapelle Böttstein.

Doch trotz aller Ausstrahlung in der Region und über Kantonsgrenzen hinweg: «Hochzeiten, sowohl katholische als auch reformierte, sind mittlerweile eine Randerscheinung geworden», erklärt Robert Knecht, Präsident des römisch-katholischen Kapellenvereins, der in Besitz des unter Denkmalschutz stehenden Kirchleins ist.

In den Neunzigerjahren hätten jährlich knapp 30 Trauungen in der Kapelle Böttstein stattgefunden. Über die letzten zwei Jahrzehnte sind sie kontinuierlich zurückgegangen. Mit einer Ausnahme: Mitte der Nullerjahre gab es bis zu 26 Hochzeiten. Danach sank die Zahl bis 2017 auf zwölf Trauungen. Dieses Jahr sind es bislang erst vier Hochzeiten. Damit bewegt man sich im Schweizer Trend: Es wird immer weniger geheiratet. Waren es 2015 noch 41 437 Eheschliessungen, gab es 2017 noch 39 789.

Links die Kappele beim Schloss Böttstein.

   

Für Robert Knecht ist dies einer logischen gesellschaftlichen Entwicklung zuzuschreiben. Viele Paare würden heute die standesamtliche der kirchlichen Trauung vorziehen. Und: «Besonders jüngere Leute haben immer häufiger speziellere Wünsche und suchen sich die Lokalitäten für eine Hochzeit gezielter aus.» So seien nur noch die wenigsten Personen auch wirklich in der Gegend geboren oder wohnhaft, in der sie schliesslich auch heiraten würden, sagt Knecht.

Eng mit Trauungen verbunden

Letzten Herbst ist die Kapelle im unteren Aaretal 400 Jahre alt geworden, mit einem Fest sowie einer Buchpublikation wurde die «Jubilarin» gebührend gefeiert. Als Herausgeber fungierte der Kapellenverein Böttstein. Der Verein pflegt und unterhält die Kapelle und angrenzende Kaplanei und vermietet die Räumlichkeiten für soziale Anlässe – wie eben für Hochzeiten.

«Dass sich das Kirchlein für Hochzeiten bestens eignet, verwundert nicht», heisst es im Kunstführer zu Böttstein. Schliesslich gehöre das Gotteshaus «zu den schönsten Räumen nördlich der Alpen aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts».

Das Archivbild zeigt die Schlosskapelle Böttstein an einem Ostergottesdienst.

Blick in die Kapelle.

Das Archivbild zeigt die Schlosskapelle Böttstein an einem Ostergottesdienst. 

Die kirchlichen Trauungen seien eng mit der Geschichte der Kapelle verbunden, sagt Robert Knecht: «Die Hochzeiten tragen viel zur überregionalen Bekanntheit unserer Kapelle bei.» Doch nicht nur: Viel habe auch mit der optimalen Lage am linken Aareufer und der unmittelbaren Nähe zur Ölmühle, zum «Axporama», zum Wasserrad und dem angrenzenden Schloss zu tun.

Für Knecht ist es eine wertvolle Zusammenarbeit mit gegenseitigem Nutzen. «Wir haben einige Hochzeitsgesellschaften, die nach der kirchlichen Trauung noch im Restaurant im Schloss feiern.»

Konzerte geplant

Den Bund der Ehe zum Event an einer besonderen Location machen – Knecht sieht darin auch Chancen für die Kapelle Böttstein. «Sie gehört nach wie vor zu einer der interessantesten Adressen in der Schweiz, um darin zu heiraten», ist der 63-Jährige überzeugt. Doch der Präsident des Kapellenvereins denkt nicht nur an kirchliche Hochzeiten. Er würde es begrüssen, die Schlosskapelle mehr und mehr von der Tradition zu lösen.

Will heissen: Das Kirchlein könnte künftig auch für standesamtliche Hochzeiten oder andere gesellschaftliche Anlässe wie Konzerte oder Familienfeste gemietet werden. «Wieso nicht», fragt Knecht rhetorisch. «Die Böttsteiner Gemeinde war früher ausschliesslich katholisch und wurde über die Jahre immer offener. Das wäre ein nächster konsequenter Schritt.»

Finanzielle Beweggründe stehen für Knecht dabei nicht im Vordergrund. Das sei auch bei den Hochzeiten nie ausschlaggebend gewesen. «Von den 320 Franken Miete pro Hochzeit bleibt als Gewinn für den Verein ohnehin nicht viel übrig.» Vielmehr geht es Knecht darum, Leben in die Kapelle und die Umgebung zu bringen. «Allzu viele Kapellen in der Region fristen heutzutage ein Dornröschendasein», bedauert er.

Der Kapellenverein geht schon einmal mit gutem Beispiel voran, indem er in den nächsten Monaten Konzerte in der Kapelle veranstaltet. Zweimal im Monat finden Gottesdienste statt, die regen Anklang fänden. Die Richtung ist klar: «Die Kapelle Böttstein soll nicht zum reinen Kultobjekt werden, das nur noch spärlich genutzt wird.»