Böttstein

Konkurs der Schlossherrin: Die erste Liquidation bringt nicht viel ein – doch ein Umstand ist pikant

An einer Liquidation werden wenige Waren der konkursiten Schlossherrin von Böttstein angeboten, welche diese selbst bei einer Liquidation eines Luxushotels kaufte. Der Verkauf des Schlosses wird immer wahrscheinlicher – er steht allerdings noch nicht fest.

Bei einer Liquidation in Bachenbülach wird seit Donnerstag Mobiliar verkauft, das zur Konkursmasse von Pearl Anthony Lauper gehört. Die Eigentümerin von Schloss Böttstein ging letztes Jahr konkurs und musste das Hotel schliessen. Die Forderungen ihrer Gläubiger gehen in die Millionen

Die Liquidation in Bachenbülach ist die erste in diesem Konkurs. Sie wird nur einen Bruchteil davon in die Kasse spülen – einen tiefen fünfstelligen Betrag. Eine Schätzung will Liquidator Jürg Hoss nicht abgeben. «Der Erlös hängt von vielen Faktoren ab», sagt er. Bei der Liquidation stehen andere Verwertungen im Vordergrund, etwa das Interieur des Zürcher Luxushotels Baur au Lac. Von Anthony Lauper stehen vor allem ein Flügel (für 9850 Franken) sowie rund 80 Polsterstühle für 120 bis 280 Franken zu Verkauf. Der Erlös dürfte weniger als 20'000 Franken betragen.

Von diesen roten Polsterstühlen sind an der Liquidation in Bachenbülach rund 40 Stück zu haben.

Von diesen roten Polsterstühlen sind an der Liquidation in Bachenbülach rund 40 Stück zu haben.

Waren aus einem Luxushotel

Pikant allerdings: Einige dieser Waren hat Anthony Lauper selbst an einer Liquidation erworben – im September 2018 im Parkhotel in Weggis LU am Vierwaldstättersee. Mehrere ehemalige Schloss-Mitarbeiter bestätigen, dass sie sich dort wie in einem Kaufrausch einen grossen Teil der angebotenen Ware gekauft habe, während Mitarbeiter auf ihren Lohn warteten. Bei einer Bank in Weggis bezog sie einen Betrag von über 20'000 Franken in bar. Das Geld verwendete sie bei der Liquidation im 5-Sterne-Luxushotel als Anzahlung. 

Dieselben Polsterstühle: Die Stühle, die in Bachenbülach liquidiert werden, standen einst im Restaurant Annex des Parkhotels in Weggis.

Dieselben Polsterstühle: Die Stühle, die in Bachenbülach liquidiert werden, standen einst im Restaurant Annex des Parkhotels in Weggis.

   

Ihr damaliger Mitarbeiter Dominik Kebhart erzählt: «Sie kaufte ganze Zimmereinrichtungen.» Dazu gehörten Betten, Duschen, Lavabos oder Mini-Kühlschränke. Spiegel, Fernseher und Soundboxen. «Sie kaufte auch Handtücher, auf denen das Logo des Hotels eingestickt war.»

Einmal habe sie gesagt, sie habe beim Kauf 43'000 Franken investiert, ein andermal 120'000 Franken. «Niemand hat dort so viel eingekauft wie Frau Lauper.» Weil die Waren nicht alle im Schloss Platz hatten, habe sie Anthony Lauper in Zelten auf dem Schloss-Parkplatz einstellen lassen. Mit Folgen. «Ein Teil erlitt in Böttstein einen Wasserschaden», so einer der damaligen Mitarbeiter.  

Schloss Böttstein in Bildern:

Die Liquidation in Bachenbülach gab das Konkursamt Thalwil in Auftrag, das wiederum das Konkursverfahren zu Anthony Lauper durchführt. «Die Waren waren in Containern eingelagert. Zur Liquidation haben wir uns wegen der Miet- und Standkosten entschieden, die den Erlös schmälern», führt Juristin Sabrina Brem aus, die für das Konkursverfahren zuständig ist. Dieses ist mittlerweile weit fortgeschritten.

Hier liegt Schloss Böttstein.

Über 170 Forderungen von Gläubigern

Brem spricht von einem aussergewöhnlichen Fall und verweist auf die über 170 Forderungen und 23 Liegenschaften, die Anthony Lauper gehören. Sie ist optimistisch, dass der sogenannte Kollokationsplan im Sommer aufgelegt werden kann. Dieser zeigt in einem Konkursverfahren auf, welche Gläubiger welche Forderungen zu Gute haben und in welcher Reihenfolge diese gestillt werden. Möglicherweise müssen sämtliche Immobilien der Böttsteiner Schlossherrin veräussert werden. «Wir gehen davon aus, dass wir damit sämtliche Forderungen der Gläubiger decken können», so Brem.

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