Aktueller könnte das Thema nicht sein: Am Anlass der Zurzibieter Frauen diskutierten Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik, Gesundheit und Gesellschaft, wie der Spagat zwischen Beruf und Familie zu meistern ist. Die gemeinsame Erkenntnis: Betriebe, die sich für die Vereinbarkeit einsetzen, sollen dafür ausgezeichnet werden. Ein neues Standbein fürs Standortmarketing Zurzibiet?

Wann gilt ein Betrieb überhaupt als familienfreundlich und welche Massnahmen müssen dafür umgesetzt werden? Thomas Nigl, Leiter Fachbereich Familien aus dem Baselland, führte dies in seinem Eingangsreferat eindrücklich aus. Seit 2011 hat die Fachstelle über zwanzig KMU-Betriebe begleitet. So viel vorweg: Das Betriebsklima hat sich bei allen Betrieben erheblich verbessert und die Mitarbeitenden fühlen sich heute durch ihre Arbeitgebenden unterstützt und geschätzt. Zufriedenes Personal steigert die Produktivität und ist ein nicht zu verachtender wirtschaftlicher Faktor für eine Unternehmung, mahnte Thomas Nigl denn auch mehrmals die Zuhörenden.

Neun Handlungsfelder wurden aufgezeigt und je nachdem, wie ein Betrieb aufgestellt ist, können diese auf die Familienfreundlichkeit individuell ausgestaltet werden. Für arbeitende Eltern ist die flexible Arbeitszeit besonders wertvoll, so können die Randstunden für die Betreuung der Kinder selbstbestimmt eingeteilt werden. Ebenso ist die persönliche Arbeitseinteilung ein wichtiges Thema: Wenn Kinder erkranken, Familienmitglieder Pflege benötigen oder sich andere Notfälle ereignen, bietet das Homeoffice eine gute Alternative. Die erfolgreiche Umsetzung von familienfreundlichen Strukturen hängt massgeblich vom Willen der Arbeitgebenden und der Verantwortung der Arbeitnehmenden ab, fasste Thomas Nigl abschliessend zusammen.

Familienfreundlichkeit in Arbeitsstrukturen

Die nachfolgende Podiumsdiskussion, moderiert von Elena Flach, ging dann auch der Frage nach, wie die Teilnehmenden in ihren Arbeitstrukturen Familienfreundlichkeit erfahren. Anna Andermatt, Grossrätin und Mutter zweier Kinder, schätzt als Ärztin sehr, dass ihr Arbeitgeber ein flexibles Betreuungsmodell anbietet. Thomas Rohrer, Leiter des Alterszentrums in Fislisbach, hat bei seiner mehrheitlich weiblichen Belegschaft einen 16-wöchigen Mutterschaftsurlaub mit 100 Prozent Entlöhnung eingeführt. Väter dürfen sich bei der Geburt 5 Tage freinehmen. Gabi Spuhler kann als Schulleiterin in Böttstein Teilzeit arbeiten und teilt sich mit ihrem Partner die Kinderbetreuung. Und Markus Birchmeier, Geschäftsführer einer grösseren Unternehmung, Präsident des Wirtschaftsforums und Vater dreier Kinder, führt aus, dass sein Betrieb eine Kindertagesstätte unterstützt.

Nach einer lebhaften Debatte über die gesellschaftliche Verantwortung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die im Übrigen nebst der Kinderbetreuung auch die Pflege von Familienangehörigen beinhaltet, waren sich die Anwesenden einig, dass hinsichtlich dieses Themas noch viel Entwicklungspotenzial besteht. Worauf Markus Birchmeier spontan anregte, dass ein familienfreundliches KMU-Label im Zurzibiet für zuziehende Familien und Arbeitnehmende ein attraktiver Standortfaktor sei. Die Zurzibieter Frauen nahmen den Ball auf und werden sich mit dem Wirtschaftsforum zusammensetzen.