Wasser, wohin das Auge reicht – Klingnau kann sich mit seiner Lage am Stausee und an der Aare nicht über Wassermangel beklagen. Und doch: Die Gemeinde muss ihr gesamtes Trinkwasser bald auswärts einkaufen, obwohl ausreichend Grundwasser vorhanden wäre. Was sind die Gründe?

Das Städtli sieht sich gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Beispielsweise eine genügende Wasserqualität sicherstellen zu können. Da ein grosser Teil des Grundwassers in Klingnau unterhalb von Ackerland zusammenfliesst, weist das Trinkwasser mit zeitweise bis zu 40 Milligramm pro Liter einen hohen Nitratwert auf.

Der Pflanzennährstoff gelangt über Gülle und andere Düngemittel in den Boden. Sickert Nitrat ins Grundwasser, kann dies gefährlich werden – ab 50 Milligramm dürfen Kleinkinder das Wasser nicht mehr trinken.

Die Stadt ist deshalb Teil des Nitratprojektes des Bundes: Um den Wert im Grundwasser zu senken, bauen die Landwirte auf freiwilliger Basis im Einzugsgebiet nicht mehr Kartoffeln, Mais oder Weizen an, sondern säen Gras.

Der Boden ist somit bedeutend weniger durchlässig für Nitrat. Im Gegenzug erhalten die Bauern für ihre Eintragseinbussen Ausgleichszahlungen. «Um das Qualitätsziel von 25 Milligramm pro Liter zu erreichen, müssten in Klingnau 60 Hektaren Ackerfläche dauerhaft in Wiesland umgewandelt werden», sagt der zuständige Gemeinderat Reinhard Scherrer.

Das entspricht 84 Fussballfeldern. Der Gemeinderat erhielt von den Bauern aber nur für etwas mehr als die Hälfte Zusagen. «Das ist zu wenig, damit wir sicherstellen können, dass das Wasser den Zielwert von 25 Milligramm pro Liter erreicht.»

Eine weitere Herausforderung liegt darin, dass ein Teil des Einzugsgebietes des Grundwassers unterhalb des Industriegebiets Zelgli liegt. «Nach dem verschärften Gewässerschutzgesetz wären Teile dieses Gebietes deshalb der Schutzzone 2 zuzuordnen.»

Dies hätte teure Folgekosten für das Städtli: In dieser Schutzzone 2 gilt ein generelles Bauverbot, was bedeutet, dass die Landbesitzer für viel Geld enteignet werden müssten.

Döttingen liefert bereits Wasser

«Die Lage ist verzwackt», sagt Scherrer. «Die optimale Lösung ist deshalb, das Trinkwasser neu aus einer der Nachbarsgemeinden zu beziehen und aus dem Nitratprojekt des Bundes auszusteigen.» Im Unteren Aaretal habe es genügend Wasser, um die Versorgung sicherstellen zu können.

«So müssen wir niemanden enteignen. Zudem können wir auch den Konflikt zwischen guter Wasserqualität und Landwirtschaft lösen.» Ein Konflikt, der immer entsteht, wenn das Grundwasser unterhalb von Ackerland zusammenfliesst.

Naheliegend sei, die 580 Kubikmeter pro Tag, die jetzt noch von der Wasserfassung Gütsch kommen, aus Döttingen zu beziehen, sagt Scherrer. Denn der Nachbar liefert bereits heute 230 Kubikmeter pro Tag.

Alternativen wären auch Bad Zurzach oder Rietheim. Eine Arbeitsgruppe prüft zurzeit, welche zwei Optionen sie dem Gemeinderat vorlegen möchte, um Verhandlungen aufzunehmen. Von wo die Stadt das Wasser schliesslich bezieht, entscheiden die Klingnauer voraussichtlicht an der nächsten Wintergmeind.

Massgebend dürften der Wasserpreis sowie die Kosten für den Anschluss an die Leitungen und die Netzverstärkung sein.

Die Wasserfassung Gütsch will der Gemeinderat nicht aufgeben: Das geförderte Wasser könnte zur Wärmegewinnung mittels einer Wärmepumpe verwendet werden. «Wir bräuchten aber einen Abnehmer für die Wärme.» Oder das Wasser aus dem «Gütsch» wäscht im geplanten Kieswerk Hard die Steine.