Böttstein

Konkurs der Schlossherrin: Gläubiger fordern 30 Millionen – ihr Vermögen dürfte dafür reichen

Schloss Böttstein dürfte bald einen neuen Eigentümer erhalten.

Schloss Böttstein dürfte bald einen neuen Eigentümer erhalten.

Im Konkursverfahren zu Pearl Anthony Lauper gibt es gute Nachrichten für die Gläubiger: Das Vermögen der umstrittenen Eigentümerin von Schloss Böttstein reicht wohl aus, um die hohen Verbindlichkeiten tilgen zu können.

Das Konkursverfahren über die umstrittenen Böttsteiner Schlosseigentümerin Pearl Anthony Lauper ist einen grossen Schritt weiter. Nun liegt der Kollokationsplan vor. Er zeigt in einem Konkursverfahren auf, welche Gläubiger welche Forderungen zu Gute haben und in welcher Reihenfolge diese gestillt werden. Für die Gläubiger dürfte sich eine grosse Hoffnung erfüllen. «Wir gehen davon aus, dass alle Forderungen der Gläubiger gestillt werden können», sagte die für das Verfahren zuständige Juristin Sabrina Brem vom Konkursamt Thalwil.

Sie verweist auf Schätzungen zu den 23 Liegenschaften, die den Löwenanteil der Konkursmasse ausmachen. Zu Gute kommen dürften den Gläubigern die aktuell hohen Immobilienpreise. Brem unterstreicht:

Da es sich um einen Privatkonkurs handelt, haftet die 54-jährige Lauper mit ihrem gesamten Vermögen. Sie hatte sich anfangs gegen den Konkurs gewehrt, war aber vor dem Zürcher Obergericht mit einer Beschwerde abgeblitzt.

Der Eingang zum Areal von Schloss Böttstein.

Der Eingang zum Areal von Schloss Böttstein.

    

Summe der Forderungen wird weiter steigen

Sabrina Brem war schon im Frühling optimistisch. Im Mai waren es noch über 170 Forderungen. «Es trafen aber immer wieder neue Forderungen ein», sagt sie. Mittlerweile sind es über 200. Gemäss Informationen dieser Zeitung belaufen sich diese Forderungen auf zirka 30 Millionen Franken. «Wir müssen neue Forderungen genau prüfen», sagt Brem. Das hat das sonst schon komplizierte Verfahren noch aufwendiger gemacht. Corona habe dagegen nicht zu einer Verzögerung geführt.

Brem weist daraufhin, dass sich die definitive Höhe der Forderungen weiter erhöhen wird. «Es liegen Forderungen vor, bei denen Zinsen weiter geschuldet sind bis zur Verwertung. Die Forderungen betreffen Hypothekarkredite und nicht bezahlte Sozialversicherungsbeiträge, um ausstehende Löhne von ehemaligen Angestellten und offene Rechnungen von Lieferanten. Die Hypotheken sind der grösste Posten, mehrere belaufen sich auf einen Millionen-Betrag.

Hier liegt Schloss Böttstein:

Nicht weniger als 23 Liegenschaften gehören zur Konkursmasse. Darunter befindet sich auch das Schloss Böttstein sowie mehrere benachbarte, teilweise überbaute Parzellen. Die meisten der 23 Liegenschaften befinden sich im Kanton Zürich. Darunter sind Häuser ebenso wie Landparzellen, etwa auch neben dem Schloss Böttstein. Pearl Anthony Lauper gehören auch Liegenschaften in Südafrika, wo ihre Familie herkommt. «Im Moment haben wir keinen Zugriff auf diese», sagt Sabrina Brem. Bestätigt sich die Hoffnung, dass die Gläubigerforderungen mit der Konkursmasse gedeckt werden können, ist das auch nicht nötig. «Ansonsten würden wir das versuchen», ergänzt die Juristin.

Klage könnte Verfahren verzögern

Der Kollokationsplan ist noch bis zum 25. November für die Gläubiger einsehbar. Im besten Fall könnte der Kollokationsplan gegen Ende Jahr rechtskräftig werden. «Dann können wir mit der Verwertung beginnen», sagt Brem. Verhindern würde dies eine Beschwerde oder Klage eines Gläubigers. Vor dem Hintergrund, dass Gläubiger mit der Auszahlung all ihrer Forderungen rechnen können, scheint dies wenig realistisch.

Pearl Anthony Lauper hatte das Schloss samt Hotel-Restaurant Mitte 2017 vom Energiekonzern Axpo gekauft und buchstäblich heruntergewirtschaftet. Dazu wurden Vorwürfe von Mitarbeitenden publik. Das Hotel-Restaurant, nicht weit vom Paul Scherrer Institut (PSI) und vom Kernkraftwerk Beznau gelegen, genoss zuvor während Jahren einen guten Ruf, weit über die Region hinaus. Seit dem Konkurs steht es leer. Auch in der Gartenwirtschaft bleiben die Stühle seither leer: 

Das Hotel-Restaurant von Schloss Böttstein ist schon länger geschlossen.

Das Hotel-Restaurant von Schloss Böttstein ist schon länger geschlossen.

   

Anfangs durfte Lauper in einer Wohnung der Liegenschaft bleiben. Vor einigen Monaten ist sie ausgezogen.

Schloss Böttstein: Es gibt Kauf-Interessenten

Konkurs ging auch die Wilkinson Immobilien GmbH von Pearl Anthony Lauper. Mangels Aktiven wurde dieses Konkursverfahren vom zuständigen Konkursamt Enge-Zürich bereits eingestellt. Hierbei handelt es sich allerdings um ein separates Verfahren. Es beschränkt sich auf die Liquidation einer weiteren Liegenschaft in Birmensdorf im Bezirk Dietikon. Der Sitz dieser Firma befand sich in einer ehemaligen Jesuiten-Villa in Zürich-Enge. Lauper hatte es vor wenigen Jahren mit ihrem Lebenspartner im Baurecht erworben. Ihr Eigentum daran gehört zur Konkursmasse.

Zu Schloss Böttstein haben sich bereits Interessenten gemeldet. Wird es nun verkauft? «Das können wir noch nicht sagen», sagt Sabrina Brem. Die Reihenfolge bei der Verwertung der Liegenschaften stehe noch nicht fest. Die Juristin weiter: 

Wie seriös deren Interesse ist, wird sich zeigen. Unklar ist auch noch, ob es zu Versteigerungen kommen wird. «Wir werden das zusammen mit den Grundpfandgläubigern anschauen, wie wir im Einzelfall vorgehen», sagt Brem.

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