Coronakrise

Koblenz wappnet sich für neue Staus – Einkaufstouristen dürfen noch über die Grenze

Staus sind auf der Rheinbrücke zwischen Koblenz und Waldshut an der Tagesordnung.

Staus sind auf der Rheinbrücke zwischen Koblenz und Waldshut an der Tagesordnung.

Zehn Kantone sind für Deutschland Risikogebiete, doch Zollkontrollen sollen ausbleiben. Der Grenzort atmet auf.

Das Robert-Koch-Institut, die deutsche Behörde für Infektionskrankheiten, nennt mittlerweile zehn Schweizer Kantone als Risikogebiete. Ab diesem Samstag zählt nebst Innerschweizer und welschen Kantonen auch Zürich zum Risikogebiet. Das heisst, dass Personen aus diesen Kantonen bei der Einreise ein negatives Coronatestergebnis vorweisen oder sich, bis dieses vorliegt, 14 Tage in Quarantäne begeben müssen.

In Koblenz fürchtete man, dass es deshalb wieder zu Personenkontrollen an den deutsch-schweizerischen Grenzübergängen kommt. Das Verkehrschaos vom Frühjahr, als viele Grenzübergänge geschlossen waren und sich Koblenz (noch mehr als sonst) zum Nadelöhr entwickelte, ist noch präsent. Denn auch wenn der Aargau nicht als Risikogebiet ausgewiesen ist: Die vielen ZH-Kennzeichen könnten am Zoll kontrolliert werden und so zu Staus führen.

Grenzen sollen offen bleiben

Doch das baden-württembergische Sozialministerium gab am Freitagnachmittag Entwarnung: «Grenzkontrollen wie im Frühjahr will die Bundesregierung so gut wie möglich vermeiden. Das Grenzgeschehen soll so weitergehen wie bisher», sagt Pressesprecher Markus Jox. In einer Notverordnung wurde festgehalten, dass eine 24-Stunden-Ausnahmeregelung für die Quarantänepflicht gelten soll.

Heisst: Selbst Personen aus Risikogebieten müssten nicht in Quarantäne, wenn sie sich für den «kleinen Grenzverkehr», also weniger als 24 Stunden, in Deutschland aufhalten. Nebst Berufspendlern könnten also auch Einkaufstouristen weiter den Rhein nach Waldshut überqueren.

Wie soll kontrolliert werden, ob sich Menschen aus Risikogebieten wirklich nur 24 Stunden in Deutschland aufhalten? «Wie immer bei Corona setzen wir auf die Mitwirkung der Bürger anstatt auf flächendeckende Kontrollen», so Jox. Somit dürfte man auch in Koblenz aufatmen.

Umfahrungen könnten abgesperrt werden

Die Gemeinde wäre dennoch für erneute Grenzkontrollen und Staus gewappnet. Aus der Überlastung in der Zeit unmittelbar nach der Grenzschliessung am 16. März habe man gelernt und nun eine Vorstellung davon, welche Massnahmen Wirkung zeigen, so Gemeindeammann Andreas Wanzenried (parteilos). «Ob es am Zoll zu Staus kommt oder nicht, darauf haben wir keinen Einfluss. Aber wir können zumindest den Umfahrungsverkehr aus dem Zentrum raushalten», erläutert er.

Der Verkehr in Koblenz sei im Frühjahr erst zum Erliegen gekommen, als zu viele Leute die Umfahrung vor dem östlichen Ortseingang über die Landstrasse zum Zoll gewählt hätten. Dadurch wurde das Zentrum verstopft. «Wir haben nach einer Weile diese Zufahrten abgeblockt, das hat schlagartig geholfen. Genauso würden wir wieder vorgehen», sagt der Ammann. Die Schleichwege von Klingnau kommend würde man ebenfalls absperren.

Koblenz wäre also in jedem Fall für erneute Grenzkontrollen gewappnet. Wanzenried rechnet allerdings nicht damit, dass sich die Bilder vom Frühjahr wiederholen: «Das Hauptproblem war, dass andere Grenzübergänge geschlossen wurden und Koblenz zum Nadelöhr wurde. Das wird hoffentlich nicht wieder vorkommen.»

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